„Kleider machen Leute“ Heidrun Kuhlmann unterhält Achmeraner Frauen

Von Holger Schulze

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Heidrun Kuhlmann referierte beim Frauenfrühstück in Achmer.Heidrun Kuhlmann referierte beim Frauenfrühstück in Achmer.

Achmer. 92 Frauen und ein Mann ließen es sich am Samstagmorgen bei einem ausgedehnten Frühstück schmecken. Das Frauenfrühstück in der Friedenskirchengemeinde Achmer war wieder einmal gut besucht.

Für die geistige Nahrung sorgte anschließend erneut Heidrun Kuhlmann. Bereits zum dritten Mal war die Referentin für Frauenthemen bereits in Achmer. „Kleider machen Leute - vom Schein und Sein“, lautete das Vortragsthema.

„Wie einfach war das Leben damals, als die Frauen noch Kittelschürze trugen. Keine Frau quälte sich mit Bauch-Beine-Po-Gymnastik oder mit der Zählung von Kalorien. In eine Kittelschürze passte einfach alles rein“, mit diesen Worten eröffnete Heidrun Kuhlmann ihr heiteres Referat. Das Liebhaben war damals das Kriterium für Schönheit und nicht der äußere Schein. „Heute stehen wir vor unseren gut bestückten Kleiderschränken und sagen diesen einen Satz, den kein Mann jemals versteht: Wir haben nichts anzuziehen. Warum müssen wir heute immer mehr zum Anziehen haben? Vor welchen Blicken haben wir mehr Respekt? Vor den Blicken der Männer oder vor denen der Frauen?“, lauteten weitere Fragen, die Heidrun Kuhlmann, von reichlichem Schmunzeln des Publikums begleitet, im Raum stehen ließ.

„Wir beurteilen viele Menschen zunächst einmal nach ihrer äußeren Erscheinung“, war eine Erkenntnis, mit der Heidrun Kuhlmann zum Nachdenken einlud. Steht mir das, passt das zu meiner Figur, meinem Alter, meinem Lebensgefühl oder zu meinem Geldbeutel? All dies sind Fragen, die Frauen zuweilen auch unter Druck setzen, in Bezug auf ihre zweite Haut. „Gute Verkäuferinnen sehen, wenn es uns an Größe fehlt, bezogen auf unser Gewicht“. Heidrun Kuhlmann hatte einen erfrischenden Ausdrucksstil für die anstrengende Kleidersuche ihres Geschlechts. Viele Lacher aus dem Publikum bewiesen dies.

„Wir Menschen sind alle sehr dünnhäutig und sensibel. Darum brauchen wir unsere Kleidung nicht nur als Schutz gegen Hitze oder Kälte, sondern auch als Schutz für den inneren Menschen.“ Um diese These zu begründen, begab sich Heidrun Kuhlmann zurück bis zu Adam und Eva. Beide nackt, aber mit sich selbst und mit Gott im Reinen, fühlten sie sich auch ohne Kleidung gut aufgehoben im Paradies. Bis zu dem Tag, an dem Eva vom Baum der Erkenntnis aß. Eva nahm sich mehr heraus, als eigentlich für sie bestimmt war. Und stand somit „jenseits von Eden“. Just in diesem Moment überfiel sie das Gefühl der Nacktheit. Sie schämten sich voreinander und vor Gott. Die Unbekümmertheit, die Offenheit und die Zufriedenheit waren auf einmal weg, so Heidrun Kuhlmann ihre Schilderungen fortsetzend.

Diese damals aufkommende Scham bot den weiteren Anknüpfungspunkt für nachdenklicher stimmende Ausführungen. Adam und Eva haben auf ihre Scham mit Feigenblättern reagiert, bis Gott für die Beiden Röcke von Fellen machte und sie ihnen anzog. „Seitdem gibt es Karl Lagerfeld, Joop oder Chanel. Ist das nicht ein großes Stück Barmherzigkeit und Trost, dass wir unsere Kleidung haben? Je mehr ein Mensch mit sich selbst im Reinen ist, desto unaufgeregter und spielerischer kann er mit der Kleidung umgehen.“ Ein geniales Beispiel sah Heidrun Kuhlmann in Albert Einstein.

Doch „guter Stil ist auch eine Form von Nächstenliebe“ fügte sie eine allzu gleichgültige Lässigkeit etwas korrigierend hinzu. „Mit einem grämeligen Gesicht nützt dir auch das schönste Kostüm nichts“, Heidrun Kuhlmann verstand es, mit zahllosen Zitaten, mitten aus dem Leben gegriffen, ihr Thema an die Frau zu bringen. „Du liebe Zeit, was die früher mit Größe 38 ausgezeichnet haben, das nennen die jetzt 44“, solche leichtfüßigen Zitate, aber auch tiefgründige Reflexionen über die Außen- und die Innenseite eines Menschen, beinhaltete der Vortrag. Erfrischend und philosophisch, heiter und tiefgründig, es war ein Vortrag von einer lebensklugen sowie rhetorisch überaus begabten Frau, der weitaus mehr enthielt, als Kleidersorgen vor einem überfüllten Schrank im Schlafzimmer.


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