Werk Lintorf soll erweitert werden Zwischen Jubel und Skepsis: Homann bleibt in Dissen

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Vor zwei Wochen herrschte an der Dissener Bahnhofstraße noch Regentristesse. Jetzt scheint über dem Homann-Schild wieder die Sonne aufzugehen. Foto: Michael GründelVor zwei Wochen herrschte an der Dissener Bahnhofstraße noch Regentristesse. Jetzt scheint über dem Homann-Schild wieder die Sonne aufzugehen. Foto: Michael Gründel

Dissen/Aretsried. Was für eine Erleichterung: Feinkostriese Homann bleibt offenbar mit seinem Stammwerk in Dissen. Die Region jubelt. Zumindest die, die den Worten von Wirtschaftsminister Althusmann glauben. Insider bestätigen, dass das Werk an der Bahnhofstraße umfassend saniert, die Niederlassung in Bad Essen-Lintorf erweitert werden soll.

Demnach spielt bei der Entscheidung des Milchunternehmers unter anderem eine Rolle, dass gute Facharbeiter auch in Sachsen nicht preiswert zu haben sind. In Dissen gibt es sie – sofern Sie durch die Ankündigung Müllers im vergangenen Jahr, Homann in Dissen und Bad Essen 2020 zu schließen, nicht schon zu anderen Lebensmittelfabrikanten abgewandert sind.

Offiziell sei er noch nicht informiert, sagte Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann am Freitagnachmittag zu Althusmanns Aussagen. Doch sei er nach internen Gesprächen guter Hoffnung gewesen, dass Homann in Dissen bleibe. „Ich freue mich besonders, wenn das gesamte Werk in Dissen bleibt.“ Denn das sei ja die spannende Frage, findet Nümann. Was bleibt in Dissen? Wie geht es weiter? Dabei geht es um die Salatfabrik, die Dressingproduktion und die Logistik.

Lösung für Lärmemission

Eigentlich habe Homann den Stadtkern ja verlassen wollen, weil das Unternehmen Probleme mit Lärmemissionen hat. „Ich habe nach Gesprächen mit dem Gewerbeaufsichtsamt Vorschläge gemacht, wie das zu lösen wäre.“ Der Vorschlag werde von Müller geprüft. „Das Ergebnis kenne ich noch nicht.“

„Es wäre natürlich erfreulich, wenn die Standorte im Osnabrücker Land erhalten bleiben“, meinte Bad Essens Bürgermeister Timo Natemeyer. Die Gemeinde Bad Essen habe bislang keine offizielle Mitteilung. Er gehe aber davon aus, dass die Informationen von Minister Althusmann abgesichert sind, sagte Natemeyer. Alles Weitere werde sich in Kürze zeigen.

Landrat Michael Lübbersmann freute sich in Berlin, „dass die Erfolgsgeschichte von Homann in Dissen nun fortgeschrieben werden kann“. Das sei mit Blick auf die Arbeitsplätze bei Homann und seinen Zulieferern, aber auch mit Blick auf die Familien erfreulich, die hinter jedem Arbeitsplatz stehen. Das gesamte Osnabrücker Land habe sich gemeinsam und mit aller Kraft für Dissen engagiert. Nun trage dieses Engagement Früchte: „Homann ist Dissen und Dissen ist Homann, und das bleibt so.“

Homann-Betriebsrat Andreas Straede mähte gerade den Rasen, als ihn unsere Redaktion am Handy erreichte. Da er keine Information der Geschäftsleitung über den Verbleib von Homann in Dissen hat, bleibt er vorerst Zweckpessimist: „ Für mich gilt immer noch, dass die Entscheidung Ende April gefällt wird. Aber natürlich würden wir uns alle riesig freuen, wenn Homann in Dissen und in Lintorf bleiben würde.“

„Wir harren der Dinge“

Noch skeptischer reagierte Uwe Hildebrand von der Gewerkschaft NGG; der bei den Gesprächen über den Sozialplan für die Mitarbeiter mit am Verhandlungstisch saß: „Uns ist keine Entscheidung zur Kenntnis gelangt. Wir harren der Dinge, die da kommen mögen.“ Bernd Althusmann lehne sich weit aus dem Fenster, findet Hildebrand. Recht habe er aber damit, dass wieder alles offen und damit auch Dissen wieder im Spiel sei. Fakt sei auch, dass die NGG bis Ende des Monats April mit einer Entscheidung rechne.

Und die Sachsen? Was sagen Sie zu der Neuigkeit aus Hannover? Matthias Grahl, CDU-Fraktionschef im Landkreis Bautzen, reagierte erstaunlich entspannt: Ich hätte mich gefreut, wenn Homann nach Leppersdorf gekommen wäre, aber wenn sich ein Unternehmer nach reiflicher Überlegung anders entscheidet, hat er sicherlich seine Gründe.“ Er gehe davon aus, dass sich Leppersdorf als Standort von Müllers Sachsenmilch weiter positiv entwickeln werde. Nun werde dort eben kein Salat hergestellt, sondern weitere Milchprodukte. Schließlich investiere Müller jedes Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag in das Werk.

Wirbel um Müllers Pläne

Auch der Leppersdorfer Ortsvorsteher Volkmar Lehmann lässt sich von der Nachricht nicht aus der Ruhe bringen: „Wenn es so ist, ist es auch gut. Dann haben wir zwar weniger Arbeitsplätze, aber auch weniger Autos.“ Müller habe Leppersdorf mit seinen Ansiedlungsplänen für Homann überrascht und dort für viel Wirbel gesorgt. Für die Dissener freue ihn, dass Homann in Niedersachsen bleibt.

Alexander Truhlar, der Pressesprecher Theo Müllers in Aretsried, will sich erstmal die NOZ-Meldung im Internet ansehen, bevor er seinen aktuellen Standardspruch bei Presseanfragen bemüht: „Ich kann nur sagen, die Überprüfungsphase ist noch nicht abgeschlossen. Wenn es etwas Neues gibt, werden wir zuerst die Mitarbeiter informieren.“ Dann lacht er: „Das ist ja eine schöne Überraschung zum Wochenende. Sie nun wieder!“


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