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Landkreis übernimmt Erstuntersuchung Mobile Praxis für Flüchtlinge in Hesepe

Von Björn Dieckmann | 09.09.2015, 18:11 Uhr

Der Gesundheitsdienst für Stadt und Landkreis Osnabrück unterstützt ab sofort die Erstuntersuchungen von Flüchtlingen in der Heseper Aufnahme-Einrichtung für Asylbewerber. Das hat Leiter Dr. Gerhard Bojara auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt und Einzelheiten bei einem Treffen vor Ort erläutert.

Zwei Zelte und ein mobiler Untersuchungsraum der Johanniter stehen für die Untersuchungen vorerst zur Verfügung. „Wir haben am Montag erst angefangen, alles einzurichten und in Betrieb zu nehmen“, erklärt Bojara. Eine komfortablere Unterbringung sei in der Kürze der Zeit noch nicht möglich gewesen. Bojara hofft, in Kürze Container der Bundeswehr zur Verfügung gestellt zu bekommen: „Das Innenministerium hat die entsprechende Anfrage an die Bundeswehr gestellt“, beschreibt er den vorgesehenen Dienstweg. Wichtig sei ihm eine zügige Umsetzung: „Wenn wir morgens anfangen, ist es recht kalt. Und im Moment haben wir noch Glück mit dem Wetter. Wenn es in den Herbst geht und öfter regnet, dann würde es noch einmal deutlich schwieriger – für uns vom Gesundheits-Team wie auch für die Menschen, die zur Untersuchung kommen“, so Bojara.

Bisher Verzögerungen bei Erstuntersuchungen

„Wir arbeiten unter Bedingungen, die wir sonst nicht gewohnt sind “, beschreibt der Leiter des Gesundheitsdienstes. Wichtiger als die äußeren Bedingungen sei es aber gewesen, „überhaupt anzufangen“. Denn bei den Erstuntersuchungen der Flüchtlinge, die bisher in Krankenhäusern der Region auf Kosten des Landes vorgenommen wurden, habe es durch den noch einmal stark angestiegenen Zuzug „einen genauso stetig wachsenden Rückstau“ gegeben, beschreibt Bojara die bisherige Situation. Auch dadurch sei es zu Verzögerungen gekommen, die Asylbewerber auf die Kommunen zu verteilen. „Eine dezentrale Unterbringung ohne Kenntnis des Gesundheitsstatus geht nicht“, stellt der Arzt heraus.

Gesundheits-Check: Liegen ansteckende Krankheiten vor?

Untersucht werden die Flüchtlinge beispielsweise auf Kopfläuse und Krätze, „die während der Flucht durchaus auftreten können.“ Auch auf andere ansteckende Krankheiten werden die Asylbewerber untersucht. „Wir hatten bereits einige Fälle von Windpocken. Diese Menschen gilt es sofort zu separieren“, macht Bojara deutlich. Das könne für ganze Familien gelten, „die wir dann ganz aus der Unterkunft herausnehmen, um eine weitere Verbreitung der Krankheit unter den Bewohnern unbedingt zu vermeiden“. Um erkrankte Flüchtlinge aus der Aufnahme-Einrichtung herausnehmen zu können, suche der Landkreis nach alternativen Unterbringungsmöglichkeiten. „Wir denken dabei beispielsweise an kleinere Hotels oder Pensionen, die sonst Leerstand hätten“, so Bojara. Wichtig sei, dass jemand für die Asylbewerber da sei. „Wenn sie sich selbst überlassen bleiben und etwa selbst einkaufen gehen müssen, ist die Gefahr ja wieder gegeben, dass andere angesteckt werden“, erklärt der Gesundheitsdienst-Leiter.

In zwei Schichten arbeitet das Team um Bojara vorerst, „mit jeweils sieben bis acht Leuten“, bestehend aus Ärzten sowie Gesundheits- und Krankenpflegern – und in enger Absprache mit der Johanniter Unfallhilfe, die schon seit Langem die Krankenstation in der Aufnahme-Einrichtung betreut. „Ein Riesen-Job“ werde dort gemacht, „hochprofessionell“, lobt Bojara die Kollegen.

Eine Blume als Zeichen des Danks

Zwei Dolmetscher stehen ebenfalls bereit. „Einer spricht albanisch, der andere arabisch – damit decken wir schon sehr viel ab“, erklärt Bojara. Er räumt ein, „dass nicht alle Asylbewerber besonders gerne zu uns kommen. Da gibt es schon mal den ein oder anderen grimmigen Blick“. Letztlich kämen aber die meisten „mit einem Lächeln“ wieder aus den Untersuchungs-Zelten heraus. Und zuweilen nicht nur das: Kaum hat Bojara es gesagt, kommt eine Gruppe von Flüchtlingen auf ihn zu, überreicht ihm eine Blume und dankt dem Leiter des Gesundheitsdienstes herzlich für seinen Einsatz.

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