Tastengewitter mit Boogiemen’s Friends Boogie-Express rast durch Dissener Bahnhof


Dissen. Wahrlich nicht zum ersten Male schlägt der Jazz Club Dissen-Bad Rothenfelde um den Vorsitzenden Hans Biewener seinen jährlichen Jazz-Kalender eindrucksvoll auf. Wer vor einem Jahr die Formation „Boogiemen´s Friends“ erleben konnte, war deshalb auch kaum überrascht. Die Bamberger Boogie-Freunde legten mit einem fulminanten Konzert im Dissener Bahnhof wiederum eine spektakuläre, fahrplanmäßige Abfahrt in das diesjährige Veranstaltungsprogramm des Jazz Clubs hin.

Wie im letzten Jahr begeisterte Boogie Woogie als Klanggewitter rund drei Stunden den restlos ausverkauften Club in der Railwaystation. Neben dem 27-jährigen Pianisten Ulrich Zenkel, dem erst 21 Jahre alten Drummer Julian Göller machte sich Marc Hupfer am Klavier mit seinen 48 Jahren geradezu als Veteran der Truppe aus. Verstärkt wurde das Trio durch den Studenten des Jazz-Pianos Valentin Findling mit Gesang und seiner Blues Harp.

Atemberaubendes Tempo

Mit enormem Drive erstürmten beide Pianisten rollend und stampfend die Gipfel des Boogie Woogie, nach Zenkel „die feztigste Musik, die je erfunden wurde“. Hupfer sowie Zenkel bearbeiteten ihre Tasten in atemberaubenden Tempo und einem Fingerspiel im Zeitraffer. Drummer Göller händelte seine Sticks und Besen nur scheinbar lässig, war mit seinen Einsätzen aber stets konzentriert. Sein ganzes Können zeigte der Schlagzeuger vor allem in seinem aufregenden Solo in Muddy Waters „I´ve got my Mojo workin“ und gegen Ende des Konzerts im „I wanna be like you“, wo alles Greifbare als Klangkörper herhalten musste, Noten- und Mikroständer ebenso wie das Mobiliar von Hupfers Piano und selbst Wasserflaschen baute Göller gekonnt in sein Spiel ein.

Begeistertes Publikum

Mit einer gelungenen Mischung aus Boogie Woogie, Rock’n Roll und Blues begeisterten die vier Musiker das Publikum von Beginn an. Das Dreigestirn Albert Ammons, Pete Johnson sowie Meade Lux Lewis, „Godfathers“ des Boogie aus dem letzten Jahrhundert, bestimmten dominierend den Auftritt. Zudem streute Findling mit seiner Harp etliche Nummern des großen Boogie Shouters Big Joe Turner ein, immer mit einer für Turner typischen Prise Blues angehaucht. Beeindruckend auch sein Solo am Piano in der Ballade „Georgia on my mind“, das als Interludium für eine kleine Atempause sorgte.

Absolute Präzision

Ob als Solo oder vierhändig auf einem Piano gleichzeitig miteinander spielend, entfachte das Duo einen energetisch stampfenden Höhepunkt nach dem anderen, wobei Zenkel seine rhythmisch wippenden Beine wiederholt in Tastenhöhe seines Spielgeräts schraubte. Perfekt aufeinander abgestimmt bis in alle rhythmischen Finessen und mit absoluter Präzision stimmte einfach alles. Tempi wurden souverän wie ein Uhrwerk gehalten, Taktwechsel gelangen synchron und alle Überleitungen wurden souverän bewältigt, kurz, das Quartett ließ nichts anbrennen, auch wenn die Hütte durchgängig brannte.

Bamberger Sympathieträger

Eher selten sind Spaß und nicht aufgesetzte Spielfreude so authentisch zu beobachten, wie mit den Bamberger Sympathieträgern, die zugleich mit lockerer Moderation für hohen Unterhaltungswert sorgten. Das Quartett lebte seine Musik voll und jederzeit authentisch auf der Bühne aus. Über den Klassiker „Basin Street Blues“ führte die rasante Fahrt von New Orleans mit „Sweet home Chicago“ direkt in die Windy City. In der Zugabe mit Zenkels Androhung, „wir reißen jetzt das Haus ein“ fand mit „Breaking up the house“ ein atemberaubender Abend sein Finale. Der Applaus des Publikums war durchgängig alles andere als artig, er war ohne Übertreibung enthusiastisch.


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