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Serie „Kultur vor Ort“ Individuelle Förderung in Bramscher Kunstwerkstatt

Von Judith Perez | 29.11.2017, 18:07 Uhr

Die Kunstwerkstatt der Heilpädagogischen Hilfe (HpH) Bersenbrück gibt es seit August 2016 im Bramscher Bahnhof. An zehn festen Arbeitsplätzen können hier Menschen mit oder ohne Beeinträchtigung künstlerisch tätig werden.

Marion Tischler ist selbst Künstlerin. Sie leitet gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Anette Röhr die Kunstwerkstatt im Bramscher Bahnhof für Menschen mit einem Handicap. „Als ich hier angefangen habe“, so Tischler, „habe ich gar nicht in die Akte jedes einzelnen geguckt. Mir geht es hier im Wesentlichen um die künstlerische Unterstützung und Weiterentwicklung der Beschäftigten“, erklärt sie ihre Arbeit.

Einige der Künstler kommen jeden Tag in die Werkstatt. Arne zum Beispiel. Er kam bereits in die Werkstatt, als die Räumlichkeiten noch in Bersenbrück waren. Zurzeit arbeitet er gemeinsam mit Künstlerkollegin Margret an Kunstobjekten aus Recyclingmaterial. Inspiriert dazu hatte die beiden eine Kunstmesse in Hannover. Sie arbeiten mit Wolle, Draht und leeren Joghurtbechern. Margret häkelt und verziert fantasievolle Gestalten aus Wolle, Pailletten und anderen Materialien. Am Sonntag, 3. Dezember 2017, findet ein großer Adventsbasar der HpH in Bersenbrück statt. Dort werden die Kunstobjekte verkauft, so Tischler.

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Alien im Weihnachtsbaum

Einen Raum weiter ist es auffallend ruhig. „Hier sitzen die Künstler, die Ruhe zum Schaffen ihrer Werke benötigen“, erklärt Tischler. Achim Morina ist einer der drei Künstler. Zusätzlich hat er Kopfhörer und hört Musik oder wissenschaftliche Sendungen. Der Bramscher kommt ebenfalls jeden Tag in die Werkstatt. An der Wand neben ihm hängen einige seiner Werke. Ein Weihnachtsbaum mit einem Alien im Innern soll eine andere Geschichte von Jesus verdeutlichen, erklärt der 35-jährige, der regelmäßig an Kunstwettbewerben teilnimmt und auch schon in den Niels-Stensen-Kliniken ausgestellt hat.

Vernetzung mit anderen Künstlern

Nach dem Adventsbasar steht ein weiteres Projekt an. Gemeinsam mit Künstler Christof Seidel, der das Programm der Osnabrücker Stadtgalerie betreut, ist eine Ausstellung im Tuchmacher-Museum geplant. Das Konzept der Kunstwerkstatt der HpH sieht genau diese Öffnung zur (Bramscher) Bevölkerung oder Inklusion der Kunstschaffenden vor. Im Sommer gab es eine gemeinsame Ausstellung mit dem Bramscher Kunstverein zum „HeimArt“-Projekt. Auch eine Zusammenarbeit mit der Osnabrücker Universität hat stattgefunden. Im Kulturcafé, das in unregelmäßigen Abständen im Bramscher Bahnhof stattfindet, geht es genau darum: Unterschiedliche kulturell tätige Gruppen lernen sich kennen und vernetzen sich. Das nächste Kulturcafé findet am 14. Dezember 2017 um 15.30 Uhr statt.

Finanzierung noch ungewiss

Marion Tischler hat nur einen Wunsch für die Zukunft: „Dass es hier weitergeht“. Die Finanzierung der Kunstwerkstatt wurde bisher mit Mitteln aus der Aktion Mensch finanziert. „Ich finde es toll hier“, findet Arne schlicht und ergreifend. Er muss es wissen. Seit fünf Jahren dabei, geht er jeden Tag in seine Werkstatt. Bleibt zu hoffen, dass auch nach Ende 2018, wenn die Finanzierung ausläuft, Mittel und Wege gefunden werden, die Kunstwerkstatt weiterzuführen.