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Immer wieder freitags Federvieh statt Feldsalat auf dem Penter Biohof

Von Hildegard Wekenborg-Placke | 19.12.2014, 17:22 Uhr

Freitag, null Uhr. Seit Mitternacht ist angesichts der Vogelgrippefälle die Aufstallpflicht für Geflügel bindend. Was macht da Biobauer Michael Kruse, dessen Hühner normalerweise reichlich Freilauf genießen? „Federvieh statt Feldsalat“, schmunzelt der Marktbeschicker.

Wie bitte? Kruse erklärt: Die Hühnerhalter rechneten schon seit Wochen damit, dass die Vogelgrippe irgendwann auch den hiesigen Raum ereilen würde. Kollegen in Nordrhein-Westfalen schlagen sich schon länger mit der Problematik herum. In der Zeit des Vogelzuges verbreiten sich über die Wildvögel immer wieder Krankheiten. Für die Geflügelhalter, deren Tiere großteils im Freien leben, ist das ein großes Problem. Und damit auch für Kruse und seine Frau Martina Heidebreck, die in Pente einen Biolandhof betreiben.

 Für ihr Federvieh haben sie in den letzten Jahren zwei „Hühner-Mobile“ angeschafft – bewegliche Ställe, in denen die Tiere schlafen und ihre Eier ablegen, die aber immer wieder auf „frisches“ Grünland gezogen werden, wo jeweils etwa 225 Hühner und ihre Hähne nach Herzenslust saftiges Grün picken.

Damit ist es jetzt vorläufig vorbei. Aber ganz einsperren können und wollen die Biobauern ihr liebes Federvieh nicht. Deshalb kommt es ihnen sehr entgegen, dass zum Hof auch mehrere Gewächshäuser gehören. Eines, in dem bislang Feldsalat wuchs, räumte Kruse kurzerhand frei. Der leckere Wintersalat wurde, soweit möglich, abgeerntet und verkauft, Bio-Kollegen nahmen einen Teil der Ernte ab, erzählt Kruse. Eines der Hühnermobile wurde direkt an das Gewächshaus herangefahren und mit einem Tunnel aus stabiler Plane und Paletten mit ihm verbunden. Dort, wo vor ein paar Wochen noch der Rapunzel wuchs, scharren jetzt die Bio-Hühner.

Kruse nimmt die missliche Situation mit Galgenhumor. „Das Dach muss ‚schissdicht‘ sein“, spielt er auf die krankmachenden Hinterlassenschaften der Wildvögel an. Auch die Seiten müssen hermetisch abgedichtet sein. Bei seinem zweiten Hühnermobil muss eine Konstruktion um den Lkw mit Vordach eines Nachbarn als Notlösung herhalten, um den Tieren wenigstens ein bisschen Auslauf zu ermöglichen.

„Auch im Gewächshaus haben die Hühner höchsten halb so viel Platz wie gewohnt“, erzählt Kruse. „Das bisschen Unkraut, das unter dem Feldsalat wuchs, hatten die in einem halben Tag weggepickt.“ Für den Biobauern ist das auch eine wirtschaftliche Belastung, denn es muss mehr als bisher zugefüttert werden.

 Und eine Aufhebung der Stallpflicht ist bisher nicht in Sicht. „Das kann bis Mitte März dauern, bis der Großteil des Vogelzuges vorbei ist“, mutmaßt Kruse. Einfach werden die kommenden Wochen nicht. Im Januar wird zwar ein Teil der Hühner geschlachtet, „aber die neuen sind schließlich schon bestellt, und auch für sie wird es zunächst heißen: „Federvieh statt Feldsalat.“

Bäuerin Martina Heidebreck beruhigt derweil die Kunden im Hofladen und auf dem Markt: „Nein, Eier können keine Vogelgrippe übertragen.“