„Yes, we can“ Dissens Hauptschüler mit Selbstvertrauen ins Berufsleben

Von Alexander Heim


alhe Dissen. „Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“, ist ein gern zitierter Aphorismus, wenn es um den Sinn des Schülerdaseins geht. Für die Neuntklässler der Hauptschule Dissen wird die Weisheit allmählich zu Ernst und Gewissheit. Schließlich winkt im kommenden Jahr der Schulabschluss. Gut vorbereitet in die Bewerbungsphase zu gehen war Ziel der jüngsten Projekttage.

Drei Tag lang stand für die 36 Neuntklässler der Hauptschule daher nun das Thema Berufsvorbereitung in kompakter Form auf dem Stundenplan. Mathe, Deutsch und Naturwissenschaften spielten da einmal keine Rolle. Stattdessen standen Bewerbungsgesprächs-Simulationen, Lebenswegeplanung und ein „Mannequin-Contest“ auf dem Programm.

Potenzialanalyse

„Wir machen jährlich das Berufswahl-Projekt „Yes, we can““, erläutert Diplom-Sozialpädagoge Stefan Quermann, zuständig für die Berufsvorbereitung an der Hauptschule Dissen. Das Ziel: „Die Schülerinnen und Schüler fit machen für den Übergang von der Schule in den Beruf.“ Zwei jeweils 14-tägige Betriebspraktika lagen da schon hinter den Neuntklässlern. Die Potenzialanalyse und den Praxistag haben sie alle durchlaufen. Betriebsbesichtigungen standen ebenso auf der Agenda wie der Besuch im Berufs-Informations-Zentrum (BIZ).

Nun waren zudem etliche Kooperationspartner der Hauptschule mit im Boot, die die Jugendlichen mit Informationen versorgten und Workshops anboten. Svenja Micheiloff (McDonald’s), Ilka Höllmer (Fuchs Gewürze), Miriam Lambers (Dachser Logistik) und Stefanie Ramhorst (Druckerei Beucke & Söhne), Personalexperten, standen als Ansprechpartner zur Verfügung. Mit ihnen konnten die Schülerinnen und Schüler Bewerbungsgespräche simulieren. Grundlage war dabei natürlich eine zuvor eigens verfasste Bewerbung. Im Anschluss an die Simulationen winkte das Feedback der Personal-Profis. Mehr aus Dissen im Netz

Kleinigkeiten

Wie sich ein Bewerbungsgespräch besonders erfolgreich gestalten lässt und auf welche Kleinigkeiten es vielleicht schon ankommen kann – darauf machte Katrin Teuber-Kuhn aufmerksam. Die Mitarbeiterin des Bildungsträgers Fuchs-Konzepte aus Bramsche gab Tipps in Sachen Anklopfen, Händedruck oder das insgesamt optimale Auftreten.

Mit Annika Schütte und Bärbel Höweler gingen die Kleingruppen einen Raum weiter unter anderem der Frage nach, wie viel vom Lehrlingsgehalt wohl übrig bleibt und welche Kosten es einzurechnen gilt. Für Louis führte das zu überraschend positiven Einsichten. „Ich hätte nicht gedacht, dass am Ende so viel übrig bleibt.“ KFZ-Mechatroniker würde er gerne werden. „Ich bin von 650 Euro im ersten Lehrjahr ausgegangen“, verriet er. Ob er bereits einen Lieblings-Betrieb für sich ausgemacht habe? „Eigentlich nicht“, erzählt der 15-Jährige. „Hauptsache, es klappt“, freut er sich auf einen Ausbildungsplatz im Anschluss an die Schulzeit.

Nudeln mit Soße

Seine Mitschüler Pierre und Anas haben in ihrem Rechenbeispiel eine mögliche eigene Wohnung miteinbezogen. „Das wird hinhauen“, stellen sie erfreut fest. „Es sind sogar noch rund 100 Euro im Monat übrig.“ „Ihr ernährt euch dann aber nur von Nudeln mit Soße“, gab Lehrerin Bärbel Höweler zu bedenken. Bei der anschließenden Feedback-Runde im Stuhlkreis werden auch Fahrtkosten zur Arbeitsstätte noch einmal thematisiert, wird Mitschülerin Aylin Recht gegeben, dass mit „150 Euro für Lebensmitteln“ im Monat wohl mindestens zu rechnen sei.

Eine dritte Gruppe beschäftigt sich an diesem Tag mit dem sogenannten „Mannequin-Contest“. Situationen zum Thema „Beruf und Geld“ sollen sich die Schüler vorstellen und im Anschluss als Standbild darstellen. Ein Mitschüler filmt dabei das entstandene Gesamt-Szenario per Smartphone. Eine Aufgabe, die die Schüler mit Begeisterung angehen. Referentin Mona Rickert von „Erleben verbindet“ gibt derweil Tipps und Anregungen. Für die Schüler ein großer Spaß. Aber nicht nur das. Denn beim „Mannequin-Contest“ soll vor allem das Selbstvertrauen gestärkt werden.

Motivationspunkt

„Wir machen hier nicht das Standardprogramm, sondern haben eingekauft, was wir uns für unsere Schüler gut vorstellen können“, erläutert Schulleiterin Cornelia Tippe. „Wir wollen die Schüler am Motivationspunkt abholen“, bekräftigt auch Stefan Quermann. „Ungefähr 50 Prozent unserer Abschlussschüler gehen in eine betriebliche Ausbildung“, weiß der Schul-Sozialarbeiter. Und wünscht sich manchmal, dass das deutsche Ausbildungssystem hier und da flexibler reagieren möge. Nach den Sommerferien werden die Teilnehmer der Projekttage ins 14-tägige Sozialpraktikum starten. Und vielleicht hat der eine oder die andere den Ausbildungsvertrag dann ja schon so gut wie in der Tasche.