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27.04.2018, 18:25 Uhr KOMMENTAR

Ein Milliardenkonzern blamiert sich mit Homann

Kommentar von Jean-Charles Fays

Die Müller Unternehmensgruppe hat sich mit der Verlagerung nach Leppersdorf verkalkuliert, macht einen Rückzieher und bleibt mit dem Stammsitz nun doch in Dissen. Ein Kommentar. Foto: André HavergoDie Müller Unternehmensgruppe hat sich mit der Verlagerung nach Leppersdorf verkalkuliert, macht einen Rückzieher und bleibt mit dem Stammsitz nun doch in Dissen. Ein Kommentar. Foto: André Havergo

Dissen. Der knallharte Geschäftsmann Theo Müller hat sich verkalkuliert. Eigentlich will er in Leppersdorf Synergien heben: Das Gaskraftwerk in Leppersdorf etwa soll sich dadurch rechnen, dass Müller es nicht nur für seine Sachsenmilch, sondern auch für Homann nutzt. Doch erst ein Jahr nachdem er die Werke in der Region Osnabrück abgeschrieben hat, bemerkt er, dass die Einsparpotenziale in Sachsen zu gering ausfallen. Die Blamage des Weltkonzerns mit sechs Milliarden Euro Jahresumsatz ist perfekt. Ein Kommentar.

Theo Müller ist für seine sprunghaften Entscheidungen bekannt, doch damit haben die kühnsten Optimisten nicht gerechnet. Ein Jahr nach der Hiobsbotschaft, 141 Jahre Homann in Dissen zu beenden, schickt der Konzern eine Pressemitteilung mit nur fünf kargen Sätzen. Tenor: Ach, die Produktion an den bestehenden Standorten geht nun doch weiter.

Die Zahlen stimmten nicht mehr

So geschockt die 1200 Homann-Mitarbeiter im April 2017 von den geplanten Werksschließungen waren, so glücklich sind sie im April 2018 über den überraschenden Verbleib. Dabei ist Müller das Schicksal der Homänner und die Tradition des 1876 in Dissen gegründeten Feinkostunternehmens herzlich egal, wichtig sind nur die Zahlen, doch genau die stimmten in Leppersdorf nach den letzten Berechnungen nicht mehr.

Am meisten wird den eiskalten Molkemilliardär ärgern, dass ausgerechnet er sich verrechnet hat und nun doch weiter mit den bestehenden Werken in Dissen und Bad Essen vorliebnehmen muss.


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