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Über Versagen und Vergebung Musical „Joseph und seine Brüder“ in Bramsche

Von Holger Schulze, Holger Schulze | 13.06.2016, 14:57 Uhr

Das vom Kinderchor St. Martin einstudierte Musical „Joseph und seine Brüder“ von Gerd-Peter Münden und Texten von Brigitte Antes feierte am Sonntagnachmittag Premiere. Eine weitere Vorstellung ist für Freitag, 17 Juni, ab 18 Uhr, wieder in St. Martin angesetzt.

Neben der Titelfigur, dargestellt in dieser Besetzung von Jakob Gronemann, und seinen 11 Brüdern erforderte das Drehbuch noch eine stattliche Reihe an Sklavenhändlern, Soldaten, Beratern des Pharaos sowie das dazugehörende Dienstpersonal. Kein Problem für den Kinderchor, in dem zahlreiche Kinder schon seit Jahren mitsingen.

Für die Livemusik in der Kirche zeichneten Susanne Korf (Flöte), Ellen Eilermann (Geige), Jan Kampmeier (Klarinette), Johanna Gronemann (Cello) und Peter Gronemann am Klavier verantwortlich. Die Leitung sowie die Regie lag wie stets bei derartigen Aufführungen in den Händen von Kirchenkreiskantorin Eva Gronemann.

Kein leichter Weg

Mit der Prophezeiung an Joseph, dass sein Weg nicht immer leicht sein werde, führte der Kinderchor in die Geschichte ein. Eine dreitägige Suche nach der in der Wüste verloren gegangenen Herde hatte Joseph bereits hinter sich, als er sich hiervon erschöpft zum Schlafen hinlegte. Dabei träumte er von Getreide, das er und seine Brüder gesät hatten. Als Joseph seinen Brüdern wahrheitsgemäß berichtete, dass in seinem Traum die von ihm gesäten Garben die besseren waren, wurde die Brüderschar neidisch und stieß ihn in ein ausgetrocknetes Wasserloch. Ferner fassten die Brüder den Entschluss, Joseph an eine vorbeiziehende Sklavenhändlerkarawane zu verkaufen.

Im Gefängnis des Pharao

Szenenwechsel in das Gefängnis der Pharaos. Zu Melodiephrasen des bekannten Gefangenenchores aus Nabucco beklagten die Inhaftierten dort ihr ungerechtes wie verzweifeltes Schicksal. Joseph war hier auch gelandet, hatte jedoch aufgrund seiner Fähigkeit Träume zu deuten eine privilegierte Stellung als Aufseher erhalten. Von seinen Mitgefangenen um Rat gebeten, verhieß er einem Mitgefangenen die Freiheit beim Fest des Pharaos in drei Tagen. Die Deutung des nächsten Traumes stellte dem Träumer allerdings ein nahes Todesurteil in Aussicht. In beiden Fällen sollte Joseph Recht behalten.

Sieben gute und sieben schleche Jahre

Auch der Pharao höchstpersönlich träumte jede Nacht den selben Traum. Herbeigerufen erkannte Joseph in dem Traum die sieben guten wie die sieben schlechten Jahre die die Zukunft bringen würde. Die Unausweichlichkeit der sieben Hungerjahre könne zwar nicht vermieden, jedoch durch eine entsprechende Bevorratung gemildert werden, schlug Joseph zusätzlich vor. Beeindruckt von Josephs Fähigkeiten machte der Pharao ihn zu seinem Premierminister und gab ihm die schönste Frau von Ägypten zur Frau.

Mit bedachter Hand verwaltete Joseph in den Jahren der Trockenheit die Getreidevorräte. Bis eines Tages seine Geschwister bei ihm um Getreide baten. Umgestimmt von seiner klugen Frau vergab Joseph seinen Geschwistern, versorgte sie großzügig mit Getreide, stellte sie aber auf eine Probe. Als diese wider Erwarten von seinen Geschwistern bestanden wird, gibt sich Joseph ihnen zu erkennen. Gleichzeitig erkennt er die Sinnhaftigkeit seiner ganzen Lebensgeschichte, die ihm zum Werkzeug Gottes gemacht und Ägypten hatte retten lassen.

„Selig sind die Friedfertigen“

„Selig sind die Friedfertigen“, mit diesem weisen Gesang endete ein Musical über Versagen und Vergebung, über Standhaftigkeit in der Redlichkeit, über den Glauben an die Sinnhaftigkeit des eigenen Lebensweges sowie über Selbsterkenntnis und Solidarität.

Der Kinderchor hatte mit diesem Musical ein Werk in den Altarraum der St. Martin-Kirche gebracht, das farbenfrohe Kulissen, mutige Solisten, mal eingängige, mal anspruchsvoller zu intonierende Melodien mit der Freude von Kindern am Gesang und Schauspiel zu einem Gesamtauftritt verband, der wichtige Lebenserkenntnisse in eher heiterer, denn bedeutungsschwangerer Form transportierte.

Der Schlussbeifall des Publikums war redlich verdienter Lohn für die gesamte Gemeinschaft der Musikanten und Mithelfenden, der es zweifellos gelungen war, Glaubensinhalte und Kunst in unterhaltsamer Form aufzuführen.