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Missverständnis beim Auftrag Lift kaputt: Bramscherin eine Woche ans Bett gefesselt

Von Heiner Beinke | 20.09.2011, 06:25 Uhr

Auf Handwerker wartet niemand gerne. So verzweifelt wie Else Renzenbrink aber wohl nur wenige: Die 82-Jährige war mehr als eine Woche ans Bett gefesselt, weil kein Techniker kam, um ihren Patientenlifter zu reparieren. Über die Gründe dafür gehen die Meinungen aber weit auseinander.

„Das war wirklich eine schlimme Zeit“, sagt die nach einem Schlaganfall gelähmte Frau. Denn ohne das Hilfsmittel können Angehörige und Pflegedienst die Frau nicht aus dem Bett heben. „Das ist doch wirklich der Hammer. Meine Mutter hat notgedrungen die ganze Zeit im Bett gelegen“, ärgert sich ihr Sohn Werner Renzenbrink.

Viermal am Tag kommt der Pflegedienst zu Else Renzenbrink. Morgens wird sie aus dem Bett geholt, mittags wieder hineingebracht. Nachmittags und abends wiederholt sich das. Und jedes Mal ist die Aufstehhilfe notwendig, um die Patientin in den Rollstuhl oder wieder zurück ins Bett zu bringen.

Vor einiger Zeit wurde der bewährte Lift gegen ein neues Modell ausgetauscht. Das streikte jetzt. „Ich habe gleich montags bei der Firma angerufen, und da sagte man mir zu, am Mittwoch würde ein Monteur kommen“, berichtet Pflegedienstleiterin Bärbel Semmler vom betreuenden Pflegedienst Heike Horstmann. Am Mittwoch erschien aber niemand, ebenso wenig an den folgenden Tagen, an denen sich Werner Renzenbrink nach eigener Aussage erkundigt hat, wo der Monteur denn bleibe. Da sei er immer wieder vertröstet worden. Eine Woche nach dem ersten Telefonat meldete sich die Firma dann beim Pflegedienst. Da wurde Bärbel Semmer erst einmal mit der Frage konfrontiert, ob das Personal möglicherweise einen Bedienungsfehler gemacht habe und einfach einen Notknopf drücken müsse. Das sei nach einer Woche des Hinhaltens schon bemerkenswert gewesen, fand Semmler.

Für die Firma aber hat der Vorfall erst am Tag davor begonnen. Da sei der erste Anruf erfasst und der Auftrag erteilt worden, erklärte Joachim Dirksmeyer von der Firma Sanimed in Ibbenbüren. Am nächsten Tag sei der Monteur herausgefahren, einen Tag später sei der Leihlifter ausgeliefert worden, kann der für Qualitätssicherung Verantwortliche aus den Protokollen herauslesen. „Bei so wichtigen Dingen wie einem Patientenlifter muss das auch ganz schnell gehen“, bestätigt er die Dringlichkeit des Falles, den der Techniker auch entsprechend schnell in Angriff genommen habe. Warum die vorherigen Anrufe nirgends protokolliert sind, kann sich Dirksmeyer nicht erklären: „Da sind wir jetzt in der Region menschliches Versagen.“ Warum auch immer – Else Renzenbrink musste jedenfalls über eine Woche im Bett verbringen, bevor der Lifter wieder funktioniert. „Das ist wirkliche Not für diese Patienten, ganz, ganz schlimm“, sagt Bärbel Semmler. Doch leider sei dies kein Einzelfall. „Hilfsmittel sind immer schwierig“, weiß die Pflegedienstleiterin. Mitunter gebe es auch Verzögerungen bei den Krankenkassen, die diese Mittel genehmigen müssen. Immer wieder erlebt sie, dass Angehörige wie Werner Renzenbrink gar nicht glauben können, dass Hilfe in solchen Notfällen so lange auf sich warten lässt. „Das sollte mal publik werden“, findet sie.