Ein Artikel der Redaktion

Wegen Abgas-Skandal Ueffelner Ernst Bartsch verärgert über VW

08.12.2015, 18:06 Uhr

Ein langjähriger VW-Fan und treuer Kunde – das war einmal. Der Ueffelner Ernst Bartsch ist mehr als verärgert. Grund ist der VW-Abgas-Skandal, von dem auch er mit seinem Golf VI betroffen ist. Auf Meldungen seitens Europas größtem Automobilhersteller wartet er dennoch vergeblich.

„Es ist nichts anderes als eine Salami-Taktik, was die Führungsebene von VW momentan betreibt.“ Ernst Bartsch ist in seinem Element, wenn er über den VW-Abgas-Skandal spricht. „Salami-Taktik“ nennt er das, was die Volkswagen AG als „rückhaltlose Aufklärung“ angekündigt hatte. „Es wird nur das zugegeben, was bereits bekannt ist und nicht mehr verleugnet werden kann. Aber keine weitere Scheibe.“

Begeisterter VW-Fan

Dass Ernst Barsch einmal so sehr über VW schimpfen, hätte er im Januar des Jahres 2010 noch nicht gedacht. Der Rentner aus dem Bramscher Ortsteil Ueffeln ist bekennender Fan des Wolfsburger Autobauers und fährt schon seit eh und je einen VW, sei es einen Golf, einen Jetta oder ganz zu Beginn einen Käfer. Und so kaufte er auch zu besagtem Zeitpunkt wie selbstverständlich einen Pkw von Europas größtem Automobilhersteller, diesmal einen Golf (Baujahr 2009) der sechsten Generation mit einem Zwei-Liter-Dieselmotor. „Es war das erste Mal, dass ich mir ein Dieselfahrzeug zugelegt habe. Vorher war ich nie so wirklich überzeugt, doch die Diesel-Motoren sind sauberer geworden und lockten mit einem sparsamen Verbrauch“, sagte Bartsch.

Und auch mit dem Golf VI war er mehr als zufrieden – bis zum 18. September dieses Jahres, als die amerikanische Umweltbehörde EPA während der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) die Manipulation von Abgaswerten öffentlich machte . Der Skandal weitete sich zunehmend aus, aber auf Mitteilungen seitens VW, ob auch sein Auto betroffen sei, wartete er vergeblich. Bartsch recherchierte daher selbst und kam zu dem Schluss, dass sein Auto mit der „Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent“ ebenfalls manipuliert wurde. „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir den Golf nie zugelegt, da ich mit dem sparsamen Verbrauch auch der Umwelt etwas Gutes tun wollte.“

Deutschland eine Servicewüste?

Neben der Vortäuschung falscher Tatsachen stört ihn noch viel mehr der anschließende Umgang mit Kunden und die Darstellungsweise der Führungsebene, von dem Ganzen nichts gewusst zu haben. „So ahnungslos kann man nicht sein, wie die sich geben“, ist sich Bartsch sicher. „Und wenn sie wirklich nichts davon wussten, was ich nicht glaube, wirft das ein noch viel schlechteres Licht auf die VW-Führung.“

Dass eine tatsächliche Aufklärung im Sinne des Kunden möglich ist, beweist für ihn die USA. „ Hier musste der VW-Chef der USA (Michael Horn, Anmerkung der Redaktion) sogar vor dem Kongress aussagen . In Deutschland wartet man auf so etwas vergeblich. Wahrscheinlich weil der VW-Konzern zu wichtig für die Bundesrepublik ist“, mutmaßt Bartsch. Auch dass in den USA Sammelklagen möglich sind, in Deutschland jedoch nicht, verärgert ihn. „Vielleicht gibt es ja wirklich eine Servicewüste in Deutschland.“

Eines steht jedoch für ihn fest. „Eine lückenlose Aufklärung im Sinne der Kunden könnte viel eher das verloren gegangene Vertrauen zurückgewinnen.“ Und so kommt es auch nicht von ungefähr, dass der jahrzehntelange VW-Fan schon jetzt überlegt, beim nächsten Autokauf ein Fahrzeug einer anderen Marke zu erwerben.