Kaum Chance auf Notfallmediziner Risken plant in Versmold Ärztehaus für die Region



Versmold/Dissen. Worauf Dissen seit Monaten hofft, könnte in Versmold Realität werden. Investor Ekkehard Risken plant ein Ärztehaus, mit dem er die medizinische Versorgung in der Region nach der Schließung des Versmolder Krankenhauses im Jahr 2008 und der Dissener Klinik 2014 verbessern möchte. Für eine regelrechte Notfallversorgung sieht er allerdings kaum Chancen.

Es war eine Erfahrung in der Familie, die ihn zum Nachdenken über das ärztliche Angebot gebracht hat. „Ich dachte dann: Das kann doch nicht so nicht sein.“ Risken, der selbst in Versmold wohnt, sprach den Versmolder Bürgermeister Michael Meyer-Hermann an, der sehr interessiert reagiert habe. „Das ist jetzt über ein Jahr her“, sagt Ekkehard Risken.

Sein Blick fiel auf die Zwirnerei Seidelmayer, einen 180 Jahre alten Familienbetrieb, der zuletzt Wurstgarn für die Industrie produzierte und auf dem internationalen Markt keine gute Zukunft hatte. Der Kauf des 6000 Quadratmeter großen Grundstücks wurde 2017 besiegelt.

Er habe zunächst einen groben Plan gemacht, sagt Ekkehard Risken, und dann mit Krankenhäusern in der Region, vor allem dem Warendorfer Josephshospital gesprochen, mit Ärzten und mit der Kassenärztlichen Vereinigung, die die Sitze der niedergelassenen Ärzte zulassen muss.

Die Hälfte ist vermietet

„Ich habe nicht geahnt, dass die Verhandlungen so schwierig würden“, bewertet Investor Risken die Gespräche. Die Krux sei, dass er für sein Investment einen gewissen Vermietungsgrad brauche. Der liege für ihn bei 60 Prozent, „damit könnten wir beginnen“. 50 Prozent habe er in einem Jahr erreicht. Doch zehn Prozent fehlen eben noch.

Zu den Medizinern, die sich im neuen Ärztehaus am Westheider Weg 50 niederlassen möchten, gehören Gynäkologen, Zahnärzte, ein Psychologe, der Bereich Osteopathie und Physiotherapie. Einige möchten auch mit Belegbetten in Krankenhaus arbeiten. Die meisten Interessenten kommen aus Westfalen, vor allem aus Warendorf, der Psychologe aus Niedersachsen. „Wir könnten auch eine Apotheke bekommen, brauchen dafür aber ein gewisses Volumen an Patienten.“

Kassenärztliche Vereinigung sieht Bedarf gedeckt

Die bringen vor allem Allgemeinmediziner und Internisten mit. Aber diese sind rar. Auch eine chirurgische Praxis würde Risken gerne ansiedeln, „das liegt nahe“. Doch das ist noch schwieriger: „Die Kassenärztliche Vereinigung sieht den Bedarf für die Region leider gedeckt“ und damit auch für die 21000-Einwohner-Stadt Versmold.

Erklärtes Ziel Riskens ist es, in einem möglichst breiten Spektrum gesundheitliche Grundbedürfnisse der Einwohner zu befriedigen, wie es im Exposé der Mindener Immobilienfirma RB.Medkonzept heißt. Genügend Parkplätze gebe es, die Lage nahe Bushaltestelle und Autobahn 33 sei hervorragend.

Wenn das Ärztehaus in Form eines Bumerangs steht, soll es den Namen Wilhelm-Vinke-Haus tragen. „Es wird eine Person geehrt, die zuerst einmal für meine Geschwister und mich so etwas wie ein Großeltern-Ersatz war“, schreibt Risken im Exposé. Vinke war außerdem Rektor der Volksschule und Heimatforscher. Einen Wilhelm-Vinke-Ring gibt es schon in Versmold. Nun möchte ihm Ekkehard Risken ein Denkmal aus Stein setzen.

Faible für Kultur

Es ist nicht das einzige Projekt, für das sich der Inhaber der ERB Vermögensverwaltung und Aufsichtsratsmitglied der von seinem Bruder Heinrich geführten Heristo AG in Bad Rothenfelde einsetzt: Ekkehard Risken fördert mit der nach seiner Mutter benannten Liselotte-Stockmeyer-Stiftung im Raum Osnabrück, Bielefeld, Münster Kulturprojekte wie ein Wagner-Konzert in Bad Iburg und eine Inszenierung am Osnabrücker Theater.


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