Nach der Kehrtwende Wie geht es für die Homann-Mitarbeiter im Osnabrücker Land weiter?

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Dissen. Wie geht es nach der Kehrtwende bei Homann für die 1200 Mitarbeiter im Osnabrücker Land weiter? Drohen Gehaltseinbußen? Wegen des im vergangenen Sommer angekündigten Schließungstermins für die Werke in Dissen und Bad Essen im Februar 2020 gelten noch der ausgehandelte Sozialplan und Interessenausgleich. Nach der Betriebsänderung für die Verlagerung nach Leppersdorf muss diese nun rückgängig gemacht werden.

Gesamtbetriebsratschef Andreas Straede erklärte am Sonntag auf Anfrage unserer Redaktion: „In Dissen und Bad Essen-Lintorf gibt es einen Haustarif für die 1200 Mitarbeiter. Ich gehe davon aus, dass die Löhne auch nach den nun anstehenden Verhandlungen auf dem aktuellen Niveau bleiben.“ Zudem müssten die Rahmenbedingungen rund 150 Dissener Mitarbeiter ausgehandelt werden, die wegen der Verlagerung der Dressingproduktion ins 35 Kilometer entfernte Werk nach Bad Essen-Lintorf wechseln werden.

Verhandlungen bis Juli

Zudem stehen beim Dissener Werk im Zentrum dringend notwendige Modernisierungen und Sanierungen in Millionenhöhe an. „Bislang haben wir noch keinen Einblick in die neuen Berechnungen. Wir werden uns ab Mitte Mai mit der Geschäftsleitung zusammensetzen. Dabei werden unsere Wirtschaftsprüfer eigene Vorschläge unterbreiten. Ich gehe davon aus, dass die Verhandlungen bis Juli abgeschlossen sein werden“, kündigte Straede an.

150 Mitarbeiter wechseln aus Dissen nach Bad Essen

Nachdem die Müller Unternehmensgruppe am Freitag mitgeteilt hatte, die Produktion an den bestehenden Standorten in Dissen, Bad Essen sowie in Bottrop und im thüringischen Floh-Seligenthal nun doch fortzusetzen, hatte Straede ausgeführt, dass die Dissener Belegschaft sich durch den Umzug der Dressingproduktion nach Bad Essen von aktuell 1000 Mitarbeitern auf voraussichtlich 850 Mitarbeiter reduzieren werde. Dafür wird sich die Mitarbeiterzahl laut Straede im Werk in Bad Essen-Lintorf von aktuell 200 auf voraussichtlich rund 350 Mitarbeiter erhöhen. Infolge der Müller-Ankündigung im vergangenen Jahr, das Dissener Werk bis 2020 zu schließen, hätten 130 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Die gleiche Mitarbeiterzahl sei zwischenzeitlich aber auch wieder eingestellt worden. Müller will 200 Millionen Euro in die Homann-Werke Dissen, Bad Essen, Bottrop und Rogätz (Sachsen-Anhalt) investieren.

( Weiterlesen: 1200 Jobs gerettet: Homann bleibt nun doch in Dissen und Bad Essen)

Grüne: Verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten?

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im niedersächsischen Landtag, Detlev Schulz-Hendel, fragt sich nach dem erfreulichen Erhalt der Arbeitsplätze und der Standorte dennoch, „ob das Land und in welcher Höhe Subventionszusagen erteilt hat, ob sich die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten verschlechtern werden und was jetzt Gegenstand der neuen Verhandlungen ist“. Schulz-Hendel fordert den niedersächsischen Wirschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) zeitnah zu einer Unterrichtung im Wirtschaftsausschuss auf und halten die beabsichtigte Erklärung dazu erst im Juni für deutlich zu spät.

SPD-Bundestagsabgeordneter fassungslos, wie mit Sorgen und Ängsten gespielt wurde

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Rainer Spiering freute sich als gebürtiger Dissener über den Verbleib der Produktionsstandorte, kritisierte die Müller Unternehmensgruppe aber scharf: „Mit der ursprünglichen Entscheidung, die Werke bis 2020 nach Sachsen zu verlegen, hatte die Homann-Mutter viel Unruhe ausgelöst.“ Viele Mitarbeiter hätten Homann bereits verlassen, teilweise sei die Weiterproduktion gefährdet gewesen.

„Viel Vertrauen zerstört“

„Der Müller-Konzern hat viel Vertrauen zerstört und das letztlich völlig unnötig. Es macht mich fassungslos, wie hier mit den Sorgen und Ängsten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gespielt wurde“, betonte Spiering. Letztlich habe sich die Erfahrung und Expertise der hervorragend ausgebildeten Fachkräfte vor Ort durchgesetzt. Spiering hofft nun, dass nun schnell die nötige Ruhe einkehrt und Mitarbeiter sich wieder sorgenfrei auf die Produktion konzentrieren können.

( Weiterlesen: Ein Milliardenkonzern blamiert sich mit Homann)

CDU: Starkes Signal für unseren Wirtschaftsstandort

Der Chef der CDU-Kreistagsfraktion, Martin Bäumer, bewertete den Verbleib an den beiden Standorten im Osnabrücker Land als „ein starkes Signal für unseren Wirtschaftsstandort und die hier wohnenden Fachkräfte. Damit sind die dunklen Wolken über Bad Essen und Dissen endgültig verschwunden.“ Er dankte Landrat Michael Lübbersmann (CDU), der Kreisverwaltung und allen Beteiligten für die „geräuschlose und effektive Arbeit hinter den Kulissen.“


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