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„Ort des Verweilens“ Bramscher Friedhof: Urnengräber in einem Wäldchen

Von Hildegard Wekenborg-Placke | 10.10.2016, 09:12 Uhr

Auf dem Friedhof an der Osnabrücker Straße ist ein kleines „Friedwäldchen“ angelegt worden. Die evangelische Kirche will damit dem Trend zum „pflegefreien Grab“ entgegenkommen.

„Die Menschen werden immer älter. Viele Angehörige wohnen nicht in der Nähe, oder haben selbst schon ein Alter erreicht, in denen ihnen die Grabpflege zunehmend schwerfällt“, erläutert der neue Friedhofsverwalter Eberhard Tusche . „Das ist nicht mangelndes Interesse, sondern einfach mangelndes Können. Wenn jemand um die 60 Jahre ist, wenn er seinen letzten Elternteil beerdigt, kann er fast 90 Jahre sein, wenn die Liegezeit ausläuft“, erklärt Tusche den aktuellen Wandel in der Bestattungskultur.

Nähe zu den Verstorbenen

Trotz dieses Trends wünschten sich die Angehörigen dennoch einen „Ort zum Verweilen“, meint auch Pastorin Stephanie Seger von der St. Martingemeinde. „Die Menschen finden Naturorte wie Bäume für eine Bestattung gut. Aber viele verspüren andererseits auch ein Bedürfnis nach Nähe zu dem Verstorbenen. Außerdem soll das Grab auch erreichbar sein, wenn die Hinterbliebenen selbst älter und weniger mobil werden“. Tusche spricht von Plätzen „des Verweilens und Zur-Ruhe-Kommens“.

An der Osnabrücker Straße will man diesem Wunsch auf vielfältige Weise nachkommen. So wurde in der Nähe der Kapelle ein Urnenfeld mit Stelen der Mosaikkünstlerin Anette Liedke eingerichtet. Hier ebenso wie in dem neu angelegten Wäldchen werden die Namen der Verstorbenen auf Glasplatten dauerhaft eingraviert.

 Heimische Bäume und Pflanzen

Die Pläne für die alternativen Bestattungsorte an der Osnabrücker Straße stammen vom Landschaftsarchitekten Hyco Verhaagen. Für das Wäldchen wurden auf einem Stück an der Engter Straße heimische Bäume und Pflanzen wie Birke, Felsenbirne, Efeu, Walderdbeeren und andere Bodendecker oder Fingerhut angepflanzt, die besonders schnellwüchsig sind. Zwischen den Bäumen und Pflanzen können später die Urnen eingelassen werden. Ein angedeuteter Graben, über den eine kleine Brücke führt, durchzieht das Gelände. Bänke laden zum Verweilen und Nachdenken ein. „Wegen der visuellen Eingrenzung durch die Bäume kommt man hier trotz der Geräuschkulisse der Bundesstraße zur Ruhe“, ist sich Verhaagen sicher.