„Bestürzendes Trauerspiel“ Schneider fordert in Dissen Verantwortung von Unternehmern

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Dissen . „Miteinander – füreinander!“ Unter diesem Motto engagiert sich die Stiftung Dissen seit 15 Jahren für die Menschen in ihrer Stadt. Zu ihrem Geburtstag begrüßte sie nun einen renommierten Gast im Forum der Realschule: Präses i. R. Nikolaus Schneider, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), forderte Unternehmer zur Verantwortung auf.

Bei einem Empfang im Rathaus trug sich der Ehrengast am Nachmittag in das Goldene Buch der Stadt ein. Vier Jahre lang war der Präses i. R. der rheinischen Kirche als Ratsvorsitzender oberster Repräsentant der EKD. Und bis heute ist er eine gefragte Stimme auf höchsten Ebenen. Für die Zuhörer im – mäßig besuchten – Forum der Realschule referierte er am Abend über ein nach den Ereignissen um das Krankenhaus und die Firma Homann gerade in Dissen sensibles Thema.

Vertrauen und Verantwortung

Wie sieht es aus mit Vertrauen und Verantwortung bei Unternehmern und Unternehmen? Für die EKD steht unternehmerisches Handeln nicht im Gegensatz zu biblischem Handeln – im Gegenteil: „Unternehmerisches Handeln ist von zentraler Bedeutung für Innovation, Wertschöpfung und gesamtgesellschaftlichen Wohlstand“, zitierte Schneider aus einer Denkschrift der EKD von 2008. Und weiter: „Unternehmerisch Tätige sind Teil der Gesellschaft und stehen wie jeder in der Verantwortung, ihren Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.“

Dazu gehört, wie Schneider ausführte, die Verantwortung für die Schöpfung, aber auch die Verantwortung für die Mitarbeiter. In diesem Zusammenhang beschränkt sich die EKD nicht allein auf die Forderung an die Unternehmen, „alles in ihrer Macht Stehende für den Erhalt von Arbeitsplätzen zu tun“. Sie fordert darüber hinaus vertrauensvolle Arbeitsverhältnisse mit einem größtmöglichen Maß an Handlungs- und Entscheidungsspielräumen für die Mitarbeiter.

Subventionen abgreifen

„Unternehmer mögen durch ein nachhaltiges Wirtschaften, durch gerechte Löhne, ein faires Teilen von Gewinnen und großherzige Spenden für sozialen Frieden in unserem Land und weltweit mitsorgen“, fasste der Referent zusammen. Das tatsächliche Bild ist vielfach ein anderes. Als „bestürzendes Trauerspiel“ bezeichnete Schneider etwa die Diesel-Manipulationen. Deutliche Worte fand der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende aber auch zu den Ereignissen rund um Homann: „Die Herren Müller scheinen eine besondere Expertise darin entwickelt zu haben, Subventionen der Bundesländer, des Bundes und der EU abzugreifen und Standortentscheidungen danach zu treffen.“

Unternehmen leben von Vertrauen

Vor allem durch den Umgang mit der Mitarbeiterschaft sei Vertrauen zerstört worden. Für Schneider eine kurzsichtige Unternehmenspolitik: „Unternehmen leben davon, dass die eigenen Arbeitnehmer sowie die Gesellschaft ihnen vertrauen.“ Verspieltes Vertrauen sei jedoch nicht leicht wiederaufzubauen. Der Referent warnte allerdings vor Pauschalisierungen. „Gibt es überhaupt noch ehrbare Kaufleute?“ Auf diese Frage aus dem Publikum hatte Schneider ein unmissverständliches Ja: „Es gibt viele großartige Unternehmerpersönlichkeiten, die auch Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen.“

Aktion der Landeskirche

Verantwortung übernimmt seit ihrer Gründung vor 15 Jahren auch die Stiftung Dissen. Um ihr Stiftungskapital für den guten Zweck weiter zu erhöhen, nimmt sie derzeit an einer Bonifizierungsaktion der Landeskirche teil. Dabei gilt: Für jede drei Euro, die gesammelt werden, kommt von der Landeskirche ein Euro hinzu. Die Stiftung Dissen freut sich deshalb über jede Spende im Sinne von „Miteinander – füreinander“.


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