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Zuwachs aus Engter kommt Die Bramscher Hauptschule wird voll

Von Hildegard Wekenborg-Placke | 26.06.2013, 05:00 Uhr

Ab dem neuen Schuljahr gibt es in Bramsche nur noch einen Hauptschulstandort. Die Hauptschule Engter ist Geschichte. Aus allen Ortsteilen geht es jetzt in die Innenstadt an die Heinrichstraße, und Schulleiter Wilhelm Lampe ist sich schon sicher: „Die Schule hier wird voll.“

Wenn der Unterricht am 7. August wieder beginnt, werden rund 350 Jungen und Mädchen auf Lampes Listen stehen. „So ganz genau steht das noch nicht fest“, sagt der Rektor. Wenige Tage vor Schuljahresende ist im Sekretariat an der Heinrichstraße viel los. Nach den Zeugniskonferenzen beispielsweise an der Realschule steht fest, wer von der Realschule noch an die Heinrichstraße wechselt. „Rückläufer“ heißt das im Fachjargon.

Der Großteil der „Neuen“ kommt aber diesmal nicht von anderen Schulen, sondern aus Engter. Am 7. März hatte der Rat der Stadt nach kontroverser Diskussion in allen Gremien und heftigen Elternprotesten die „Einschränkung der Grund- und Hauptschule Engter auf den Grundschulzweig“ beschlossen. Mit dem Ja zu dieser trockenen Formulierung gaben die Kommunalpolitiker zudem grünes Licht für die Einrichtung eines zweigruppigen Kindergartens in den frei werdenden Räumen.

Mit 56 Schülern, die Entlassschüler einmal abgezogen, wechseln die Engteraner „praktisch komplett“ nach Bramsche, sagt Lampe. Die Ankündigung von Eltern, ihre Kinder in großer Zahl auf andere Schulen zu schicken, bewahrheitete sich offenbar nicht. Allerdings ist das auch nicht ganz so einfach, da das Einzugsgebiet der Hauptschule Innenstadt ebenfalls vom Rat auf ganz Bramsche ausgeweitet wurde.

In den vergangenen Wochen haben die Schüler aus Engter schon einen Vormittag in ihrer neuen Umgebung verbracht. „Unsere Zehntklässler haben ihnen die Schule gezeigt. Das hat, glaube ich, schon eine Menge Ängste genommen“, sagt Lampe. Darüber hinaus werden in zwei Jahrgängen komplette Verbände aus Engter in eine Klasse übernommen.

Nach den bisherigen Anmeldezahlen wird die Hauptschule im kommenden Schuljahr in Jahrgang fünf dreizügig sein, in Jahrgang sechs zwei-, in den Jahrgängen sieben und acht drei- und in Jahrgang neun sogar möglicherweise vierzügig sein. Für die freiwillige 10. Klasse rechnet Lampe mit zwei Parallelklassen.

Die von manchen Eltern befürchteten großen Klassen – der Teiler liegt an Hauptschulen bei 27 – wird es zumindest bei den Fünftklässlern nicht geben. Das liegt aber nicht an zu wenigen Anmeldungen, sondern an einer weiteren Premiere für die Hauptschule. Nach dem 1. August werden im Zuge der Inklusion auch neun Schüler mit festgestelltem Förderbedarf in den Bereichen Lernen, geistige oder soziale und emotionale Entwicklung aufgenommen. „Die zählen doppelt“, erläutert Lampe. „In diesen Klassen werden wir von Kollegen der Wilhelm-Busch-Schule unterstützt“, freut sich Lampe über die zusätzlichen Lehrerstunden.

Logistisches Geschick ist zum Schuljahreswechsel aber nicht nur in der Organisation dieser Fördermaßnahmen gefragt, sondern auch bei der Unterbringung von Schulsozialarbeit oder dem Projekt „Tandem“, das in Zusammenarbeit mit der „Brücke“ Schüler wieder auf die Spur bringt, die im Unterricht häufig durch Abwesenheit glänzen. „Hier müssen wir noch Räume suchen“, räumt Lampe ein, fügt aber hinzu: „Einen zweiten Standort machen wir nicht auf.“ Die Stadt als Träger der Hauptschule habe hier bereits Unterstützung signalisiert.

Mit den Schülern und einigen Lehrern kommt auch die Engteraner Schulsozialarbeiterin Silke Tennigkeit an die Heinrichstraße. Zusammen mit ihrem Bramscher Kollegen Wilfried Gerke wird sie sich darum bemühen, den jungen Leuten den Übergang so leicht wie möglich zu machen – und sich auch im Bereich Berufsorientierung engagieren.