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Info-Abend für Anlieger Skepsis wegen Plänen für Bahnhofsumfeld in Bramsche

Von Björn Dieckmann | 13.01.2016, 19:17 Uhr

Die Stadt Bramsche hat am Dienstagabend im Rathaus ihre ersten Pläne für eine Neugestaltung des Bahnhofsumfelds vorgestellt. Dabei wurde deutlich: Bei den Anwohnern des in Betracht kommenden Sanierungsgebiets werden die Projektplaner noch sehr viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.

„Wir sprechen über ein Gebiet, das die Stadt trennt“, sagte Bürgermeister Heiner Pahlmann in seinen einleitenden Worten. Und weiter: „Diese Trennung wollen wir aufheben und den Bramscher Berg mit der Innenstadt vernetzen“. Mit einer Umgestaltung der rund 25 Hektar brachliegenden Flächen sei es möglich, „weiteres Leben in die Stadt zu bringen“, so Pahlmann weiter.

Ohne Fördermittel keine Umgestaltung

Der Bürgermeister machte aber auch klar, dass die Stadt das Vorhaben nur dann in Angriff nehmen könne, wenn ihr finanzielle Mittel aus dem Förderprogramm „Stadtumbau West“ gewährt werden. Dieses sieht vor, dass bei entsprechenden Maßnahmen zwei Drittel von Land und Bund sowie ein Drittel von der Kommune getragen werden. „Kriegen wir diese Gelder nicht, wird es auch keine Umgestaltung des Bahnhofsumfelds geben“, machte Pahlmann deutlich. Hartmut Greife, Leitender Baudirektor der Stadt, ergänzte, es gäbe bei einer Ablehnung in diesem Jahr die Möglichkeit, sich zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu bewerben – „wenn uns nicht bedeutet wird, dass es völlig aussichtslos ist“.

Schwerpunkt Wohnbebauung

Beworben hat sich die Stadt Bramsche mit einem Erneuerungskonzept, das „noch längst keine konkrete Planung darstellt“. Das machte Karen Strack von der „re.urban Stadterneuerungsgesellschaft“ deutlich, mit der die Stadt bei der Erarbeitung der Antragsunterlagen für die Fördermittel zusammengearbeitet hat. Nach diesem Konzept soll auf einem Großteil der in Frage kommenden Fläche westlich der Bahnlinie – in Richtung Gerhard-Hauptmann-Straße – Wohnbebauung ermöglicht werden. In einem kleinen Bereich im nördlichen Teil wäre auch die Ansiedlung von Gewerbe möglich. Um beides erreichen zu können, müssten mehrere Zufahrten in das Gebiet geschaffen werden. Außerdem ist vorgesehen, mindestens eine Wegeverbindung für Fußgänger und Radfahrer von der Innenstadt in Richtung Bramscher Berg zu schaffen. Dafür kommt in Betracht, die bereits bestehende Brücke am Bahnhof über die Gleise einzubeziehen. In das Sanierungsgebiet einbezogen werden soll nach diesem ersten Konzept auch ein Abschnitt östlich der Bahnlinie, also in Richtung Innenstadt hin bis zur Moltkestraße. Möglich seien hier laut Strack sowohl eine Neuordnung der Parkmöglichkeiten als auch eine bauliche Nachverdichtung.

Skepsis bei Anliegern

Bürgermeister Pahlmann betonte in Richtung der Anwohner im voll besetzten Ratssaal, „dass wir zur konkreteren Planung sicherlich nochmal zu einem gemeinsamen Brainstorming zusammenkommen werden“, sollten die Fördermittel zugesagt werden. Aus dem Publikum wurde allerdings deutliche Skepsis geäußert. An der Grenzziehung des Sanierungsgebiets, das allerdings noch nicht endgültig feststeht, wurde dabei ebenso Kritik laut wie an einer Lärmschutzwand, die direkt an der Bahnlinie errichtet werden soll. Hier wurde bezweifelt, dass diese mehr Schutz biete als die Bäume in den Schrebergärten, die womöglich – sollten die Eigentümer ihre Grundstücke an die Stadt verkaufen – weichen würden.

Befürchtet wurde ein Wertverlust für die Gebäude im Sanierungsgebiet und unmittelbar angrenzenden Bereichen. „Wir haben heute schon mindestens 80 Zugbewegungen täglich, Tendenz steigend. Dazu sollen jetzt noch die Wegeverbindung und mehrere Straßen kommen, bei mehr Wohnbebauung wird auch der Verkehr insgesamt deutlich zunehmen. Da kann mir doch keiner erzählen, dass das wertsteigernd sein soll“, meinte ein Bürger. Baudirektor Greife entgegnete hier, er habe „noch kein Sanierungsverfahren erlebt, bei dem Grundstücke an Wert verloren haben.“ Dazu brauche man „nur mal durch die Stadt gehen“ verwies Greife auf die Sanierungsvorhaben in der Innenstadt. Er zeigte zudem auf, dass aus dem Förderprogramm auch Zuschüsse für private Modernisierungsmaßnahmen beantragt werden könnten.

Die Kosten, die auf die Anlieger im Sanierungsgebiet zukommen, blieben dennoch Thema in der Versammlung. Stadtplaner Wolfgang Tangemann betonte dazu, es würden keine Erschließungskosten und Anliegerbeiträge für den vorgesehenen Straßenbau fällig. Für jedes einzelne Grundstück würde allerdings durch einen Gutachter ermittelt, welchen Wert es zu Beginn des Sanierungsvorhabens und an dessen Ende habe. Bei einer Wertsteigerung seien Ausgleichsbeiträge zu zahlen.

Förderbescheid im Mai

Voraussichtlich im Mai wird die Stadt Bramsche Bescheid darüber erhalten, ob sie in das Förderprogramm „Stadtumbau West“ aufgenommen wird. Die bisherigen Berechnungen sehen vor, dass die Stadt drei Millionen Euro wird investieren müssen, insgesamt sechs Millonen würden dementsprechend Bund und Land dazugeben. Der Stadtrat habe dann das letzte Wort darüber, welche Maßnahmen konkret umgesetzt werden, erklärte Bürgermeister Pahlmann. „Bis dahin wird es noch genügend Gelegenheit geben, darüber zu sprechen“, verdeutlichte er noch einmal. Insgesamt werde sich das Sanierungsvorhaben wohl über zehn bis 15 Jahre erstrecken.