Verweis auf Standortvorteile in Dissen Ringen um Homann: Was tut Minister Althusmann?

Von Stefanie Adomeit


Dissen. Untätigkeit hatte der damalige CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Bernd Althusmann, der rot-grünen Landesregierung im Mai 2017 vorgeworfen, seit Homanns Abwanderung nach Sachsen droht. Jetzt ist Althusmann selbst niedersächsischer Wirtschaftsminister. Was will er tun, um den Feinkostriesen im Land zu halten, der dem Umzugs- und Sanierungsprojekt „Iris“ eine Denkpause verordnet hat?

Von Ministerpräsident Weil und dem damaligen Wirtschaftsminister Lies hatte Althusmann das Ziehen „aller Register der Förderinstrumente“ gefordert. „Es reicht eben nicht aus, auf die vorhandenen Vorteile der niedersächsischen Homann-Standorte hinzuweisen, sondern die Standortattraktivität mit einem klaren Angebot Niedersachsens zu untermauern. Der amtierende Ministerpräsident und seine Landesregierung sind in der Verantwortung, mit gezielter Wirtschaftsförderung Arbeitsplätze in Niedersachsen zu halten“, hatte Althusmann erklärt.

Schon im Herbst 2016 hatte Konzernchef Theo Müller wegen einer möglichen Niederlassung in Leppersdorf Kontakt zur sächsischen Landesregierung aufgenommen.

Fünf konkrete Fragen darüber, wie er Homann nun vielleicht doch noch in Niedersachsen halten wolle, beantwortete Althusmann in zwei Sätzen: „Die Firma Homann in Dissen ist mir wichtig. Ich nehme daher die aktuelle Entwicklung zum Anlass, um den Müller-Konzern erneut auf die Standortvorteile in Niedersachsen hinzuweisen und zum Erhalt der Produktion in Dissen zu bewegen.“ Die Stadt Dissen hatte für Homann eine 20 Hektar große Fläche an der Autobahn 33 freigeräumt.

Dresden will nicht spekulieren

Aus dem Wirtschaftsministerium von Martin Dulig (SPD) in Dresden ist ähnliches zu hören, während im zuständigen Landratsamt Bautzen gerade die Bauanträge für das neue Homann-Werk geprüft werden. „Das Wirtschaftsministerium ist, ebenso wie die Belegschaft von Homann, im Dezember überraschend darüber informiert worden, dass das sogenannte Projekt Iris unternehmensintern einer erneuten grundlegenden Überprüfung unterzogen werde und nicht vor Ende Februar mit einem Ergebnis zu rechnen sei. An Spekulationen, zu welchem Ergebnis diese unternehmensinterne Überprüfung führen wird, beteiligen wir uns nicht. Wir sorgen weiterhin dafür, dass keine aus Sicht der Unternehmensgruppe entscheidungsrelevanten Faktoren, die durch den Freistaat Sachsen beeinflussbar sind, einer Bestätigung der Entscheidung für die Großansiedlung am Standort Leppersdorf entgegenstehen.“

Homann-Manager jetzt bei Lieken

Kurz vor dem Jahreswechsel hatte das Land Sachsen Homann 11,3 Millionen Euro Förderung zugesagt, falls die Firma in Leppersdorf baut. Das Unternehmen hatte nach Informationen unserer Redaktion mehr als den doppelten Betrag beantragt.

Ob das Nachdenken Theo Müllers über den Umzug nach Sachsen auch mit dem Weggang des Homann-Geschäftsführers Volker Fiege zusammenhängt, ist unklar. Fiege, Diplom-Ingenieur und zuvor Produktionsleiter bei Müllers Sachsenmilch in Leppersdorf, sollte den Umzug managen. Ihn aber zog es im Oktober zur Großbäckerei Lieken, wo er in den Vorstand berufen wurde. Lieken baut in der Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt eine der modernsten Großbäckereien Europas. Nun soll die neue Unternehmensleitung von Homann um Sönke Renk, Jürgen Fabian und Michal Mildner die Umzugspläne abklopfen.

Kamps wohl für Polen

Warum, ist nicht bekannt. Fest steht jedoch, dass der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich, ein guter Freund Theo Müllers, Mitte Dezember von seinem CDU-Parteikollegen Michael Kretschmer abgelöst wurde. Tillich hatte sich wegen der Schlappe seiner Partei bei der Bundestagswahl zurückgezogen. Heiner Kamps, der Vorsitzende des Homann-Aufsichtsrates, soll im Übrigen von vornherein einen Neubau in Polen favorisiert haben.

Ursprünglich sollte das Feinkost-Werk in Leppersdorf 2019 in den Testbetrieb gehen, bevor es die Fabriken in Dissen, Bad Essen, Floh-Seligenstadt und Bottrop ein Jahr später komplett ersetzen sollte. Dieser Zeitplan dürfte nicht mehr zu halten sein.