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Nach Verabschiedungsfeier Streit zwischen Realschul-Leiter und Stadt Bramsche

Von Hildegard Wekenborg-Placke | 20.06.2016, 21:20 Uhr

Zwischen der Stadt Bramsche und der Realschule beziehungsweise deren Schulleiter herrscht offenbar ein tiefes Zerwürfnis. Weil er Äußerungen des scheidenden Schulleiters Norbert Szczepanek in einem Schreiben an die Landesschulbehörde als „unwahr“ empfindet, sagte Bürgermeister Heiner Pahlmann die Teilnahme an Szczepaneks Verabscheidung in den Ruhestand ab.

Bürgermeister Heiner Pahlmann habe am Morgen sein Nicht-Erscheinen damit begründet, man könne nicht so tun, als ob nichts gewesen sei, zitierte der scheidende Schulleiter aus einem Telefonat mit Pahlmann. Die Stadt bezieht sich dabei offenbar auf einen Brief des Schulvorstandes der Realschule an die Landesschulbehörde. Darin wird Klage geführt über „unhaltbare Zustände“. Die Realschule habe nach dem Verkauf des Schulgebäudes an den Landkreis als Träger der IGS keinen Zugriff auf Räume und Inventar und insbesondere auf die Instrumente der Bläserklasse mehr. Szczepanek zitierte weiter aus einem Schreiben der Verwaltung, in dem es heiße: „Wir freuen uns auf die neue Schulleitung, um die Zusammenarbeit wieder aufleben zu lassen“

„Wir haben viele Fragen gestellt und keine Antworten bekommen“, kritisierte Szczepanek den Schulträger. „Schule braucht Perspektiven . Die werden uns hier aber nicht gegeben“. Offenheit und Ehrlichkeit seien ihm immer wichtig gewesen, begründete der frühere Dezernent bei der Landesschulbehörde seine unverblümte Kritik und fuhr fort: „Was ist ein Ratsbeschluss zur Erhaltung der bestehenden Schulen unter diesen Umständen noch wert?“

Pahlmann: Vorwürfe sachlich nicht zutreffend

Pahlmann und der Erste Stadtrat Ulrich Willems, der die Verträge mit dem Landkreis ausgehandelt hatte, zeigten sich inzwischen befremdet über das Vorgehen des scheidenden Schulleiters. Die Vorwürfe, die Szczepanek in seinem Schreiben an die Landesschulbehörde geäußert habe, bezeichnete Pahlmann in einer ersten Reaktion als „sachlich nicht zutreffend“. Willems nannte sie „ins Ehrverletzende gehend“. Natürlich habe der Leiter der Realschule nach wie vor Hausrecht in dem jetzt dem Landkreis gehörenden Gebäude an der Malgartener Straße, sagte Pahlmann. Auch, dass es keine Gespräche zwischen Schulträger und Schulleitung gegeben habe, treffe nicht zu. Und selbstverständlich würden alle Lehrmaterialien der Realschule nachbestellt, die im Zuge des Verkaufs an den Landkreis übergegangen seien,

Über Absage lange nachgedacht

„Ich wollte die Verabschiedung nicht mit der Thematik belasten“, erklärte Pahlmann schließlich die Absage am Montagmorgen, die auch erst erfolgt sei, nachdem der Stadt der Text des Schreibens Szczepaneks an die Landesschulbehörde vorgelegen habe. Gegen die Realschule selbst sei sein Entschluss „über den wir lange nachgedacht haben“, zu keiner Zeit gerichtet gewesen. Das werde schon daraus ersichtlich, „dass ich noch am Donnerstag bei der Entlassung der Zehntklässler die Arbeit der Schule ausdrücklich gelobt habe“, so der Bürgermeister weiter. Aber, so Pahlmann „wenn ich komme, dann aus Überzeugung.“ Die „unwahren Behauptungen“ des Schreibens habe er aber „nicht mehr ignorieren können“. Außerdem habe die Landesschulbehörde den Rechtsstandpunkt der Stadt inzwischen ausdrücklich bestätigt.

„Engagiert und gradlinig“

Während der Abschiedsfeier hatte Dezernentin Martina Westerkamp von der Landesschulbehörde zuvor Szczepaneks Werdegang skizziert, sein Engagement und seine Gradlinigkeit gewürdigt und ihn die offiziell aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Der in Wilhelmshaven geborene und aufgewachsene Pädagoge hatte bereits im Alter von 24 Jahre eine Konrektorenstelle in seiner Heimatstadt übernommen. Zehn Jahre später wurde er Leiter einer Hauptschule vor Ort. Im Jahr 2000 schließlich folgte der Wechsel als Dezernent bei der damaligen Bezirksregierung Weser-Ems und die Ernennung zum Regierungsschuldirektor. Im Jahr 2014 entschloss sich Szczepanek zu einem Schritt „zurück zu den Wurzeln“. Er wurde Leiter der Realschule in Bramsche zu einer Zeit, zu der die Diskussion um die Schulstruktur in Bramsche immer wieder hohe Wellen schlug und schlägt.