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Kreisrat im Stromtrassen-Interview Wilkens: „Amprion ist mir im Moment noch zu zugeknöpft“

Von Marcus Alwes, Marcus Alwes | 29.09.2016, 19:13 Uhr

Die Diskussion um eine neue 380-kV-Stromtrasse durch den Nordkreis und ein weiteres Umspannwerk nimmt an Schärfe zu. Auch um Sinn oder Unsinn des Runden Tisches, der alle beteiligten Interessengruppen eigentlich in einen konstruktiven Dialog bringen soll, wird lebhaft gestritten.

Kreisrat Winfried Wilkens verteidigt unterdessen im BN-Interview dessen Gründung und erläutert die Position der Kreisverwaltung in der Debatte um Trassenkorridore und ein Umspannwerk.

  Herr Wilkens, der Runde Tisch zur Erarbeitung von Kriterien für einen Umspannwerk-Standort mit allerlei Interessenvertretern aus der Region hat bisher zweimal getagt. Sind Sie sich sicher, dass in den beiden noch ausstehenden Sitzungen ein tragfähiges Ergebnis und vor allem ein Konsens erreicht werden kann?

Große Umspannanlagen stoßen nirgendwo auf Gegenliebe. Aber, viele Menschen sagen mir, dass sie eine solche Anlage in ihrer Nähe akzeptieren würden, falls die Entscheidung für den einen und gegen den anderen Standort fair, offen und transparent zustande kommt. Diese Erwartung halte ich für absolut gerechtfertigt. Deshalb hat sich der Landkreis Osnabrück von Anfang an dafür starkgemacht, die möglichen Standorte für eine Umspannanlage am besten in einem sogenannten Raumordnungsverfahren intensiv unter die Lupe zu nehmen. Und für den Fall, dass das nicht durchzusetzen sein sollte, haben wir den Runden Tisch angeschoben, um zumindest auf diesem Wege eine raumordnungsähnliche Prüftiefe zu erreichen. Die dritte Alternative – kein Raumordnungsverfahren und keine raumordnungsähnliche Prüfung am Runden Tisch, sondern eine Ausblendung der verschiedenen Alternativ-Standorte zugunsten der Genehmigung eines nur von Amprion ausgesuchten Standortes im stillen Kämmerlein – ist für mich die schlechteste Möglichkeit. Deswegen hoffe ich darauf, dass wir entweder das Raumordnungsverfahren oder eine vergleichbare Prüftiefe am Runden Tisch erreichen. Nur so können die Bürgerinitiativen und die Kommunalvertreter sich aktiv in den Prozess einbringen .

  Lässt Sich nach Ihrem Eindruck die parallel in der Öffentlichkeit geführte Diskussion um mögliche Stromtrassenführungen noch aus den Beratungen des Runden Tisches über einen Umspannwerk-Standort heraushalten?

Der Landkreis Osnabrück hat sich von Anfang an für die Integration beider Themen in einem gemeinsamen Raumordnungsverfahren eingesetzt. So wird es ja auch im Bereich Cloppenburg gemacht. Da das Landes-Amt uns in dieser Frage im Moment noch nicht folgt, haben wir für den Runden Tisch vereinbart, dass wir dort zwar nicht über die Stromleitungen insgesamt sprechen, aber natürlich über die Wechselbezüge zwischen Umspannanlage und Stromtrassen. Das ist ja auch logisch, weil der konkrete Standort für das Umspannwerk sich natürlich auch darauf auswirkt, wie lang die Leitung dorthin werden muss. Amprion ist mir in dieser Frage im Moment noch zu zugeknöpft.

  Ist nach Ihrer Auffassung eine Stromtrassenführung – aus dem Raum Cloppenburg – entlang der Autobahn 1 und parallel zur bereits bestehenden Trasse durch Malgarten und Sögeln eine ernsthafte Alternative zu den drei anderen im Nordkreis diskutierten Korridoren?

Wir sind auch in dieser Frage für absolute Ergebnisoffenheit: Der Landkreis Osnabrück hat immer wieder gefordert, dass alle vier Leitungsvarianten vollständig im Rahmen des Raumordnungsverfahrens geprüft werden müssen. Das ist aus meiner Sicht die einzige Chance, bei den Menschen ein Mindestmaß an Akzeptanz für das am Schluss mit fairen Methoden gefundene Ergebnis zu erreichen. Welche der vier Korridore mit ihren Untervarianten sich dann durchsetzt, sollte erst am Schluss des Verfahrens entschieden werden und nicht vorher.

  Teilen Sie die Kritik des Bramscher Stadt-Baudirektors Hartmut Greife, dass das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) inzwischen in der Sachdiskussion nicht mehr neutral agiert? Und was würden Sie dem ArL raten?

Ich gebe zu, das Landes-Amt hat eine schwierige Rolle. Einerseits fordert der Landkreis Osnabrück eine ergebnisoffene Einbeziehung aller vier Trassenvarianten und des Standortes der Umspannanlage in das Raumordnungsverfahren. Andererseits fordert Amprion eine möglichst schnelle Genehmigung für das Umspannwerk, und manche örtliche Akteure würden sich über die vorzeitige Ausklammerung der sie betreffenden Trassen oder Standorte freuen. Aber wenn man es ohnehin nicht allen recht machen kann , ist der Weg der absoluten Ergebnisoffenheit und Transparenz für alle Teile des Projektes und des Verfahrens der einzige, der am Schluss für ein Mindestmaß an Akzeptanz sorgen kann.

  Für wann halten Sie finale Entscheidungen über den Stromtrassen-Verlauf und die Festsetzung des Umspannwerk-Standortes für wahrscheinlich und realistisch ?

Da das eigentliche Raumordnungsverfahren für die Trassen noch nicht einmal angelaufen ist, wird die Entscheidung darüber schon noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Im optimalen Fall fällt die Entscheidung über die Umspannanlage wegen der Wechselbezüge zeitgleich damit und im selben Verfahren. Wenn es bei der Ausklammerung des Umspann-Standorts aus dem Raumordnungsverfahren bleiben sollte, dann gilt die Vereinbarung, die wir mit allen Beteiligten – Amprion, Initiativen, Gemeinden – am Runden Tisch getroffen haben. Und die sieht vor, dass die raumordnungsähnliche Prüfung bis zum Ende dieses Jahres erfolgen soll. Um dieses Ziel zu erreichen, muss allerdings noch eine ganze Menge Arbeit geleistet werden.