Vortrag in Sögeln Ein Riester Zahnarzt hilft in der Mongolei

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Als Zahnarzt ohne Grenzen arbeitete Dr. Thomas Kiefert in der Mongolei. Foto: privatAls Zahnarzt ohne Grenzen arbeitete Dr. Thomas Kiefert in der Mongolei. Foto: privat

icr Sögeln/Rieste. Die Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“ organisiert seit 2006 zahnmedizinische Hilfseinsätze in den bedürftigen Regionen der Welt. Zahnärzte und HelferInnen aus ganz Europa reisen dazu auf eigene Kosten in die entsprechenden Länder, um kostenlos Patienten zu behandeln. Der Riester Zahnarzt Dr. Thomas Kiefert wollte helfen und ließ sich auf das Abenteuer ein.

Im Sommer 2012 engagierte er sich bei einem Hilfseinsatz in der Mongolei und bildete gemeinsam mit Prof. Dr. Christel Krumbacher und Helferin Maria Schiz eins von mehreren Helfer-Teams.

Die 6200 Kilometer von Berlin bis nach Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei, wurden im Flugzeug der mongolischen Fluggesellschaft Miat zurückgelegt. Es gibt derzeit 1200 Zahnärzte in der Mongolei, davon praktizieren 1000 in der Hauptstadt. Daran wird deutlich, wie unterversorgt insbesondere die Bevölkerung in dem riesigen, dünn besiedelten Land ist (2,03 Einwohner pro Quadratkilometer, im Vergleich: Deutschland 226 Einwohner pro Quadratkilometer).

Starker Kariesbefall

Die Zahngesundheit befindet sich in desolatem Zustand. Zahnfleischerkrankungen und extrem starker Kariesbefall sind weit verbreitet. Zuckerreiche Ernährung begünstigt die Zahnerkrankungen. Es mangelt an Mundhygiene. Zähne putzen ist nicht selbstverständlich. In manchen Familien gibt es nur eine Familienzahnbürste. Die meisten können sich keinen regelmäßigen Zahnarztbesuch leisten, und auf dem Lande ist gar kein Zahnarzt vorhanden.

Von Ulaanbaatar ging es weiter nach Sainshand, eine Stadt nahe der chinesischen Grenze im Süden der Mongolei, ca. 400 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Hier war der hauptsächliche Einsatzort des Teams, das durch einheimische Helfer unterstützt wurde. Der Dolmetscher der Gruppe, Buggii, hatte vor Jahren einige Zeit in Deutschland verbracht und – die Welt ist klein – einige Monate bei Duni in Achmer gearbeitet.

Vor jeder Behandlung wurde mithilfe des Dolmetschers erklärt, wie die Behandlung erfolgt und mit welchem Ziel sie durchgeführt wird. Vormittags wurde im Hospital behandelt, nachmittags im Kindergarten.

Die Behandlungsräume waren minimal ausgestattet. Statt eines Speibeckens am Behandlungsstuhl stand ein Plastikeimer bereit. Schränke waren zwar vorhanden, jedoch suchte man vergeblich nach zahnärztlichem Material und Medikamenten. Das mitgebrachte Material wurde einsortiert.

Die Ärzte ohne Grenzen waren auf den Mangel vorbereitet. Der Ansturm von Patienten war so gewaltig, dass die Arbeit kaum zu bewältigen war. Viele Arme, die sich sonst nie eine Zahnbehandlung hätten leisten können, nahmen die kostenlose Hilfe an.

Ungewöhnliche Sitten

Nach dem anstrengenden Arbeitstag erhielten die engagierten Helfer viele Einladungen und lernten einige mongolischen Gepflogenheiten kennen. Ungewöhnlich sind zum Beispiel die Tischsitten. So sind Essgeräusche durchaus erwünscht, denn sie bedeuten, dass es besonders gut schmeckt.

Häufig werden Reden geschwungen, die gerne mit einem Glas Wodka beendet werden. Natürlich wird das Glas dann in einem Zug gelehrt, und zum Beweis, dass es wirklich leer ist, hält man es mit der Öffnung nach unten über den Kopf.

Beliebt sind westliche Süßigkeiten. Obst und Gemüse sind verhältnismäßig teuer, da Ackerbau kaum möglich ist, denn der Boden ist fast neun Monate im Jahr gefroren. Ein Drittel der Mongolen sind Viehzüchter, die in traditionellen Zelten leben, die Jurten genannt werden. Die Jurte wird mit dem rechten Fuß zuerst betreten, dabei wird die Schwelle nicht berührt. In den Städten gibt es sowohl Häuser aus Stein als auch Jurten. Das Team um Kiefert übernachtete in einem Hotel, war aber häufig in Jurten zu Gast.

Anschaulich referierte Kiefert über die Erlebnisse in der Mongolei und kam mit den Zuhörern ins Gespräch. Die Ausführungen wurden mit zahlreichen Fotos ergänzt. Im Sommer dieses Jahres folgt ein weiterer Hilfseinsatz in der Mongolei.

Den Zuhörern im voll besetzten Dorftreff in Sögeln wurde ein informativer Abend geboten. Als Dank überreichte Gundolf Böselager, Ortsbürgermeister in Sögeln , dem engagierten Zahnarzt einen Gutschein für ein schönes Essen im Restaurant.


Die Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“ (Dentists without Limits Foundation, DWLF) wurde im Jahr 2004 von Dr. Claus Macher (Kieferorthopäde) gegründet. Seitdem wurden in neun Ländern wie Nepal, Sri Lanka, Indien, Mongolei, Rumänien, Sambia, Namibia, West-Jordanland, Ecuador mehr als 50 feste und mobile Zahnkliniken als Grundvoraussetzung für zahnärztliche Hilfseinsätze eingerichtet. In Planung befinden sich Zahnstationen für die Philippinen und Marokko. In enger Zusammenarbeit mit den Regierungen, Gesundheitsministeren und Universitäten der Gastländer bieten die von DWLF ausgewählten Einsatzteilnehmer, die alle über einen zahnmedizinischen Ausbildungshintergrund verfügen, kostenlos basiszahnmedizinische Behandlung für bedürftige Bevölkerungsgruppen an.

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