Leidenschaft für den Jazz Hermlins Bigband ein Highlight 2018 im Jazzclub Dissen

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Dissen. Die Saison im Jazzclub Dissen-Bad Rothenfelde ist angelaufen. Vorsitzender Hans Biewener weist im Interview mit unserer Zeitung auf einige Highlights im Jahr 2018 hin. Und er räumt ein: Jazzbegeisterte Mitstreiter braucht der Club für eine lebendige Zukunft.

Herr Biewener, die monatlichen Konzerte des Jazzclubs laufen. Was sind in diesem Jahr die Höhepunkte?

Zunächst einmal treten am kommenden Samstag die Mitglieder von Papa Pider’s Jazz Band aus Göteborg bei uns auf. Der Auftritt von The Jolly Jazz Orchestra aus Düsseldorf am 14. April wird sicherlich wieder eines der großen Konzerte, das dem Geschmack unseres Publikums besonders entspricht. Wir haben diese Band bei der Düsseldorfer Jazz-Rally zum ersten Mal gehört und waren sofort begeistert. Die Band verkörpert Leidenschaft und zeigt, was traditioneller Jazz bieten kann. Zu erwähnen sind allerdings sicher neben dem Frank-Muschalle-Trio im Oktober Thomas l‘Etienne‘s New Orleans Ensemble oder The Magnificent 5 und Frank Roberscheuten. Die Swinging Ladies mit Engelbert Wrobel, der bei uns in Dissen kein Unbekannter ist, darf ich in der Liste natürlich auch nicht vergessen. Außerdem haben wir in diesem Jahr wieder drei Jazzfrühschoppen mit der Worried Men Skiffle Group im Juni, der Dr. Jazz Companie im Juli und der Storyville Jassband in September.

Was zeichnet für Sie eine Band aus, die gut zum Dissener Jazz-Bahnhof passt?

Wir wollen die gesamte Bandbreite des traditionellen Jazz abdecken. Dixie, Swing, Boogie Woogie, Jive, Blues. Unser Publikum ist nicht an den moderneren Stilrichtungen interessiert. Die Leute möchten den Jazz, der in die Beine geht. Das ist ganz klar am Zuspruch bei den Konzerten zu messen. Einige der Bands, die bei uns auftreten, lernen wir bei unseren Jazz-Fahrten für Mitglieder und Interessierte kennen. Die Club-Verantwortlichen sind intensiv unterwegs, um zu hören und neue Bands ausfindig zu machen. Wichtig ist uns dabei immer, eine gute Conference. Der Funke muss auf das Publikum überspringen. Die Musik muss stimmen, das ist richtig. Aber die Band muss sich auch präsentieren. Wir als Club kümmern uns bei den Konzerten nur um den Rahmen, die Technik, das Interieur des Raumes und die Bewirtung. Das sind Grundvoraussetzungen. Die stimmen, und das spricht sich herum. Deshalb müssen wir immer ein auf allen Ebenen anspruchsvolles Programm bieten.

Anfang August wird ja wieder ein zweitägiges Jazzfestival im Freien in Dissen über die Bühne gehen. Was erwartet uns dort?

Insgesamt spielen fünf Ensembles. Und – das möchte ich hier einmal dankbar anmerken – das geht nur mit Sponsoren. Ohne die könnten wir so einen besonderen Leckerbissen wie zum Beispiel diesmal Andrej Hermlin und sein Swing Dance Orchestra nicht nach Dissen holen. Seit den 90er Jahren hat sich die Gruppe zu einer fast 30 Musiker starken Bigband entwickelt. Sie spielen bei uns Anfang August den Swing aus dem Amerika der 30er und 40er Jahre. Hermlin hat neulich in einem Interview mit der Fachzeitung Jazz Podium gesagt, dass es sein Ziel sei, diesen Swing einfach am Leben zu erhalten. Das kommt dem Geschmack unseres Publikums sehr entgegen. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf den Auftritt dieser Band. Ein Jazzfestival in Dissen ist ja nicht denkbar ohne eine Big Band.

Manchmal hat man ja den Eindruck, dass Jazzclub-Aktive, Publikum und auch Bands gemeinsam – sagen wir – die Spitze des demografischen Wandels darstellen. Wie sehen Sie die Zukunft Ihrer Institution im Dissener Bahnhof?

Derzeit arbeiten alle frohgemut mit im Räderwerk. Jeder hat seinen eigenen Verantwortungsbereich und erledigt die Aufgaben auch mit Leidenschaft. Die Mannschaft hat sich auch immer wieder erneuert. Aber es stimmt: Es ist schwierig, Nachfolger zu finden. Das demografische Problem und die offenbar schwächer werdende Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, spüren wir natürlich auch. Wir suchen Führungsnachwuchs und wir arbeiten intensiv daran, Personalengpässe zu beheben. Aber eins ist auch klar: Wir suchen Männer und Frauen mit Leidenschaft für unseren Jazz.

Es ist ja nicht so, das der traditionelle Jazz keine jüngeren Liebhaber hätte. Es gibt zum Beispiel in Osnabrück, Bielefeld und Münster eine aktive Lindy-Hop-Szene. Die hätte sicherlich großen Spaß daran, zu Hermlins Swing-Klängen die Tanzfläche zu stürmen.

Ja, das ist ein aktuelles Thema und gleichzeitig ein wunder Punkt. Denn der Club-Raum ist dafür zu klein. Und auf der Fläche vor dem Bahnhof liegt Kopfsteinpflaster. Da unfallfreies Tanzen zu ermöglichen, wäre sehr aufwendig. Das haben wir schon geprüft, weil immer wieder Anfragen kommen. Neulich noch habe ich einen Anruf aus Oldenburg bekommen. Die Leute wollten wissen, ob sie bei uns tanzen können. Sonst kämen sie nicht. Aber wenn der Caterer und Bahnhofspächter Wissmann, bei dem der Jazzclub Untermieter ist, sein Ziel verwirklicht, aus dem Güterschuppen einen Eventraum zu machen, wäre Swingtanzen zu Livemusik sicher eine Option.

Stichwort Untermieter. Wie sicher ist der Bahnhof als Stammquartier des Jazzclubs derzeit?

Wie Sie wissen, hatten wir Anfang der 90er Jahre die Absicht, den Bahnhof zu kaufen. Das hat sich aber nicht erfüllt. Mit dem neuen Eigentümer Westfleisch in Münster und Catering Wissmann in Dissen, die einen langfristigen Pachtvertrag haben, besteht ein für uns existenzsicheres Mietverhältnis nach langen Jahren der Unsicherheiten. Das ist sehr viel Wert für uns.


Samstag: Papa Pider’s Jazz Band

Am Samstag, 17. März, 20 Uhr, beginnt das Konzert mit Papa Pider’s Jazz Band im Dissener Jazz-Bahnhof. Schon in den 60er Jahren waren sie eine sehr beliebte Jazzband in Göteborg. Kartenreservierung telefonisch oder per Fax rund um die Uhr unter 054 21/ 2863 (mit AB).

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