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Kirchplatz als Strandpromenade „Ombre di Luci“ bringen italienisches Flair nach Bramsche

Von Holger Schulze | 27.07.2012, 14:01 Uhr

Ein voller Kirchplatz, alle Sitzgelegenheiten und Stehtische besetzt: In diesem Rahmen haben „Ombre di Luci“ beim Sommerkulturprogramm am Donnerstag Sommerlaune und südliche Musik nach Bramsche gebracht.

„Von den Besucherzahlen her war das fast schon an einem Abschlusskonzert dran – und das an einem ganz normalen Donnerstag“, befand Wolfgang Kirchner für das veranstaltende Stadtmarketing angesichts der Zuhörermassen und fügte hinzu: „Ich hatte heute Anrufe aus Osnabrück, die nachfragten, ob das Konzert auch wirklich umsonst sei.“

Umsonst spielte die fünfköpfige Band natürlich nicht, doch das sollte an diesem Abend nicht die Sorge des Publikums sein. Ob im Stehen bei einem kühlen Getränk oder sitzend vor gefüllten Tellern – es durfte unbeschwert genossen werden.

„Ombre di Luci“, das sind Marcus Tackenberg mit Gesang, Klavier und Akkordeon, Ralf Quermann (Gitarre, Kontrabass und Mandoline), Ludwig Voges mit dem Violoncello oder der Gitarre, der Rhythmusmann Karl Snelting und Markus Preckwinkel an der Tuba, der auch am Kontrabass und an der Posaune zu finden ist.

Bis auf Tackenberg, den Gründer und Kopf der Band, sind sämtliche Musiker Vollprofis. 15 Jahre spielen sie bereits in dieser Formation zusammen. Ihr Repertoire ist vollständig selbst gemacht. Für die korrekte Artikulation in der Konzertsprache Italienisch wurden über die Jahre hinweg stets von Muttersprachlern die Texte beigesteuert.

In einer Pizzeria am Marktplatz in Osnabrück entstand bei vino e pasta dereinst die Idee, Musik in der südeuropäischen Landessprache auf den Markt zu bringen. Seitdem hat sich die Gruppe ein Programm von rund 70 eigenen Titeln erarbeitet, von denen sich etwa 90 Prozent auf den inzwischen acht CDs wiederfinden. Viel zu viel also für ein einziges Abendkonzert. Die Programmauswahl wird dementsprechend individuell vor Ort zusammengestellt.

„Gut eingespielte Multiinstrumentalisten, sauberer Klang, kann man so lassen“, fasste es einer zusammen, der sonst bei seinem Chor selbst auf den guten Ton achtet: Uwe Heldt hatte kaum etwas auszusetzen an der Vorstellung der falschen Italiener.

Für Angelika Rolf war die Musik passender Bestandteil des „Sommerfeelings. Südlich, fröhlich, alle freuen sich, dass sie draußen sein können im lauen Sommer“, befand die junge Frau, genüsslich nebenher an einer Sangria schlürfend. Es passte also wirklich, was Tackenberg und seine vier Begleiter an diesem Abend den Feriengefühlen auf dem Kirchplatz entgegenzubringen hatten.

Was einst in der Pizzeria begann, ist, um im Bilde zu bleiben, von der Vielfalt und der Qualität her längst den Ansprüchen schlichter italienischer Küche entwachsen und hat sich im Standard der gut sortierten Menükarte eines gehoben-anspruchsvollen Speiserestaurants eingeordnet.

Abwechslungsreiche Rhythmen und variierende Tonarten verbreiteten das Flair einer Strandpromenade am Meer bei blutrotem Sonnenuntergang, an der die Melodien mit der Süffigkeit eines schweren Rotweins oder der Süße von italienischem Speiseeis entlangflanierten.

Stilreich arrangiert und von seufzenden Posaunenintermezzi oder einem dezent schluchzenden Cello untermalt, sang Tackenberg über schwierige Entscheidungen im Leben, die sich oftmals später dann als illusionsbehaftet herausstellten. „Wo ist die Sonne, die das Herz wärmt, wo sind die Worte des Trostes?“, ließ er in einem anderen Song eine Mutter fragen, deren beide Söhne, ein Polizist und ein Mafioso, bei einer Razzia ihr Leben lassen mussten. Rhythmen, die dem Ska nahekamen, bestimmten ein Stück, in dem ein „rasender Kellner“ zwischen den obskuren Ansprüchen einer arrogant-gehetzten oder vom Leben frustrierten Kundschaft aufgerieben wird.

Es gehört zu den roten Fäden im Repertoire von „Ombre di Luci“, dass den Melodien oft ein markanter Hauch von Melancholie anhaftet und die Texte selten frei von nachdenklichen Spuren daherkommen. Selbst bei einem Song, der hauptsächlich aus einer Aufzählung italienischer Filmgrößen bestand, schaffte es Tackenberg noch, textlich die Kurve zu den „Glücksgefühlen beim Küssen im Kino“ hinzubekommen.

„Die falschen Italiener sind richtig italienisch und machen richtig schöne, temperamentvolle Musik.“ Mit dieser Ansicht wird Reimund Lucas an diesem Abend nicht alleine gewesen sein.

Doch auch die Band verließ nicht komplimentlos die Bühne. Schließlich gehört der Bramscher Kirchplatz zu den Auftrittsorten, die bei Tackenberg einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Vor 13 Jahren kam er direkt aus dem Kreißsaal von der Geburt seiner Tochter, um wenige Stunden später hier aufzutreten. Übernächtigt und überwältigt von beiden Ereignissen.