Experten am Venner Mühlenbach Fischsterben nach Gülle-Havarie in Evinghausen


be/pm Bramsche/Venne. Den Gülleunfall in Evinghausen hat der Venner Mühlenbach doch nicht unbeschadet überstanden: Bei einer Stichprobe fanden Gewässerschützer in einer Stunde allein mehr als 20 frisch verendete Bachforellen auf 300 Metern Bachstrecke. Die Konzentration von Stoffen wie Ammonium und Nitrit sei drei Tage nach dem Unfall „für Fische und andere Lebewesen immer noch absolut tödlich“, heißt es in einer am Montag verbreiteten Pressemitteilung des Landessportfisicherverbandes Niedersachsen. Die Bachforelle war 2013 Fisch des Jahres.

Durch ein Leck am Rührwerk waren 75000 Liter Gülle aus einem Becken ausgelaufen und in den Venner Mühlenbach gelangt. „75.000 Liter Gülle sind der Todesstoß für ein Kleingewässer dieser Art. Nach der Einleitung sinken die Sauerstoffwerte binnen weniger Stunden auf tödliche Werte – gerade für die empfindlichen Bewohner von Fließgewässern,“ sagte Ralf Gerken, Experte für Gewässerschutz beim Landesverband. Die Abbauprozesse von

Gülleinhaltsstoffen verbrauchten laut Gerken Unmengen von Sauerstoff. Dabei entstünden außerdem die für Fische und Kleinlebewesen hochgiftigen Substanzen Nitrit und Ammonium. „Aber die meisten Fische ersticken, bevor sie sich überhaupt vergiften“, erläutert der Naturschutzexperte.

Nach Einschätzung von Thomas Klefoth , Fischereibiologe beim Landesverband und gebürtiger Schledehausener, der den Venner Mühlenbach seit seiner Jugend kennt, wird das Gewässer mindestens fünf Jahre brauchen, um annähernd den Zustand zu erreichen, den es vor der Güllehavarie hatte.

Grundsätzliche Konsequenzen forderte Florian Möllers, der als nationaler Botschafter der UN-Dekade für den Erhalt der Biologischen Vielfalt ebenfalls zum Mühlenbach gerufen worden ist: „Der Venner Mühlenbach ist nur eines von Dutzenden Beispielen aus den letzten fünf Jahren, wo durch Fahrlässigkeit in der Landwirtschaft die Artenvielfalt ökologisch wertvoller Gewässerlebensräume vernichtet worden ist. Wir brauchen gerade in Niedersachsen eine nachhaltige Kontrolle der geltenden Gülleverordnung und strenge Auflagen zur Havarie-Sicherung von hochgiftigen Nebenprodukten aus der Massentierhaltung und von Biogasanlagen im unmittelbaren Einzugsbereich von Gewässern.“

Bei allem Ärger über das Gülleleck waren die Experten aber auch überrascht über die Strukturvielfalt des kleines Baches. Es gebe hervorragende Fischeinstände zuhauf. Das Bachbett ist überwiegend steinig oder kiesig mit einigen sandigen Abschnitten, am Ufer beschattende Bäume und Strauchvegetation – ein echtes Kleinod im Osnabrücker Land,“ heißt es in der Pressemitteilung. Selbst den toten Bachforellen konnten die Fischer noch positive Erkenntnisse abgewinnen: Die Größenverteilung von handlangen bis fast 35 cm langen Exemplaren könnte darauf hindeuten, dass sich die Population außerdem selbst vermehrt hat,“ erklärte Thomas Klefoth.

2013 war die Bachforelle in Deutschland zum „Fisch des Jahres“ gewählt worden, um auf die Bedrohung der Art durch Gewässerverunreinigungen und den Verlust geeigneter Fließgewässerlebensräume hinzuweisen.

Aus Sicht des Landkreises, der die Sicherheit der Trinkwasserversorgung sicherzustellen hat, ist die Güllehavarie überstanden. Es gebe keine Gefährdung des Trinkwassers. Die Fischer müssten sich mit eventuellen Schadensersatzansprüchen an den Landwirt wenden, meinte Pressesprecher Burkhad Riepenhoff.


Der Landessportfischerverband Niedersachsen e.V. (LSFV) ist mit fast 90.000 Mitgliedern der größte anerkannte Naturschutzverband in Niedersachsen. Im LSFV wenden Angler aus den 330 angeschlossenen Vereinen jedes Jahr zehntausende Stunden für ehrenamtliche Natur- und Artenschutzmaßnahmen an Gewässern auf. Von der Wiedereinbürgerung von bedrohten Arten wie Lachs und Meerforelle, über das

Monitoring von Fischen und anderen Wasserlebewesen, bis zu regelmäßigen Müllsammel- und Pflanzaktionen, tragen die organisierten Angler dazu bei, Gewässer und ufernahe Lebensräume zu erhalten und durch gezielte Naturschutzprojekte nachhaltig zu fördern.Mehr Infos unter: www.lsfv-nds.de .