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Jahresbilanz Diakonisches Werk Beratungsbedarf nimmt in Bramsche konstant zu

Von Björn Dieckmann | 31.03.2015, 09:32 Uhr

Die Zahl der Klienten beim Diakonischen Werk im Kirchenkreis Bramsche steigt kontinuierlich. Und: „Es kommen immer wieder neue Bevölkerungsschichten zu uns, um unsere Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen“, sagt Leiterin Natalia Gerdes.

303 Klienten haben im vergangenen Jahr, so weist es die jüngst veröffentlichte Bilanz aus, die allgemeine soziale Beratung des Diakonischen Werkes in Anspruch genommen. „Hier helfen wir, persönliche und soziale Krisensituationen anzugehen und zu lösen“, beschreibt Gerdes. „Vielfach um Unterstützung im Umgang mit Behörden“, erklärt Gerdes. Beispielsweise, um den SGB-II-Bescheid zu überprüfen, Anträge auf Wohn- oder Kindergeld auszufüllen oder die Befreiung von Zuzahlungen bei Medikamenten zu beantragen.

Die Zahl der Klienten ist alleine in diesem Bereich von 130 im Jahre 2007 über 182 im Jahr 2010 auf 303 im vergangenen Jahr gewachsen. „Was wir in jüngster Zeit vermehrt feststellen, ist ein erhöhter Beratungsbedarf bei Menschen mit Migrationshintergrund.“ Nicht nur die Flüchtlinge, die nach ihrem Aufenthalt in der Unterkunft Hesepe in die umliegenden Kommunen verteilt werden, sondern auch Arbeitnehmer aus EU-Ländern „haben oft Schwierigkeiten, mit den hiesigen bürokratischen Anforderungen zurechtzukommen“, sagt Gerdes und nennt ein Beispiel: „Viele wissen gar nicht, dass sie sich bei ihrem Stromanbieter anmelden müssen. Bis das auffällt, vergehen oft Monate, und es bauen sich Schulden auf.“

Das Diakonische Werk hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, verstärkt auf Migranten zuzugehen. „ Das soll einerseits geschehen durch ehrenamtliche Tätigkeiten in Hesepe. Zum anderen wollen wir den Kontakt intensivieren zu den Kommunen unseres Kirchenkreises, in denen die Flüchtlinge dann dezentral untergebracht werden“, skizziert Gerdes. Dort könnten dann die „Sozialen Lotsen“ – ehrenamtliche Berater – tätig werden.

Ziel sei es, „uns bekannter zu machen“. Denn oft würden die Menschen mit Migrationshintergrund erst spät eine Beratung durch das Diakonische Werk in Anspruch nehmen – und manchmal eben schon zu spät: „Dann geht es direkt in die Schuldnerberatung.“ Auch dieses zweite Standbein des Diakonischen Werkes wird zunehmend in Anspruch genommen: Im Jahr 2014 kamen 389 Klienten zum ersten Mal in die Schuldnerberatung. Vorherrschend sind allerdings in diesem Bereich weiterhin wirtschaftliche Probleme durch Arbeitslosigkeit, Scheidungen/Trennungen und eine unwirtschaftliche Haushaltsführung. Zunehmend aber sei, so Gerdes, der Anteil verschuldeter Rentner, „die eine Überschuldung besonders hart trifft“.

Durchaus stolz ist Gerdes darauf, „dass wir vermehrt außergerichtliche Einigungen erzielen und damit eine Insolvenz der Klienten vermeiden können.“ Leider sei aber auch die Zahl der erfolglosen außergerichtlichen Einigungen gestiegen – „was zeigt, wie hoch das Gesamt-Aufkommen an Beratungsbedarf geworden ist“, verdeutlicht Gerdes.

Derzeit, so berichtet die Leiterin weiter, strebe das Diakonische Werk an, das Diakonie-Siegel des Diakonischen Werkes in Niedersachsen zu erlangen. „Dazu stellen wir unsere gesamte Arbeit auf den Prüfstand, verstetigen und verdeutlichen Strukturen und Arbeitsabläufe und stellen Kompetenzen besonders heraus“, erläutert Gerdes.

Ziel sei es, einen anerkannten Nachweis über qualitative Arbeit zu erlangen. Und damit, so Gerdes, „auch eine noch größere Anerkennung unseres Wirkens über die Kirche hinaus“. Dabei denke sie „durchaus auch an staatliche Mittel, beispielsweise um die Personalkosten abzufedern“. Denn derzeit, so Gerdes, „finanziert sich das Diakonische Werk allein durch die Kirche und durch Spenden“.