Können Abgeordnete in Hannover helfen? Radweg entlang der L94 in Dissen liegt auf Eis

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Die Rechenbergstraße in Höhe der Noller Schlucht: Wenn sich hier zwei Autos begegnen, bleibt für Radfahrer oder Fußgänger keine ökologische Nische. Schwächere Verkehrsteilnehmer leben hier sehr gefährlich. Foto: Achim KöppDie Rechenbergstraße in Höhe der Noller Schlucht: Wenn sich hier zwei Autos begegnen, bleibt für Radfahrer oder Fußgänger keine ökologische Nische. Schwächere Verkehrsteilnehmer leben hier sehr gefährlich. Foto: Achim Köpp

Dissen. Einen herben Rückschlag haben die Dissener Pläne zum baldigen Bau eines Radweges entlang der L 94 an der Rechenbergstraße erlitten. Dort war im Sommer ein Fußgänger bei einem Unfall tödlich verletzt worden. Während der Sitzung des Bauausschusses machte Cord Lüsse von der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr deutlich, ein aus Landesmitteln geförderter Bau werde noch Jahre auf sich warten lassen.

Die Worte eines, älteren, Zuschauers der Sitzung nach Ende der Diskussion um den Tagesordnungspunkt hätten deren Ausgang nicht besser zusammenfassen können. „Wenn ich das mal noch erleben werde“, sagte er kopfschüttelnd und meinte damit eine für Radfahrer gefahrlose Nutzung der Rechenbergstraße.

Unfalltod eines Schützen

So wie er muss wohl auch mancher andere fürs Erste die Hoffnung begraben. Dabei hatte es vor Wochen noch anders ausgesehen. Da war das immergrüne Thema Radwegausbau, das seit acht und mehr Jahren in Regelmäßigkeit im Rat auftauchte, mit einem Mal wieder in den Fokus gerückt. Ursache war im Sommer der Unfalltod eines Schützenfestbesuchers, der nachts auf dem Nachhauseweg von einem Fahrzeug erfasst worden war. Nach dem Willen der Ratsmitglieder sollten nun Anstrengungen unternommen werden, auf der Prioritätenliste des Landes für den Radwegeausbau, wo Dissen Rang 10 einnimmt, nach oben zu rutschen und für die Sicherheit auf der Rechenbergstraße zu sorgen.

Ein erster Schritt war, sich an die entsprechende Behörde zu wenden und dort um einen Bericht über den Sachstand zu bitten. Dazu war jetzt Cord Lüsse, Leiter des Geschäftsbereichs der Landesstraßenbaubehörde in Osnabrück, persönlich zur Sitzung gekommen. Doch was dieser im Gepäck hatte, war für die Ausschussmitglieder alles andere als befriedigend. Mehr aus Dissen im Netz

Ministerium spart

Nach der Aktualisierung der Prioritätenliste steht das Projekt in Dissen dort auf Platz 10 – bei elf Antragstellern. „Wir haben seit 2016 aber keinen Radweg bauen können, das Ministerium hat die Baumaßnahmen aus finanziellen Gründen ausgesetzt“, erklärte er. Da jedoch höchstens zwei dieser Maßnahmen pro Jahr verwirklicht werden könnten, sei auszurechnen, wann der Radweg entlang der L 94 an der Reihe sei, „wobei noch nicht abzusehen ist wann es denn überhaupt wieder losgehen wird“, lautete seine ernüchternde Prognose.

Hinzu kommt, dass die entsprechenden Bauanträge mit der langen „Reifezeit“ auch altern, das heißt, an Aktualität verlieren. So ist zum Beispiel vor einigen Jahren eine neue Richtlinie aufgestellt worden, nachdem für Radwege eine Breite von mindestens 2,50 Meter vorgehalten werden muss. Zuvor waren es 2 Meter. Liegt der Antrag lange im „noch-nicht-erledigt“-Stapel, so kann es geschehen, dass trotz Aufstiegs in der Prioritätenliste plötzlich wieder wegen der unzulässigen Planungsgrundlagen wieder nach unten durchgereicht wird. Das trifft in diesem Fall auch auf Dissen zu, konnte aber vom anwesenden Planer Friedhelm Hune vom Büro Tovar und Partner berichtigt werden: „Das ist damals beim Grundstückserwerb berücksichtigt worden“, erklärte er.

„Bürgerradweg“

Auf die Frage einiger Ausschussmitglieder, was denn getan werden könnte, um in der Liste vorwärtszukommen, winkte Lüsse ab. Da sei gar nichts zu machen, auch die anderen antragstellenden Kommunen wünschten sich ein Aufrücken. Zum Thema eines sogenannten „Bürgerradweges“, der von einer Kommune selbst und engagierten Bürgern in Eigenregie realisiert werden kann, äußerte sich Lüsse durchaus positiv. So sei ein solcher Radweg bereits in Eggermühlen erfolgreich erstellt worden, „doch das setzt genügend Eigenmittel voraus“.

Die in Dissen nicht vorhanden sind, gestand der Ausschussvorsitzende Jürgen Dallmeyer ein. Er sprach sich für einen Appell an die Landesregierung mit der Forderung nach Erhöhung der Mittel für den Radwegebau aus. „Zehn Jahre weiter zu warten, das will doch niemand von uns“, fasste er die Redebeiträge der Diskussion zusammen. „Wir sollten versuchen, auf die Abgeordneten aus dem Landkreis einzuwirken, um vielleicht auf diesem Wege vorwärtszukommen“, schlug er in Übereinstimmung mit seinen Ratskollegen vor.


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