Gemüse und glückliche Hühner 25 Jahre Biolandhof Kruse in Pente


Pente. „Als wir 1989 angefangen haben, da waren wir noch die Spinner“. Michael Kruse erinnert sich mit einem Grinsen. Für Spinner hält den Bioland-Bauern heute niemand mehr. Der Hof hat sich etabliert. In diesem Jahr feiert Kruse „25 Jahre Biolandhof“.

Schon während des Landwirtschaftsstudiums hatte Kruse beschlossen, „mit Bio anzufangen“ und damit zählte er schon zu den Exoten im Osnabrücker Land. In Belm gab es zu der Zeit mit dem Hof Meyer zu Belm einen Pionier, alles in allem war ein Bioland-Bauer im Osnabrücker Land noch etwas so Seltenes, dass man sich dem Bioland-Verband Westfalen anschließen musste. Bis zur Gründung eines dauerte es noch Jahre.

An Wiechmanns Eck

Zunächst pachtete Kruse einen Hof im Bramscher Umland, was aber „aus individuellen Gründen“ wie er es diplomatisch umschreibt, nicht von Dauer war. Glücklicherweise, so freuen sich Kruse und seine Frau Martina Heidebreck, ergab sich aber bald die Gelegenheit, die Hofstelle am „Wiechmanns Eck“ in Pente zu pachten. Sie schlugen zu, seitdem werden dort Obst und Gemüse angebaut. Das Thema „Güllelagune“, mit dem der Vorpächter ganz Bramsche in Aufruhr versetzt hatte, war vom Tisch.

Was Kruse unter anderem auf dem Bramscher Wochenmarkt und im eigenen Hofladen verkauft, ist aber nicht einfach „Bio“, wie es mittlerweile in jedem Supermarkt zu finden ist, sondern entspricht den strengen Bioland-Kriterien . Die sahen Ende der achtziger Jahre eine langsame Umstellung des Betriebes auf Wirtschaften ohne Spritzmittel und Kunstdünger vor, sogar mit einem „Null-Jahr“, in dem noch nichts unter dem Bioland-Siegel verkauft werden durfte. Die Kooperation mit einem Betrieb aus dem Nordkreis half über diese Durststrecke hinweg. „Man muss ja von irgendwas leben“, erinnert sich der Bio-Bauer.

Skeptische Nachbarn

Die Nachbarn blieben zunächst skeptisch: „Das klappt doch nie“. Diesen Satz habe er in der Anfangszeit häufig gehört, erzählt Kruse. Manche verstanden auch einfach nicht, welche Prinzipien der Arbeit auf einem Biolandhof zugrunde liegen, die konsequente Kreislaufwirtschaft beispielsweise. „Die Nachbarn haben neugierig nachgefragt, warum ich denn mit der Sähmaschine durchs Getreide fahre“, erinnert er sich. Des Rätsels Lösung: Kruse sähte Klee, der stehen bleibt, wenn das Getreide gemäht wird und später beim Unterpflügen Stickstoff in den Boden bringt, als natürlicher Dünger sozusagen.

Ein weiterer Grundsatz, der in Zeiten der Massentierhaltung ziemlich alternativ anmutet: auf Bioland-Höfen berechnet sich die Anzahl der Tiere, die gehalten werden, nach der Hoffläche. Werden zu viele Tiere gehalten, könnte der Boden den anfallenden organischen Dünger nicht mehr aufnehmen. Zumindest theoretisch müsste außerdem ein Hof das Futter für die Tiere selbst produzieren können. Wegen der unterschiedlichen Produktionsschwerpunkte darf allerdings zugekauft werden, räumen Kruse und Heidebreck ein - allerdings nur biologisch angebautes Futter. „Wir betreiben hier keine Museumslandwirtschaft“, unterstreicht Kruse.

Dazu gehört auch, dass Kruse die Produktpalette in den letzten Jahren konsequent ausgebaut hat. Neben Kartoffeln, Kohl aller Arten oder Wurzelgemüsen wachsen seit einigen Jahren in Folienhäusern Tomaten, Gurken, Paprika, Feldsalat oder frisches Grün für die Hühner. Auch die Kundschaft hat sich mit den Jahren verändert. „Die Altfreaks gibt‘s nicht mehr“,. grinst Kruse. Dafür kommen mehr junge Mütter zum Wochenmarkt oder in den Hofladen, die ihre Kinder gesund ernähren wollen. Allerdings fragt auch der Bio-Kunde im Winter nicht mehr nur Steckrüben und Grünkohl nach. „Wir könnten im Winter mehr rote Paprika als Rotkohl verkaufen“, sagte Martina Heidebreck. Gut findet sie das gleichwohl nicht. „Es ist viel Wissen über traditionelle Gemüsesorten und ihre Verarbeitung verloren gegangen. Außerdem wird immer weniger gekocht“, hat sie beobachtet. Trotzdem ist das Landwirtspaar überzeugt: „Bio ist und bleibt in“.

So ‚in‘ wie die Bio-Eier, die bei Kruses wirklich bio sind. Seit ein paar Jahren setzen die Penter auf sogenannte „Hühnermobile“.Bioland-Verband220 braune Legehennen haben in diesen mobilen Ställen ihre Schlafplätze und sauber mit Dinkelspelzen eingestreute Nester zur Eiablage. Regelmäßig wird das Mobil auf ein frisches Stück Grünland gezogen, wo die Hühner junges Grün, frische Luft, Unterstände gegen zuviel Sonne und reichlich bemessenen, mit einem Elektrozaun abgesicherten Auslauf vorfinden. Für das I-Tüpfelchen an „Hühner-Wellness“ sorgt allerdings nicht der Zaun, sondern ein stolzer Hahn, den man aus „produktionstechnischen“ Gründen eigentlich nicht braucht. Wenn die Legehennen irgendwann ihren Dienst versehen haben, wandern sie in den Topf, als Grundlage für Martina Heidebrecks deftige Hühnersuppe.

Eierparty

Die gibt es übrigens neben anderen Köstlichkeiten vom Ei am Samstag, 8. März, während der Eierparty auf dem Hof an Wiechmanns Ecke. In der Zeit von 9 bis 14 Uhr sind auch Führungen zu den Hühnermobilen geplant.


Tiere im Biolandbau Ziel des Biolandbaus ist eine artgerechte Haltung, bei der die Bedürfnisse der Tiere insbesondere bei Stallbau, Auslaufgestaltung und Fütterung berücksichtigt werden. Die EG-Öko-Verordnung und die Richtlinien der Bioanbauverbände begrenzen den Tierbestand in Bezug auf die Fläche des Betriebes, um eine ausgewogene Nährstoffversorgung von Boden und Pflanzen zu gewährleisten, ohne die Umwelt zu belasten. Biolandbetriebe verabreichen mit Ausnahme von Impfungen keine vorbeugenden Medikamente. Das Immunsystem soll durch Hygienemaßnahmen, artgerechte Haltung und Fütterung und den Verzicht auf Höchstleistungen zu stärken. Im Krankheitsfall oder bei Parasiten wird medizinisch behandelt, allerdings unter Verzicht auf umstrittene oder umweltschädigende Medikamente. Bei gesicherter Wirksamkeit wird auf homöopathische Mittel und naturheilkundliche Methoden zurückgegriffen. Nach Behandlung mit herkömmlichen Medikamenten verdoppeln Biolandbetriebe die reguläre Wartezeit bis zur Vermarktung der Tiere, um die Bildung von Rückständen und die Bildung von Resistenzen zu minimieren. Weitere Informationen unter www.biotiere.de.

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