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Achmer neuer Schwerpunkt Wie die Stadt Bramsche Wegerandstreifen aufblühen lässt

Von Heiner Beinke | 05.12.2021, 17:07 Uhr

Die Stadt Bramsche setzt weiter auf ihr Wegerandstreifenprogramm. Neuer Schwerpunkt der ökologischen Aufwertung städtischer Flächen wird Achmer sein.

Mit der Idee, Seitenräume von unbefestigten Wegen als Wegerandstreifen ökologisch aufzuwerten und damit ökologische Werteinheiten zu schaffen, hat die Stadt Bramsche schon für viel Furore gesorgt. Viele Kommunen nicht nur im Landkreis Osnabrück haben die Idee aufgegriffen , weil sie einen besonderen Charme hat: Weil die Flächen ohnehin schon im städtischen Besitz sind, können die als Ausgleich von Eingriffen in die Natur erforderlichen ökologischen Aufwertungen hier deutlich günstiger und oft auch näher zum Ort des Eingriffs geschaffen werden.

Günstige Werteinheiten

Berechnet werden diese Maßnahmen nach einem Schlüssel des Landkreises in ökologischen Werteinheiten (WE). Das Aussäen von Regionsaatgut und die extensive Pflege der Flächen führen zum Beispiel in Ueffeln, wo das Programm 2015 gestartet wurde, zum rechnerischen Preis von rund drei Euro pro Werteinheit. Für eine Werteinheit nach herkömmlicher Art durch Anpflanzungen oder Aufwertung vorhandener Biotope würden rund sechs Euro fällig, erläuterte Jan Aulfes jetzt im Bramscher Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Aulfes betreut zusammen mit Wolfgang Tangemann das Programm in der Stadtverwaltung.

Neuer Schwerpunkt der Aktivitäten ist nach Ueffeln/Balkum, Sögeln und Engter nun Achmer. Dort habe es aber laut Aulfes in diesem Jahr "Gegenwind" zum einen durch die Flurbereinigung und zum anderen durch die Corona-Pandemie gegeben: Im Rahmen der Flurbereinigung seien in Achmer zahlreiche Wege und damit auch Randstreifen verschwunden . Corona habe zudem die Informationsveranstaltungen mit Landwirten und Flächeneigentümern erschwert. Die sind erforderlich, um Verständnis und Unterstützung für das städtische Projekt zu fördern.

Datenbank

Im Jahr 2022 sollen die identifizierten Flächen in Achmer aufgewertet werden, kündigte Aulfes an. Bei der Pflege der Wegerandstreifen könne auf das inzwischen aufgebaute Geoinformationssystem zurückgegriffen, dass es in Kombination mit GPS-Navigation ermögliche, die Flächen punktgenau zu bearbeiten. Die Wegerandstreifen werden zudem durch Pfähle gekennzeichnet. Begonnen haben jetzt außerdem die Vorarbeiten zur Identifizierung geeigneter Flächen in Hesepe. Dort gebe es ein "sehr hohes Potenzial", betonte Aulfes.

Das Wegerandstreifenprogramm sei ein "Vorzeigeprojekt", das es ermögliche, Eingriffe in die Natur gleich vor Ort zu schaffen, lobte Ausschussmitglied Anette Marewitz (SPD). Auf ihre Frage nach dem Verhältnis zu den Landwirten betonte Aulfes, Probleme gebe es "nur in Ausnahmefällen" . Wolfgang Tangemann ergänzte, die Stadt habe "in einem einzigen Fall" seit Programmbeginn im Jahr 2015 ein Gericht bemühen müssen.

Netzwerk

Das Programm sei "ein voller Erfolg", meinte auch Andreas Quebbemann (CDU). Es sei auch im Interesse der Landwirte, weil durch die Aufwertung ansonsten ungenutzter Streifen auch der "Flächendruck reduziert" werde. Den ökologischen Erfolg belegte Jan Aulfes mit Bildern seltener Pflanzen und Tiere, die durch die Wegerandstreifen wieder häufiger anzutreffen seien. Die zwischen zwei und fünf Meter breiten Wegränder bilden zusammen ein Netzwerk von naturnahen Flächen mit einer Gesamtgröße von mehr als zwölf Hektar, betonte Aulfes. Beim Großteil der Aussaat handele es sich um kräuterreiche Saatgutmischungen aus heimischen Pflanzenarten. Wichtig sei es, die die mit Nährstoffen überversorgten Ackerränder auszumagern.