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Ann-Katrin Remmele im Interview Turn-Nachwuchs des TuS Engter hat stark mit Corona-Hürden zu kämpfen

Von Sascha Knapek | 26.12.2021, 16:29 Uhr

Seit rund 20 Monaten haben Sportler und Vereine coronabedingt mit Einschränkungen im Wettkampf und Trainingsbetrieb zu kämpfen. Mit Turntrainerin Ann-Katrin Remmele haben wir über die Folgen beim TuS Engter gesprochen.

Frau Remmele , mittlerweile haben Sportvereine und Abteilungen seit fast zwei Jahren mit Corona-Einschränkungen zu kämpfen. Wie gehen die Turnerinnen des TuS Engter damit um, ist es schon zur Routine geworden?

Für die Turnerinnen sind die Einschränkungen sehr schwierig, da wir an unseren Geräten nur in der Turnhalle trainieren können und generell schon immer sehr viel Zeit brauchen, um komplexe Übungen zu erlernen. Durch die Einschränkungen haben wir unser Training während der Lockdowns auf ein Onlinetraining umgestellt , in dem wir vor allem Kraftübungen machen. Als wir draußen trainieren durften, sind wir auf den Sportplatz gegangen und haben dort Lauf- und Krafttraining gemacht. Auch als wir dann wieder in die Halle durften existierten noch Einschränkungen, die uns beim Thema Hilfestellung und Abstand betrafen. In diesem Fall mussten die Turnerinnen die Teile dann alleine wieder erlernen, ohne Sicherheitsstellung.

Allgemein kann man sagen, dass wir es immer versucht haben, uns so gut wie möglich an die Vorschriften der Regierung anzupassen, was sowohl für die Turnerinnen als auch für die Trainerinnen nicht einfach war.

In vielen Sportarten fehlen große Teile von eineinhalb Nachwuchsjahrgängen. Wie sieht das bei Ihnen aus, gerade das Turnen ist ja eine Sportart, in der man sehr früh beginnt?

Bei uns sieht es im Nachwuchsbereich leider auch nicht besonders rosig aus. Die Kinder fangen normalerweise mit fünf Jahren bei uns an, um dann mit sieben im Leistungsbereich (AK-Programm) mithalten zu können. Durch die lange Pause hatten wir keine Chance auch die jüngeren Turnerinnen, die beispielsweise eine AK7 im höchsten Leistungsprogramm geturnt haben auf eine AK8 oder AK9 vorzubereiten. Diese Leistungssparte ist uns somit komplett abhandengekommen und wir sind auf leichtere Übungen ausgewichen.

Bei den neuen Turnerinnen aus unserer Nachwuchsgruppe haben wir nun eine sehr große Spanne an Altersklassen. Das heißt von fünf bis neun Jahren turnen die Kinder zusammen, da sie alle noch einen Handstand lernen müssen. Dort arbeiten wir also jahrgangübergreifend mit einer größeren Spanne als vor Corona und es ist für einige Jahrgänge nicht mehr möglich, in der Jugend den höchsten Leistungsbereich zu erreichen.

Wie sieht es allgemein bei den Mitgliedern der Abteilung aus, gibt es Verluste, Zuwächse oder Stagnation?

Die Mitgliederanzahl hat sich nicht enorm geändert. Natürlich haben einzelne Turnerinnen aufgehört, aber durch das Onlinetraining konnten wir immerhin eine Perspektive anbieten, um im Kontakt zu bleiben.

Wie sieht das Training aktuell aus und wie ist die Beteiligung der Turnerinnen?

Jetzt, gegen Ende des Jahres, durften wir noch relativ normal in der Turnhalle weiter trainieren, mussten aber natürlich alle gerade gültigen G-Regeln einhalten und kontrollieren. Dies gestaltete sich mit den jüngeren Turnerinnen am einfachsten, da diese in der Schule getestet wurden. Gerade bei den Jüngeren war auch die Teilnahmequote am höchsten. Bei den älteren, mitunter über 18-jährigen Turnerinnen, war dies natürlich komplizierter und einige überlegten sich zweimal, ob sie sich noch extra testen lassen wollen. Und auch, ob sie das Risiko, sich mit so vielen verschiedenen Menschen zu treffen, gerade kurz vor Weihnachten, überhaupt eingehen wollen. Dazu kam, dass die Älteren schon seit einem Jahr ohne Trainerinnen (beide in Elternzeit) trainieren und es schwierig war, vor allem nach dem Landesliga Wettkampf im Spätherbst, die Motivation hochzuhalten. In den letzten beiden Wochen vor Weihnachten haben wir dann entschieden, uns den anderen Abteilungen des TuS Engter anzuschließen und aufgrund der hohen Covid-Zahlen schon früher in die Weihnachtsferien zu starten.

Wie Sie gerade sagten, haben einige Ihrer Teams kürzlich in der Landesliga geturnt.Wie ist die Stimmung in den Mannschaften mit Blick auf neuerliche Corona-Einschränkungen und eventuelle Wettkampfabsagen?

Für 2022 gibt es bisher noch keine Wettkampfabsagen, aber gleichzeitig stehen auch noch nicht alle Termine fürs kommende Jahr fest. Wir hoffen einfach, dass wir nach den Weihnachtsferien wieder in der Turnhalle trainieren dürfen. Alle anderen Ausweichmöglichkeiten wie zum Beispiel das Onlinetraining würden schwierig und höchstwahrscheinlich nicht mehr von allen angenommen werden. Selbst wir Trainerinnen haben dazu, ehrlich gesagt, keine Lust mehr.

Lassen wir Corona kurz beiseite und denken an ein möglichst normales Turn-Jahr 2022. Was erhoffen Sie sich aus sportlicher Sicht von ihren Schützlingen?

Wow, ein normales Turn-Jahr, was für eine schöne Vorstellung. Ich würde mir wünschen, dass alle Veranstaltungen, darunter auch Turnfeste, wieder stattfinden dürfen. Ich würde es den Turnerinnen gerne wieder ermöglichen, gemeinsame Wettkämpfe und Veranstaltungen besuchen zu dürfen. Und zwar nicht nur welche, in denen die turnerischen Leistungen im Mittelpunkt stehen, denn auch das Gemeinschaftsgefühl hat unter Corona gelitten.

Ansonsten wünsche ich jeder Turnerin einen guten Einstieg in ihre Wettkampfklasse und gerade den neuen Turnerinnen viel Spaß beim Sammeln von ersten Wettkampferfahrungen. Sportlich gesehen sollte jede Turnerin einfach möglichst gut das zeigen dürfen, wo sie leistungstechnisch gerade steht. Wir werden sehen, ob sich die ein oder andere dabei vielleicht selbst übertrifft.

Was sind die kommenden Saisonhöhepunkte?

Beginnend mit der Kreisliga Ende Februar, bei der es für alle darum geht Wettkampferfahrungen zu sammeln, über ein Wettkampfwochenende in Langeoog mit Übernachtung, geht es dann eventuell für einzelne Turnerinnen zu den Landesmeisterschaften.

Ein richtiger Höhepunkt wird für zwei unserer Teams der Start in der Landesliga sein. In der zweiten Jahreshälfte können dann auch die Jüngeren in der Bezirksliga ihr Können in der Mannschaft unter Beweis stellen.