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Rückkehr in das Berufsleben Ausbildung in Teilzeit für junge Mütter aus Bramsche

Von Marcus Alwes | 05.09.2015, 09:50 Uhr

Ina Kaps und Christine Peters kennen sich nicht persönlich. Aber beide Frauen haben etwas gemeinsam. Sie sind seit mehreren Jahren Mutter, haben jeweils zwei Kinder und sind inzwischen beide alleinerziehend. Aktuell versuchen sie, wieder in der Berufswelt Fuß zu fassen. Mittels einer in unserer Region eher noch wenig bekannten Teilzeitausbildung.

Die eine – die Bramscherin Ina Kaps (28) – lernt seit wenigen Wochen in der Wallenhorster Arztpraxis von Florian Balkau den Beruf der Medizinischen Fachangestellten. Die andere – die Neuenkirchenerin Christine Peters (33) – wird bereits seit Mitte des Jahres 2014 in Bramsche zur Verwaltungsfachangestellten ausgebildet.

25 Stunden pro Woche

„Ich hatte zuvor 30, 40 Bewerbungen abgeschickt. Vergeblich“, erinnert sich Peters. Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern (sieben und neun Jahre alt)– sowie mit allen logischen Konsequenzen – wollte offenbar kein Unternehmen einstellen. Dabei konnte Peters bereits eine abgeschlossene Ausbildung zur Bürokauffrau vorweisen.

Erst mit einer Bewerbung für eine andere, weitere Ausbildung klappte es. Im Rathaus in Bramsche. „Zunächst ganz vorsichtig“ und „nicht mit dem allergrößten Selbstvertrauen“ habe sie schließlich beim Bewerbungsgespräch vorgefühlt, ob auch eine sogenannte Ausbildung in Teilzeit (nach §8 im Berufsbildungsgesetz) möglich sei. Die Resonanz auf der anderen Seite des Tisches war dann jedoch überaus positiv. Und Peters freut sich heute über ein eigenes Einkommen und eine Rückkehr in die Berufswelt mit 25 Ausbildungsstunden pro Woche.

„Es ist kein Spaziergang“

Ina Kaps („Ich bin beruflich eine Spätstarterin“) hingegen wurde von den Mitarbeitern der Maßarbeit des Landkreises Osnabrück und den Beratern des Bildungswerkes der Niedersächsischen Wirtschaft in Bersenbrück und Bramsche auf die Chance einer Teilzeitausbildung hingewiesen. Eine Wochenarbeitszeit von 25 Stunden macht es ihr dabei möglich, sich auch ausreichend um ihre Töchter (fünf bzw. sechs Jahre alt) zu kümmern. Vor allem auch, weil für die Ältere von beiden in diesen Tagen in Achmer der Ernst des Schullebens beginnt.

Auch Kaps setzte sich – genau wie Peters – in den Vorstellungsgesprächen jeweils gegen eine Reihe von Mitbewerbern durch. Und auch sie freut sich nun über einen ersten Schritt in Richtung einer finanziellen Unabhängigkeit. „Aber es ist klar, dass es für mich kein Spaziergang wird“, sagt Kaps mit Blick auf die zeitgleich anstehenden Erziehungsaufgaben und die dreijährige Ausbildung inklusive der Berufsschulbesuche.

Für Männer und Frauen

Florian Balkau als Mediziner und Chef glaubt unterdessen, dass seine neue Auszubildende („Sie ist sehr offensiv mit ihrem Wunsch umgegangen und hat Eindruck hinterlassen“) diesen Spagat durchaus schaffen kann. „Ich hatte das Gefühl, sie passt in unser Personalpuzzle“, betont Balkau. Und ganz generell erwartet der Arzt aus Wallenhorst, „dass wir uns als Arbeitgeber zukünftig mehr mit dem Gedanken an Teilzeitausbildungen anfreunden müssen.“

Eine Aussage, die Tanja Repkewitz von der Maßarbeit des Landkreises übrigens gerne hört. „Denn leider wissen noch zu viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer gar nicht, dass es für junge Männer und Frauen das Angebot einer Teilzeitausbildung gibt. Da ist noch viel Image- und Aufklärungsarbeit nötig.“