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Komödie „Grasgeflüster“ „Sommerflimmern“ auf dem Bioland-Hof in Pente

Von Hildegard Wekenborg-Placke | 20.07.2014, 18:31 Uhr

„Heute Abend haben wir die 200er-Marke aber locker geknackt“, freute sich Gabriele Janz vom Landschaftsverband Osnabrücker Land, als die Dämmerung langsam herabsank und der Platz vor der Scheune auf dem Bioland-Hof Kruse in Pente sich immer weiter füllte. Seit vier Jahren laden der Landschaftsverband und Bauern in der Region zum Kino auf dem Land ein. Am Samstagabend trug die Reihe den bezeichnenden Namen „Sommerflimmern“ zu Recht.

Bis Mitternacht amüsierten sich die Besucher köstlich über den skurrilen Humor und die schrägen Typen der britischen Komödie „Grasgeflüster“ – vorsichtshalber mitgebrachte Jacken und Pullover blieben in den Taschen.

Zum Inhalt: Grace Trevethyn lebt ein respektables Leben in ihrer Gemeinde. Sie hat ein 300 Jahre altes großes Anwesen, mit dem Schotten Matthew Stewart einen eigenen Gärtner, ist eine angesehene Orchideenzüchterin und wird von allen hoch angesehen. Unglücklicherweise hatte ihr Mann mit der Londonerin Honey Chambers eine Affäre. Nachdem der treulose Gatte starb, hat er ihr nichts hinterlassen außer hohen Schulden. Er hat sein Anwesen beliehen, um mit dem Geld seine Geschäfte zu finanzieren, die aber allesamt Flops waren. Nun hat Grace 300000 Pfund Schulden, die sie mit 2000 Pfund monatlich bedienen soll. Die Schecks platzen, die Rechnungen stapeln sich, Zwangsvollstrecker erscheinen fast täglich, und ihr Anwesen steht kurz vor der Zwangsversteigerung.

So sehr Grace auch versucht, den Schein zu wahren, im Pub und im Kaufmannsladen weiß längst jeder um ihre missliche Lage und bemüht sich, ihr zu helfen. Köstlich die Szene, als die Dame von der Heilsarmee im Wortsinn Pirouetten dreht, um die arme Grace daran zu hindern, ihren letzten Pence in die Sammeldose zu werfen.

Matthews Lohnscheck ist leider auch geplatzt. Weil seine Freundin Nicky aber ein Kind erwartet, sinnt er auf einen Weg aus der umfassenden finanziellen Misere. Allerdings darbt dieser Plan in Gestalt einiger kümmerlicher Pflänzchen an einer dunklen Stelle hinter dem Pfarrgarten vor sich hin. Zum Glück – oder Pech – hat Grace aber nicht nur einen grünen Daumen, was den Umgang mit Orchideen angeht, auch die zarten Hanfpflanzen gedeihen in ihrem Gewächshaus. Natürlich ist das alles keineswegs legal, aber das ganze Dorf einschließlich Polizist und Pfarrer drücken die Augen zu. Schwierig wird es erst, als der Stoff zu Geld gemacht werden soll … Wie sich alles auflöst, sei hier nicht verraten. Nur eins – very, very british. Die Besucher auf dem Hof Kruse amüsierten sich unüberhörbar köstlich.

„Essen und Trinken“ lautet in diesem Jahr das Motto der Kinoreihe, an dem sich Landwirte zwischen Bersenbrück und Melle-Suttorf, von Bad Iburg bis Bad Essen beteiligen. „Grasgeflüster“ hat zwar mit diesem Motto höchstens in Form von Hanfblättern im Five-o-Clock-Tea zu tun, dafür hatten sich die Gastgeber Michael Kruse, seine Frau Martina Heidebreck und ihr Hofteam aber alle Mühe gegeben, ihre Besucher zu verwöhnen. Von Bruscetta mit eigenen Tomaten über Kartoffeln mit Penter Grüner Sauce, Bio-Bratwurst vom Grill und leckere Kuchen gab es an diesem warmen Sommerabend reichlich Auswahl an Leckereien, ergänzt von ausgefallenen Bio-Getränke-Spezialitäten. Bei Hofführungen konnten sich die Besucher, von denen etliche aus dem weiteren Osnabrücker Umland kamen, ein Bild davon machen, wo das Bio-Gemüse heranwächst, das Kruse auf dem Bramscher Wochenmarkt und im Hofladen verkauft. Auch die mobilen Hühnermobile fanden viel Interesse.

„Das ist eine tolle Idee“, lobte Besucherin Silke Lewandowsky das Konzept des Kinos auf dem Land. „Und dann noch so super Wetter“. „Besser geht’s nicht“, war allenthalben zu hören. Das fand auch Michael Kruse, als er nach einem gelungenen Filmabend seine Gäste verabschiedete. „Schön, dass wir die Scheune nicht gebraucht haben. Aber jetzt ist sie wenigstens aufgeräumt.“