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Noch nie Urlaub gemacht Kinder aus rumänischem Waisenhaus in Malgarten

Von Ilona Ebenthal | 13.08.2015, 09:30 Uhr

Das Waisenhaus in Solca erfährt seit einigen Jahren Unterstützung durch Geld- und Sachspenden der CJC Zwei Mal sind die Aktiven bereits nach Rumänien gereist. In dieser Woche findet der erste Gegenbesuch statt.

Auf dem Hinterhof des Klosters leuchten die Flammen aus einem Feuerkorb. Kinder verschiedener Altersgruppen backen hier Stockbrot. Rundherum sitzen Erwachsene und Jugendliche auf Stühlen im Kreis. Dazwischen auch der Malgartener Pastor Anton Behrens und der Schleptruper Hantz Knieling. Der gebürtige Rumäne lebt seit 25 Jahren in Deutschland und ist als Dolmetscher sehr gefragt. Als pädagogische Mitarbeiterin betreut Gabriela Toderasch die neun rumänischen Kinder und Jugendlichen. Unterstützung bieten Cornel Bagù und Alex Maximiuc, die sich auf der über 30-stündigen Fahrt abgewechselt haben.

Lavinia ist mit fünf Jahren die jüngste unter den Reisenden, begleitet von ihrer siebenjährigen Schwester Lorena. Doch Waisenkinder sind die beiden - wie die meisten der Heimbewohner - nicht. Ihre Eltern arbeiten in Italien, weil sie in Rumänien ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können.

Der 15-jährige Ilie, der mit seiner Schwester Gabriella dabei ist, hört den Gesprächen der Erwachsenen aufmerksam zu. Für ihn ist die Fahrt eine Belohnung für gute Leistungen, denn der begeisterte Fußballer hat die Aufnahmeprüfung für das Sport-Gymnasium geschafft.

Bis auf eine kurze Ferienfahrt ans Schwarze Meer dank einer Spende haben die Kinder keinerlei Urlaubserfahrung. „Solche Erlebnisse haben sie noch nie gehabt“, sagt Cornel Bagú und meint damit das umfangreiche Programm, dass die Malgartener zusammengestellt haben. Auftakt waren der Gottesdienst am Sonntagmorgen und das anschließende gemeinsame Mittagessen im CJC-Haus, berichtet Behrens. Dabei bedankten sich die Kinder mit einem Theaterstück sowie mit rumänischen Liedern und Tänzen.

Warum nur neun Kinder des Waisenhauses dabei sind? Die Zustimmung der im Ausland lebenden Eltern ist ebenso erforderlich wie schwierig zu bekommen. Und nichts geht ohne staatliche Erlaubnis. Da in den 90er-Jahren viele Fälle von Kindesentführungen bekannt wurden, herrsche Misstrauen. So musste mit Malgarten eigens ein Partnerschaftsvertrag her, der auch Begegnungen mit gleichaltrigen deutschen Kindern vorsieht.