Internationaler Ausgleich Töpfer fordert in Dissen: Einbinden statt abgrenzen

Von Petra Ropers


Dissen. Toleranz und globale Verantwortung auf dem Fundament regionaler Identität forderte Prof. Dr. Klaus Töpfer in Dissen ein. Der ehemalige Bundesumweltminister sprach im Eventhaus Schamin über Globalisierung, Armutsgefälle und Wege zur Stabilität.

Für einen Besuch im Rathaus blieb keine Zeit. Das Goldene Buch der Stadt brachte Bürgermeister Hartmut Nümann deshalb kurzerhand mit ins Eventhaus Schamin. Der Referent des Abends nahm es locker: Vor vielen interessierten Besuchern trug sich Prof. Dr. Klaus Töpfer in die ehrwürdigen Seiten ein.

Endlose Lkw-Kolonnen

Auf Einladung der CDU Dissen und Initiative ihres stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Dettmer kam der ehemalige Bundesumweltminister (1987 bis 1994) und Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (1998 bis 2006) zurück in jene Stadt, die er zu Studienzeiten regelmäßig hinter endlosen Lkw-Kolonnen passiert hatte. Sein Thema: „Eine weltoffene Regionalisierung – Antwort auf Probleme der Globalisierung“. Wer angesichts des eher sperrigen Titels einen trockenen Vortrag erwartete, der wurde am Montag positiv überrascht.

Kluft zwischen Arm und Reich wächst

Denn Klaus Töpfer, vielfach ausgezeichneter Fachmann für Umwelt und Nachhaltigkeit, brauchte weder Redekonzept noch Pult. Stattdessen rückte er samt Mikrofon nah an seine Zuhörer heran, um gemeinsam mit ihnen ebenso kompetent wie kurzweilig weit über den bundesdeutschen Tellerrand hinauszuschauen. Einige einprägsame Zahlen verdeutlichten die Notwendigkeit einer Neuausrichtung: Rund 2,8 Milliarden Menschen zählte 1938, im Geburtsjahr Töpfers, demnach die Weltbevölkerung. Fast 7,3 Milliarden sind es heute: „Und wir werden bis Mitte des Jahrhunderts auf etwa 9 Milliarden kommen.“

Dabei wächst mit der Bevölkerung zugleich die Kluft zwischen Arm und Reich. „Wir haben eine feine Arbeitsteilung“, beschrieb Töpfer ironisch die derzeitige Weltlage: „Dort die Rohstoffgewinnung, hier die Wertschöpfung.“ Die Folgen kennt er aus eigener Anschauung. Schließlich lebte er acht Jahre lang in Afrika und engagierte sich zudem als Vizepräsident der Welthungerhilfe. Mehr denn je verlangt Töpfer heute einen Ausgleich zwischen den armen und reichen Ländern. „Wenn nichts passiert, passiert etwas“, ist er überzeugt.

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Einbindung statt Mauerbau

Der Bau von Mauern sei für eine Stabilisierung jedoch der falsche Ansatz, so der Referent: „Wenn wir in friedlicher Form unsere Art zu leben erhalten wollen, sollten wir die herrschende Gefällesituation anders abarbeiten.“ Dazu gehört allem voran die Erkenntnis, dass alles Tun globale Auswirkungen hat – nicht nur, aber auch auf das Klima. „Klimapolitik ist die Friedenspolitik der Zukunft“, betonte Töpfer. Klima, Wasser und Boden sind für ihn die entscheidenden Zukunftsthemen. Und es sind Themen, die sich nur gemeinsam angehen lassen: Nicht Abgrenzung, sondern Einbindung sei der Weg zur Stabilität.

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Das gilt für Klaus Töpfer auf internationaler ebenso wie auf nationaler und regionaler Ebene. Und es beginnt vor Ort – mit Toleranz, die nicht Beliebigkeit ist, sondern auf einem klaren Bekenntnis zu Identität und Werten basiert, und mit einer Regionalisierung, die weltoffen und sich der eigenen weltweiten Verantwortung bewusst ist. Töpfers Forderung an jeden Einzelnen, vor allem aber an die Politik: „Wir müssen Zukunft gestalten, nicht Gegenwart verwalten.“ Auch dann, wenn es für künftige Wahlen unbequem ist. Mehr aus Dissen im Netz