zuletzt aktualisiert vor

1200 Arbeitsplätze gerettet Müller bestätigt: Homann bleibt in Dissen und Bad Essen

Meine Nachrichten

Um das Thema Dissen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Dissen. 180-Grad-Wende bei Müller: Homann produziert weiterhin in Dissen, Bad Essen sowie in Bottrop und Floh-Seligenthal. 1200 Arbeitsplätze im Landkreis Osnabrück sind gerettet. Allerdings wird die Dissener Dressingproduktion ins Bad Essener Werk verlagert, sodass Dissen noch die Salatfabrik und ein Großteil der Logistik erhalten bleiben.

Die Müller Unternehmensgruppe hat am Freitagmittag mitgeteilt, 200 Millionen Euro in die Homann-Werke Dissen, Bad Essen, Bottrop und Rogätz zu investieren. Die Produktion soll an den bestehenden Standorten jetzt doch weitergeführt werden, weil „die Prüfung des bisherigen Standortkonzeptes hinsichtlich Zeitplanung, Investitionsvolumen und Positionierung im Markt“ zu diesem Ergebnis gekommen sei, heißt es in der Mitteilung. Die Homann-Geschäftsleitung werde mit den Arbeitnehmervertretern jetzt Gespräche über die notwendig werdenden Vereinbarungen aufnehmen.

Betriebsrat fällt eine Zentnerlast vom Herzen

Homann-Gesamtbetriebsratschef Andreas Straede kommentierte am Rande einer Belegschaftsversammlung, in der die Entscheidung des Unternehmens am Freitag um 12 Uhr bekannt gegeben wurde: „Mir ist eine Zentnerlast vom Herzen gefallen. Meiner Meinung nach kann nur das Personal dafür ausschlaggebend gewesen sein, dass Homann jetzt doch hier bleibt. Die Bereitschaft war gering, zum geplanten neuen Produktionsstandort nach Sachsen zu wechseln und so war es offenbar schwierig, Fachkräfte nach Leppersdorf zu locken.“ Die Dissener Belegschaft werde sich dadurch von aktuell rund 1000 Mitarbeitern auf 850 Mitarbeiter reduzieren. Dafür wird sich die Mitarbeiterzahl laut Straede im Werk in Bad Essen-Lintorf von aktuell 200 auf voraussichtlich rund 350 Mitarbeiter erhöhen. Infolge der Ankündigung, das Dissener Werk bis 2020 zu schließen, hätten 130 Mitarbeiter bereits das Unternehmen verlassen. Die gleiche Mitarbeiterzahl sei zwischenzeitlich aber auch wieder eingestellt worden. Im April 2017 hatte Homann die Belegschaft darüber informiert, die Werke in Dissen und Bad Essen zu schließen. Im Juni vergangenen Jahres hieß es aus der Konzernzentrale im schwäbischen Aretsried, dass Müller die Produktion seiner Feinkost-Tochter bis 2020 nach Leppersdorf (Sachsen) verlagert. Jetzt die Rolle rückwärts.

( Weiterlesen: Erleichterung bei den Homann-Mitarbeitern in Dissen)

Bürgermeister lädt Theo Müller nach Dissen ein

Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann (SPD) kommentierte: „Die Vernunft hat gesiegt. Die Unternehmensleitung hat gemerkt: So einfach kann man nicht ein neues Werk aus dem Boden stampfen und so viele Leute dorthin holen.“ Er kündigte an, dass Homann vorerst weiterhin am alten Standort bleibe und nicht in das ursprünglich von der Stadt bereitgestellte gut 20 Hektar große Gewerbegebiet an der A33 ziehen werde. Nümann habe Homann-Chef Sönke Renk aber noch am Freitagvormittag eine sechs Hektar große Fläche südlich der Autobahn angeboten, die aktuell noch verfügbar sei. Die Gespräche zu den weiteren Investitionen sollen jedoch erst in den kommenden Wochen und Monaten geführt werden. Laut Nümann haben die Müller-Manager nun „zum Glück doch erkannt, welche Vorteile Dissen und die Region haben“. Lediglich einen Wermutstropfen gab es für ihn: „Noch mehr hätte ich mich gefreut, wenn auch die Dressingproduktion hier bleiben würde.“ Dennoch zeigte Nümann sich nach dieser Vorgeschichte unterm Strich begeistert, dass mehr als 140 Jahre Homann-Tradition in Dissen fortgesetzt werden können. Um diese auch dem Chef der Unternehmensgruppe einmal vor Ort nahezubringen, will er Theo Müller nach Dissen einladen.

Bad Essener Bürgermeister: Gute Entscheidung

Auch Bad Essens Bürgermeister Timo Natemeyer (SPD) zeigte sich erleichtert: „Die Entscheidung für Lintorf und natürlich auch für Dissen ist nach meiner Überzeugung eine gute.“ Hier finde der Feinkosthersteller motivierte Mitarbeiter, die sich mit dem Unternehmen und seinen Produkten identifizieren sowie ein wirtschaftsfreundliches Umfeld. Politik und Verwaltung würden jetzt in enger Abstimmung mit dem Unternehmen die Rahmenbedingungen für einen zukunftsfähigen Standort schaffen.

„Toller Tag für das Osnabrücker Land“

Landrat Michael Lübbersmann (CDU) sprach von einem „tollen Tag für das Osnabrücker Land“. Diese „großartige Wende“ habe sich Lübbersmann für die Mitarbeiter immer erhofft. Diese „sensationelle Entscheidung“ gebe den Familien Klarheit und Gewissheit. Im Ergebnis werde die neue Geschäftsstrategie die beiden Standorte in Dissen und Bad Essen-Lintorf langfristig und zukunftssicher neu aufstellen. Damit werde auch die Stärke des Wirtschaftsraumes bestätigt. Die notwendigen Planungen und Investitionen müssten nun endgültig umgesetzt werden. Lübbersmann wertete die Entscheidung für den Verbleib auch als Verdienst des Betriebsrates, „der Großartiges in den letzten Monaten und Jahren geleistet, immer gekämpft und klug verhandelt hat“. Zudem bedankte der Landrat sich für den Mut der Geschäftsleitung, eine bereits bestehende und verkündete Entscheidung noch einmal zu überprüfen und auch zu revidieren: „Ich freue mich sehr, dass wir auf den zweiten Blick überzeugen konnten.“In den vergangenen Wochen habe der Landkreis gemeinsam mit den Bürgermeistern und Verwaltungen der beiden Standorte sowie anderen Behörden intensiv und hoch professionell zusammen gearbeitet, um erneut alle Rahmenbedingungen erfüllen zu können. Auch die Wirtschaftsförderung des Landkreises Wigos habe „die große Herausforderung mit viel Geschick und Arbeit koordiniert und zum Erfolg geführt“.

( Weiterlesen: Zwischen Jubel und Skepsis: Homann bleibt in Dissen)

Althusmann: Unser Bemühen um den Standort hat Früchte getragen

Der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sagte: „Unser Bemühen um den Standort hat Früchte getragen. Ich danke Homann und der Müller-Gruppe für diesen wichtigen Erfolg für Niedersachsen und die Region.“ Die angekündigten Investitionen in die Modernisierung der Werke wertete er als wichtiges Signal. Althusmann sagte auf Anfrage unserer Redaktion: „Einmal mehr zeigt sich, dass man die Hoffnung nicht aufgeben und im Bemühen nicht nachlassen sollte.“ Althusmann hatte schon vor drei Wochen erklärt, dass der Produktionsstandort Dissen gerettet zu sein scheine. „Das Projekt Sachsen ist aus dem Spiel, Niedersachsen ist wieder im Spiel“, sagte der CDU-Politiker seinerzeit unserer Redaktion.

Ministerpräsident lobt Landkreis Osnabrück, Dissen und Bad Essen

Ministerpräsident Stephan Weil zeigte sich „außerordentlich froh darüber, dass die Firma Homann ihre Produktionsstandorte in Dissen und Bad Essen behalten wird und der Region so 1200 Arbeitsplätze erhalten bleiben.“ Er gratulierte den Mitarbeitern, „die sich in den vergangenen Monaten so für ihre Werke engagiert haben“. Ein großes Kompliment sprach er dem Landkreis, der Stadt Dissen und der Gemeinde Bad Essen „für ihren vorbildlichen und vorausschauenden Einsatz für den Verbleib des Unternehmens“ aus.

Gewerkschaft NGG: Müller hat sich verrechnet

Der Chef der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) für die Region Osnabrück, Uwe Hildebrand, kommentierte: „Die Entscheidung freut uns sehr. Nun werden wir uns zusammensetzen, um zu besprechen, wie das neue Konzept aussieht.“ Ausschlaggebend für das Umdenken bei Müller waren seiner Auffassung nach zwei Faktoren: „Erstens war es schwierig, in Sachsen die passenden Arbeitskräfte zu gewinnen. Zweitens war es eine betriebswirtschaftliche Entscheidung, denn Müller hat sich verrechnet und die Leppersdorfer Standortvorteile sind wohl doch nicht so groß wie zunächst erwartet.“ Fest steht für Hildebrand, dass die Einflussnahme der Politik mit dieser Entscheidung nichts zu tun habe.

IHK: Unsere Region ist für einen international aufgestellten Konzern ein guter Standort

Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim, Marco Graf, sieht die Entscheidung von Homann als Beleg dafür, „dass unsere Region für einen international aufgestellten Konzern ein guter Standort ist, in den zu investieren sich lohnt“. Neben den Arbeitsplätzen direkt bei Homann blieben nun auch die gut eingespielten regionalen Wertschöpfungsketten erhalten: angefangen bei industriellen Zulieferern bis hin zu vielen kleineren Dienstleistern.

Sächsischer Wirtschaftsminister: Keine negativen Auswirkungen auf uns

Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) nahm die Entscheidung, Homann nun doch nicht in Leppersdorf anzusiedeln, bedauernd zur Kenntnis: „Ich finde dies schade. Aber es ist eine unternehmerische Entscheidung. Uns wurde seitens der Firmenleitung versichert, dass die Entscheidung nichts mit Sachsen zu tun gehabt hat.“ Es sei eine rein interne Abwägung gewesen, auf die der Freistaat keinerlei Einfluss gehabt habe. Sachsen entstehe damit weder ein Schaden noch habe die Entscheidung negative Auswirkung auf die Region, heißt es in einer Mitteilung. Bis zum Jahr 2021 plant Müller laut Dulig bei Sachsenmilch in Leppersdorf erneut Großinvestitionen. So sei etwa eine neue Produktionsstätte für Frischeprodukte für etwa 140 Millionen Euro und eine sogenannte Membranfiltrationsanlage für 25 Millionen Euro geplant, welche schon 2019 in Betrieb gehen sollen. In den weiteren Jahren sollen ein neues Hochregallager für 50 Millionen Euro, eine Anlage zur Aufbereitung von Abwasser für 20 Millionen Euro und für insgesamt 15 Millionen Euro weitere Investitionen in die Infrastruktur vor Ort folgen. Leppersdorf bleibe damit einer der modernsten Molkereistandorte in Europa.

( Weiterlesen: Homann geht nach Leppersdorf: 520 Kilometer trennen Freud und Leid)

Müller wollte in Leppersdorf 500 Millionen Euro investieren

Im vergangenen Jahr hatte Homann entschieden, die Produktion seiner Werke in Dissen, Bad Essen, Bottrop und dem thüringischen Floh-Seligenthal ab 2020 im sächsischen Leppersdorf zusammenzuführen. Dafür wollte das Unternehmen rund 500 Millionen Euro investieren. Daraufhin war bereits ein Interessenausgleich und Sozialplan für die von den Schließungen betroffenen Standorte ausgehandelt worden.

( Weiterlesen: So reagieren die Dissener auf die Homann-Neuigkeiten)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN