Leppersdorf, Dissen oder Polen? Denkpause bei Homann: Viele Spekulationen, wenig Hoffnung

Wohin zieht es Homann? Im Dissener Stadtkern kann das Werk nicht modernisiert werden. Foto: Michael GründelWohin zieht es Homann? Im Dissener Stadtkern kann das Werk nicht modernisiert werden. Foto: Michael Gründel

Dissen. Mit der von der Geschäftsführung sogenannten „Überprüfungsphase“ für Homanns Umzug nach Sachsen wächst neben der Verunsicherung der Mitarbeiter auch die Hoffnung, dass der Feinkosthersteller vielleicht doch in Dissen bleiben könnte. Anzeichen dafür gibt es allerdings nicht.

Anlass für die Spekulationen war die Hausmitteilung, dass sich das „Projekt Iris“ in einer Überprüfungsphase befinde. Iris steht intern für die Umstrukturierung und Umsiedlung Homanns ins sächsische Leppersdorf.

Hier wollte Konzernchef Theo Müller bisher für bis zu 500 Millionen Euro ein neues Werk bauen. Die Fabriken in Dissen und Bad Essen sowie zwei weitere Standorte sollen dafür im Jahr 2020 geschlossen werden. Drei Monate setzen die Manager für die Überprüfung ihrer Pläne an.

Eine Anfrage beim zuständigen Landratsamt Bautzen ergibt, dass der Bebauungsplan für Homann in Leppersdorf angepasst und genehmigt ist. „Damit ist Baurecht geschaffen“, so Sprecher Gernot Schweitzer. Auch bauvorbereitende Maßnahmen seien zum Teil schon genehmigt, die Anträge für den Hochbau des neuen Werks in Bearbeitung.

Von Zuschuss enttäuscht?

Fest steht aber auch: Die Regionalförderung für den Neubau in Sachsen fließt nicht in der von Müller beantragten Höhe von 25 bis 30 Millionen Euro. Die Sächsische Aufbaubank zahlt im Falle des Baus nur 11,3 Millionen Euro.

Ob der vergleichsweise spärliche Zuwendungsbescheid eine der Rahmenbedingungen und ein Einflussfaktor ist, die nach Aussagen des Müller-Pressesprechers die Überprüfung weiterer Faktoren erfordern, will dieser nicht kommentieren. Der Firmenaushang von Mitte Dezember sei jedoch älter als der Zuwendungsbescheid des Landes Sachsen vom 29. Dezember, merkt Alexander Truhlar an.

Interesse an Homann-Fläche

Auch die Frage, ob Dissen nun wieder im Spiel sei, will er nicht beantworten. „Über Details sprechen wir nicht.“ Im Übrigen würden bei jeder Entscheidung zuerst die Mitarbeiter informiert.

Bei Dissens Bürgermeister nährt all das keine neue Hoffnung auf einen Verbleib Homanns am Ort seiner 140-jährigen Unternehmensgeschichte. „Wir lassen uns davon nicht beeindrucken“, sagt Hartmut Nümann. Die Stadt Dissen spreche weiterhin mit den Unternehmen, die an einer Ansiedlung auf der ursprünglich für Homann vorgesehenen Fläche interessiert sind. An eine Entscheidung Müllers für Dissen glaube er nicht.

Die aktuellen Gehälter der Homänner liegen weit über denen, die Müller bei seiner Sachsenmilch in Leppersdorf zahlt. Das Werk im Dissener Stadtkern kann dort nicht modernisiert werden. Neu bauen muss Homann also auf jeden Fall, ob in Dissen, Leppersdorf oder anderswo.

Unterdessen haben Homann-Mitarbeiter im sachsen-anhaltinischen Werk Rogätz ihre Arbeit am Donnerstag für einige Stunden niedergelegt. Der Warnstreik ist der zweite im Laufe der Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Lohn, die Geschäftsführung bietet knapp drei Prozent.


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