Mit Mambo und Tango Swingin´ Ladies + 2 begeistern in Dissen

Von Rolf Habben

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Dissen. Volles Haus, spärliche Bühne, diesen nur scheinbaren Widerspruch wischten die „Swingin´ Ladies + 2“ schnell beiseite. Mit dem Auftritt des multinationalen Quartetts hatte der Jazz-Club in der Dissener Railwaystation einmal mehr einen Volltreffer gelandet.

Vom Vorsitzeden des Jazz Clubs Hans Biewener angekündigt als ein „besonderes Konzert“, bespielten vier Musiker der Extraklasse die schmale Bühne und den überschaubaren Saal des Jazz-Clubs. Swingin´Ladies, das sind die Australierin Nicki Parrott am Bass sowie die US-Amerikanerin Stephanie Trick am Piano, „Plus 2“, das sind Engelbert Wrobel am Sax und an der Klarinette, der die Formation auch zusammenführte, sowie der italienische Ausnahme-Pianist Paolo Alderighi.

Jazzige Einwürfe

Das Prädikat Sonder-Konzert klärte sich auch musikalisch schnell auf. Jazz Puristen, vor allem Anhänger des Ragtime oder Hot Jazz, mögen sich irritiert die Augen oder auch die Ohren gerieben haben. Argentinischer Tango und kubanischer Mambo, mit lediglich jazzigen Einwürfen hier und da, hieß volle drei Stunden die Devise des Abends. Latinoklänge, durchgängig vor allem Titel ihres jüngsten Albums „From Mambo to Tango“ beherrschten das Repertoire des sympathischen Quartetts.

Mit dem Pianospiel von Trick und Alderighi, deren Spezialität das Stride-Piano ist, stellte sich ein atemberaubendes Tasten-Gespann dem Publikum, mal als Solisten, mal im vierhändigen, teils improvisierten Spiel. Phantastisch ebenso die Virtuosität Nicki Parotts, die nicht allein ihre vier Saiten am Kontrabass mit rasantem Fingerspiel zu bearbeiten verstand und als rhythmischen Background jedes Schlagzeug entbehrlich machte, nein, sie glänzte wiederholt auch mit ihrer überraschend jazzigen Stimme als Sängerin. Zu Wrobel muss eigentlich nicht mehr viel gesagt werden, zählt er doch zu den profiliertesten Saxophonisten und Klarinettisten der Szene. Mehr aus Dissen im Netz

In höchsten Tönen

Sein Alt-Sax setzte er an diesem Abend jedoch eher spärlich ein, seine Klarinette dagegen wiederholt in lang anhaltenden „höchsten Tönen“, die auch seinen Augäpfeln offensichtlich alles abverlangten. Auffällig auch, wie viel Freiraum der Bandleader seinen Musikern ließ, ob im Ensemble, im Duett oder auch als Solisten.

Beeindruckend das als Medley dreisprachig in spanisch, russisch sowie englisch vorgetragene „Ojos Negros“ („Dark eyes“), der rasante „Mambo“ aus Leonard Bernsteins Musical „West side story“ oder Nicki Parrotts Einlagen mit dem mächtigen Klangkörper ihres Kontrabasses, den sie kurzerhand als Tanzpartner im „Libertango“ gekonnt verfremdete, mit tangotypisch ernstem Gesichtsausdruck dargebracht. Jazz Puristen mögen etliche Titel Sidney Bechets versöhnlich gestimmt haben, ehe mit den Beatles Song „Penny Lane“ auch Anhänger des Pop auf ihre Kosten kamen, atemberaubend interpretiert von Stephanie Trick und Alderighi als Duo am Piano. Fulminant das Finale dem mit kurz angespieltem „Smoke on the water“ von Deep Purples als Intro, ehe nahtlos übergreifender Blues und Boogie in rasendem Tempo ein ebenso furioses Konzert beendeten.

Versprechen gehalten

Übertrieben hatte Biewener wahrlich nicht mit seinem Versprechen, Ausnahmemusiker würden „den intimen Club beehren“. Das bestätigte auch Wrobel, der sichtlich Spaß und Freude daran hatte „mit drei Musikern der Weltklasse“ spielen zu können.


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