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Zehn Jahre nach der Schließung Märchen und Mythen über Bramsches letzte Disko

Von Björn Dieckmann | 19.12.2016, 18:54 Uhr

Vor etwas mehr als zehn Jahren hat mit dem „Merlin“ Bramsches letzte Disko am Wiederhall für immer geschlossen. Um die Umstände ranken sich noch heute einige Märchen und Mythen.

Wiederhall, Datscha, Musikladen, Joypark, Merlin – unter diesen Namen lockte die Diskothek an der Jahnstraße im Laufe der Jahrzehnte tausende junge Bramscher an. 2006 schloss sie für immer. Es war, abgesehen von Musik-Kneipen wie „Tiffany“ oder dem nunmehr ebenfalls geschlossenen „Contrast33“ , die letzte Disko in der Tuchmacherstadt. Noch heute verbinden viele Bramsche Erinnerungen mit dem einstigen Treffpunkt. Warum die Disko geschlossen und das Gebäude abgerissen wurde, darum ranken sich allerdings auch einige Mythen und Märchen.

Gebäude unter Denkmalschutz?

Erst vor wenigen Tagen warf ein Kommentator in einer Bramscher Facebook-Gruppe die Frage auf: Welche Rolle spielt eigentlich der Denkmalschutz in der Stadt Bramsche? In einer Diskussion, in der es eigentlich um den Abriss der ehemaligen Drogerie Müller an der Großen Straße ging, meinte er, das Disko-Gebäude habe damals unter Denkmalschutz gestanden. Dem Betreiber sei deshalb ein Abriss und Neubau verwehrt worden. Erst als die Stadt das Haus übernahm, sei der Abbruch plötzlich möglich gewesen.

Doch trifft das zu? Nein, hält dem der Leitende Baudirektor der Stadt Bramsche, Hartmut Greife, entschieden entgegen. Es habe sich nicht um ein Baudenkmal gehandelt, sondern im Gegenteil um „eine völlig heruntergewirtschaftete Schrottimmobilie, die sicherlich in früheren Jahren eine hohe Bedeutung für Jugendliche hatte“. Allerdings sei die Immobilie, so Greife weiter, „immer nur genutzt worden, unterhalten wurde sie nie und das Gebäude war aus Sicht des Brandschutzes in höchstem Maß gefährlich“. Das alles sei damals auch durch ein Wertgutachten belegt worden.

Zwangsversteigerung stand an

Falsch ist auch die Vorstellung, die Stadt Bramsche habe durch den Ankauf des Gebäudes die Schließung der Disko veranlasst. Vielmehr wurde damals erst das „Merlin“ geschlossen und anschließend durch den damaligen Verwalter, eine Bank, zur Zwangsversteigerung gestellt. Ein Termin war bereits für den 24. Mai 2006 angesetzt. Erst kurz davor wurden die Stadt und die Bank über den Ankauf des Grundstücks handelseinig, 2007 wurde die Disko abgerissen.

Aber warum eigentlich? „ Eine Diskothek in einem Wohngebiet ist immer ein Störfaktor “, erklärte dazu die damalige Bürgermeisterin Liesel Höltermann. Über Jahre hinweg hatte es Beschwerden aus der direkten, aber auch der etwas weiter entfernten Nachbarschaft der Disko gegeben. Zudem gab es zum damaligen Zeitpunkt die - letztlich aber nicht realisierte - Idee, den städtischen Sportplatz vom Wiederhall an den Stapelberger Weg zu verlegen und dadurch an der Jahnstraße ein Baugebiet ausweisen zu können, in das das Disko-Grundstück einbezogen worden wäre

„Die Stadt hat sich nie bemüht, eine neue Disko anzusiedeln“. Auch dieser Satz ist häufig zu hören - aber so auch nicht zutreffend. Die politischen Gremien diskutierten durchaus, Flächen für eine Diskothek auszweisen. Dafür kamen, eben um die Nähe zu Wohnbebauung zu vermeiden, Gewerbe- und Industriegebiete in Betracht. Ins Auge gefasst wurde deshalb damals ein von der Stadt Bramsche und der Gemeinde Wallenhorst gemeinsam geplantes interkommunales Gewerbegebiet, das auch einer Disko einen größeren Einzugsbereich beschert hätte. Dieses kam allerdings wegen Bedenken aus Wallenhorst nicht zustande.

Kein Investor in Sicht

Das viel größere Problem aber: Es gab und gibt überhaupt keine Interessenten, in Bramsche eine Diskothek zu führen. Schon für das „Merlin“ fand sich kein Nachfolger. Nach dessen Schließung und Abriss hörte sich das Stadtmarketing um, ob sich aus der Branche jemand vorstellen könne, eine Disko an einem neuen Standort in der Tuchmacherstadt anzubieten. Das Ergebnis laut dem damaligen und auch jetzt noch amtierenden Geschäftsführer Wolfgang Kirchner: „Ziemlich eindeutig und ziemlich negativ“.

Und so ist es bis heute: Es gibt weit und breit keinen Investor, der Bau und Betrieb einer Diskothek in Bramsche als wirtschaftlich reizvoll erachten würde. Es bleibt den Bramschern nur die Erinnerung an längst vergangene Zeiten – im Wiederhall, im Datscha, Musikladen, Joypark und Merlin.