OLG Oldenburg bestätigt Urteil Dissenerin bekommt nach Hundebiss Schadensersatz

Meine Nachrichten

Um das Thema Dissen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Gerichtsakten Symbolfoto: Michael GründelGerichtsakten Symbolfoto: Michael Gründel

Dissen. Eine Frau aus Dissen, die vom Hund eines Bekannten gebissen und im Gesicht schwer verletzt worden war, hat Anspruch auf Schadensersatz. Das entsprechende Urteil des Landgerichtes Osnabrück bestätigte jetzt der 9. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Oldenburg.

Die Klägerin war bei einem Bekannten in Osnabrück zur Feier seines 75. Geburtstages eingeladen. Dort lief ein Hund frei herum, den der Bekannte drei Wochen vorher aus einem Tierheim in Rumänien mitgebracht hatte. Der Hund biss der Klägerin ins Gesicht, als sie sich zu ihm herunterbeugte. Sie erlitt schmerzhafte Biss-, Riss- und Quetschwunden, musste notärztlich behandelt werden und wurde mehrfach operiert. Später verklagte sie ihren Bekannten auf Schadensersatz.

Verantwortung abgelehnt

Dieser lehnte jede Verantwortung ab. Die Frau hätte auf eigene Gefahr gehandelt und den Hund begrüßt. Dabei sei sie ausdrücklich darum gebeten worden, dem Hund kein Leckerli zu geben und ihn nicht anzufassen. Zumindest treffe sie ein erhebliches Mitverschulden.

Das Landgericht Osnabrück hatte den Mann zu vollem Schadensersatz verurteilt, was der Senat jetzt bestätigt hat. Mit dem plötzlichen Biss des Hundes habe sich eine typische Tiergefahr verwirklicht. In einen solchen Fall müsse der Halter nur dann nicht haften, wenn sich jemand ohne triftigen Grund bewusst in eine Situation drohender Eigengefährdung begebe. Dies könne im vorliegenden Fall nicht festgestellt werden. Nach der Beweisaufnahme stehe fest, dass die Frau den Hund nicht gefüttert oder gestreichelt, sondern sich lediglich zu ihm heruntergebeugt habe. Da der Hund auf der Feier frei herumlief, habe sie nicht damit rechnen müssen, dass hierdurch bereits ein Beissreflex ausgelöst werde. Ein Gast dürfe bei einem freilaufenden Haustier nach Treu und Glauben damit rechnen, dass bei einem normalen Herunterbeugen zu einem Haustier, dieses nicht bereits zu einem Angriff gereizt werde.

Warnung reicht nicht

Die Klägerin trage auch keine Mitschuld. Wer sich einem bei einer Feier frei herumlaufenden Tier lediglich zuwende, gehe nicht unangemessen mit ihm um. Die bloße Warnung, den Hund nicht zu füttern und nicht zu streicheln, ändere an dieser Beurteilung nichts, so der Senat: Ein Hundehalter sei unter Umständen gut beraten, eine Tierhaftpflichtversicherung abzuschließen. Denn er haftet grundsätzlich für Schäden, die das Tier jemandem zufügt, aus dem Gesichtspunkt der sogenannten Tierhalterhaftung. Der Hundehalter hat nach einem Hinweis des Senats seine Berufung zurückgenommen.

Weitere Beiträge über Gerichtsverfahren in der Region finden Sie hier


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN