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Liebe zu Huskies geerbt Bramscherin startet bei Hundeschlitten-EM

Von Heiner Beinke | 01.02.2017, 08:02 Uhr

Am Donnerstag beginnt in Inzell die Europameisterschaft im Schlittenhunderennen. Für Deutschland startet unter anderem eine Bramscherin: Mirjam Seidl-Meyerrose aus Lappenstuhl ist mit ihren Siberian Huskies dabei. Musher, das sind Schlittenhundeführer, aus Niedersachsen sind dort ungefähr so häufig wie Schlittenhundgespanne am Mittellandkanal.

Wie kommt man in unseren gemäßigten Breiten darauf, einen Sport zu betreiben, der in Sibirien oder Alaska populär ist? Bei Mirjam Seidl-Meyerrose ist die Leidenschaft vererbt. Ihre Eltern kauften sich den ersten Husky , als die kleine Mirjam sechs Jahre alt ist. Wenig später begannen sie mit dem Schlittenhunderennen - im heimatlichen Emsland, das nun nicht so viel schneereicher und bergiger ist als Lappenstuhl.

Hundefieber

Im Studium verliert die angehende Ergotherapeutin die Schlittenhunde vorübergehend aus dem Blick, bis sie schließlich über Freunde wieder auf den Hund kommt. Zwei Huskies und zwei Australian Shepherds sind es bald. „Dann hat mich das Fieber wieder gepackt“, erzählt die temperamentvolle Hundeführerin. Und weil vor den großen Hundeschlitten mindestens sieben Hunde gehören, ist es bald wieder ein ganzes Rudel.

In Lappenstuhl findet sie mit ihrem Mann Sven Meyerrose schließlich den idealen Platz, um Wohnen, Beruf und Hobby unter einem Dach zu vereinen. Auf einer kleinen Hofstelle etwas außerhalb der Siedlung ist genug Platz für die Hunde, Gerätschaften und Fahrzeuge, die zur Schlittenfahrt mit Hunden dazugehören. Die Tiere sind auch nützlich zu Therapiezwecken für die Wohngruppe, die sie mit ihrem Mann betreibt. Und die Selbstständigkeit hilft ihr, den Tag so zu organisieren, dass Zeit genug zum Training bleibt.

Spitzensportler auf vier Pfoten

Im Winter, wenn Saison ist, trainiert sie vier bis fünf Mal die Woche, am liebsten vormittags. Wenn der Wind richtig steht, können die Nachbarn hören, wenn die nächste Fahrt ansteht: Dann heulen die Huskies vor Vorfreude auf einen Arbeitstag. Denn die Aufgabe als Zugtier liegt dem Nutztier der Eskimos im Blut. „Das ist ein Teamsport, bei dem ich die Trainerin bin“, beschreibt Mirjam Seidl-Meyerrose die Aufteilung. Ihren aktuellen Leithund Duplo musste sie nicht eigens ausbilden: „Ein Leithund wird geboren und nicht erzogen“, erklärt Musher Mirjam. Das ausgewogene Training, das Ausdauer und Zugkraft kombiniert, ist ihre Sache. „Da hat jeder so sein Erfolgsrezept“, will sie nicht zuviel verraten. Ein ausrangiertes Quad und ein Bahnwagen, der in unseren Breiten zumeist den Schlitten ersetzt, gehören dazu. Mit Zahlen belegt die Hundeführerin, dass ihre Vierbeiner Leistungssportler sind: „Die sind in der Spitze 35 bis 40 Stundenkilometer schnell und können zehn Kilometer durchgaloppieren“.

Zucht gehört dazu

Wer über längere Zeit ein erfolgreiches Schlittenhundegespann führen will, landet zwangsläufig bei der Zucht. Aktuell tummeln sich auch in Lappenstuhl wieder vier Welpen. Da die dazugehörige Hündin Petaki noch „in Mutterschutz“ ist, wie Mirjam Seidl-Meyerrose sagt, hat sie sich von einer befreundeten Züchterin einen Hund für die Europameisterschaft ausgeliehen. Hunde, die zu alt für die Rennen werden, bekommen ihr Gnadenbrot - bei den Eltern im Emsland.

Vorbereitung in Schweden

Sollen die Siberian Huskies bei ihrem Verband zur Zucht zugelassen werden, müssen sie erst einmal Leistung zeigen: 100 Kilometer Schlittenrennen auf Schnee müssen dazu nachgewiesen werden, erzählt die Züchterin. Weil Schnee in Lappenstuhl selten ist, gehören Reisen dazu. Zur Vorbereitung auf die EM war sie in Schweden unterwegs. Bei Temperaturen bis zu minus 30 Grad genoss sie die ausgiebigen Touren. „Die Liebe zu den Hunden und die Freiheit“ sind für sie das Schönste an ihrem Sport, für den sie sich selbst mit Läufen fit hält. Schließlich muss sie bei steilen Anstiegen vom Schlitten runter und mitlaufen. „Rennen werden am Berg gewonnen“.

Ziel: „Durchkommen“

Weil die in Lappenstuhl eher selten sind, rechnet sie sich für die EM nicht allzu viele Chancen auf vordere Plätze aus, auch wenn sie vor kurzem beim EM-Pflichtrennen über 25 Kilometer mit 700 Höhenmetern in Maria Alm Platz eins in ihrer Klasse in zwei Stunden und 47 Minuten bei 25 Minuten Vorsprung auf den Zweiten belegte. „Durchkommen“, möglichst mit einer respektablen Zeit, lautet ihr Ziel. Im Prolog wartet ein Nachtlauf über 2o Kilometer auf sie, eine „Vollkatastrophe“ wie sie meint. Da werden Erinnerungen wach an die letzten Titelkämpfe, bei denen sie krankheitsbedingt aufgeben musste. Es folgen zwei Läufe über je 35 Kilometer.

Die Konkurrenz unter anderem aus Norwegen und Schweden hat ganz andere Rahmenbedingungen, nicht nur, weil sie in den Bergen und im Schnee trainieren kann. „Die haben auch ganz andere Sponsoren“, weiß sie um die Unterstützung in den Ländern, in denen dieser Hundesport populär ist. Sie hat nur einen Sponsor: „Meinen Mann“.

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