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Streit nur um Dachpfannen Bramscher Baugebiet am Stapelberger Weg nimmt Hürde

Von Heiner Beinke | 10.12.2015, 14:03 Uhr

Es sind zwar alle für das neue Baugebiet am Stapelberger Weg in Hesepe, aber für ein einstimmiges Votum im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt reichte das nicht: Mit den fünf Stimmen von CDU und Grünen gegen die vier der SPD wurde die Auslegung des Bebauungsplanes beschlossen.

Die Ausschussmehrheit bestand darauf, auch glänzende Dachpfannen im Neubaugebiet zuzulassen. Mit dem Auslegungsbeschluss wird die Planung in ihrer jetzigen Form bestätigt. Sie sieht auf der städtischen Fläche zwischen der Lindenstraße und der Bahn am Bramscher Stadtrand ein Wohnbaugebiet mit 50 bis 60 Bauplätzen vor. Die zentrale Erschließung erfolgt über eine Sammelstraße, die von der Lindenstraße abzweigt. Auf dieser stark befahrenen Kreisstraße wird deshalb eine Linksabbiegerspur angelegt. Die Pläne werden öffentlich ausgelegt, damit jeder Gelegenheit hat, Bedenken und Anregungen zu dem Vorhaben zu formulieren.

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Einen „peinlichen Fehler“ räumte gleich zu Beginn der mehr als einstündigen Diskussion Baudirektor Hartmut Greife ein: Durch ein Versehen sei ein Passus mit sehr rigiden Bauvorschriften in die textlichen Festsetzungen hineingeraten. Die sollten aber ersatzlos gestrichen werden. Andreas Quebbemann (CDU) bezweifelte, dass dies ein Versehen gewesen sei. Er sprach sich grundsätzlich gegen jede Form von „Zwangsfestsetzungen“ aus, wie es sie in anderen Bramscher Baugebieten gebe. Deswegen war er auch dafür, glänzende Dachpfannen zuzulassen. Für die SPD verwies Horst Sievert darauf, dass der Ortsrat Hesepe sich gegen hochglänzende Dachpfannen ausgesprochen habe und der Rat dem Votum des Ortsrates folgen sollte. Daran habe sich auch die SPD in der Vergangenheit nicht gehalten, entgegnete Quebbemann.

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Ob das Votum des Ausschusses tatsächlich Bestand hat muss sich erst noch zeigen: Das letzte Wort in der Angelegenheit hat der Verwaltungsausschuss. Und in dem hat die SPD die Mehrheit.

Abgesehen von diesem Detail waren sich im Grundsatz alle einig: Direkt am Stadtrand von Bramsche wird ein hochattraktives Baugebiet auf Heseper Grund entstehen, für das es schon jetzt etliche Voranfragen gibt. Für die Verwaltung hatte Elisabeth Drewes die Grundzüge der Planung erläutert. Sie wies auf die besondere Bedeutung des Schallschutzes hin, ohne den „der ganze Bebauungsplan nicht realisierbar“ sei. Zur vielbefahrenen Straße und auch zur Bahn hin werden von Gabionen gekrönte Wälle aufgeschüttet. Sie sollen so bepflanzt werden, dass die Steinzäune weitgehend verdeckt werden. Auch das Baugebiet selbst werde stark durchgrünt.

Fläche für Mietwohnungen

Vorgesehen ist die Bebauung mit Einzel- und Doppelhäusern, die in Teilen des Gebietes aus Lärmschutzgründen eingeschossig bleiben müssten. In einem Teil der Fläche werde eine verdichtete Bebauung für Mietwohnungen vorgesehen. Das begrüßte Werner Hagemann vom Seniorenrat der Stadt Bramsche ausdrücklich. Damit werde eine alte Forderung nach bezahlbarem Wohnraum in Innenstadtnähe erfüllt. Wobei Elisabeth Drewes einschränkte, dass die Stadt keinen Einfluss auf die Preisgestaltung nehmen könne.

Das Baugebiet sei ein „Vorzeigeprojekt“, das der Stadt erhebliche Einnahmen bringen werde, meinte Andreas Quebbemann. Eine attraktive Innenstadtlage auf ökologisch unsensiblen Flächen, die auch noch im Eigentum der Stadt Bramsche sind: So fasste für die Grünen Dieter Sieksmeyer die Vorteile des Stapelberger Wegs zusammen. Es handele sich zweifellos um ein attraktives Baugebiet, für das aber wertvolle Ackerflächen aufgegeben werden müssten, wies Horst Sievert auf eine negative Folge hin.

Der Ausschussvorsitzende Volker Schulze (SPD) hatte daran erinnert, dass die Flächen ursprünglich für eine Erweiterung des Friedhofs angekauft worden seien. „Ich bin hier wohl der einzige, der vor 30 Jahren diese falsche Entscheidung mitgetroffen hat“, meinte er mit Blick in die Runde. Auch Dieter Sieksmeyer hatte das damalige Geschehen noch in Erinnerung: „Da gab es doch sogar schon einen Ideenwettbewerb für eine Friedhofskapelle. Vielleicht können wir die Entwürfe auch noch verkaufen“, hatte der Fraktionsvorsitzende der Grünen eine weitere Idee für eine späte Verwertung. Die ehemalige Neue Mehrheit hatte das Projekt vor zwei Jahren angeschoben.