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Hühner haben Stress Vogelgrippe macht Bramscher Geflügelhaltern viel Arbeit

Von Ilona Uphaus und Hildegard Wekenborg-Placke | 27.12.2016, 19:31 Uhr

Erneut sind Fälle des hochansteckenden Vogelgrippe-Virus H5N8 in Niedersachsen aufgetreten. Im Landkreis Osnabrück und den angrenzenden Regionen herrscht Stallpflicht. Für die Bramscher Geflügelhalter bedeutet das reichlich Mehrarbeit - und für die Tiere nicht selten erheblichen Stress.

Wie groß die Angst vor der Seuche ist, zeigt der jüngste Fall in Dötlingen im Landkreis Oldenburg. Neben den 10000 gekeulten Tieren des nachweislich infizierten Betriebes sind in einem weiteren Betrieb in Vechta weitere 21000 Tiere vorsorglich getötet worden, weil der Futtermeister der gleiche war. Das H5N8-Virus wird als hochpathologisch bezeichnet, ist also sehr ansteckend. Bei betroffenen Ställen wird ein Sperrbezirk von drei Kilometern Durchmesser eingerichtet und ein Beobachtungsgebiet von zehn Kilometern Durchmesser. Davon sind die Bramscher Halter bisher verschont geblieben.

Vogelgrippe 2014: Hühner im Gewächshaus

Michael Kruses Hühner gelten eigentlich als die Glücklicheren ihrer Art. In sogenannten Hühnermobilen stehen sie in Pente auf der grünen Wiese, immer mit reichlich Auslauf und Gras zum Picken. Damit ist allerdings bereits seit Anfang November Schluss. Vier Wochen früher als beim Seuchenausbruch vor zwei Jahren wurden erste Krankheitsfälle beobachtet und die Stallpflicht verhängt. „Damals hatten wir die Gewächshäuser frei und konnten sie als zusätzlichen Auslauf für die Hühner nutzen“, erinnert sich der Biobauer. Die mobilen Ställe wurden damals mit dichten Schleusen mit den Gewächshäusern verbunden. „Jetzt brauchen wir die Häuser noch für Feldsalat und Ähnliches“, meint Kruse. Die Hühner und vor allem die Eier bilden aber eine wichtige Einnahmequelle des Bioland-Hofes. Eine Lösung fand sich schließlich in Gestalt eines sogenannten „Weideunterstandes“, der eigentlich für Pferde und Rinder gedacht ist und den Kruse und seine Frau Martina Heidebreck „teuer einkaufen“ mussten. Von oben ist der Tunnel mit einer „schissdichten“ Plane, wie Kruse grinsend beschreibt, abgedeckt, die Seiten bestehen als feinstmaschigem Gewebe. Alles abgenommen und behördlich zugelassen. Eine Art „Wintergarten“ für die Hühner nennt Kruse das. Für die Bewohnerinnen des zweiten Hühnermobils soll eine noch zu errichtende Strohscheune demnächst als Ausweichquartier dienen. „Vor Weihnachten haben wir das einfach nicht mehr geschafft“, meint der Landwirt.

Stress für die Hühner

„Für die Tiere ist das schon Stress“, räumt Kruse ein. Nachmittags bekommen die Vögel ein paar Möhren in den Stall oder zusätzliche Silage. Sie wollen beschäftigt werden. „Man muss schon ein bisschen aufpassen, dass sie nicht anfangen, sich zu verletzen.“ De4n Bestand hat er noch nicht reduziert und das ist auch nicht geplant. „Aber es wäre schon gut, wenn die Stallpflicht bis Ende Januar aufgehoben werden könnte. Sonst dürften die Eier nicht mehr als „aus Freilandhaltung“ deklariert werden. „Wir haben dann immer noch den Bioland-Stempel, aber dei Kollegen mit konventioneller Freilandhaltung haben dann ein richtiges Problem“, meint er.

Gänse.

Gänsesaison beendet

Nicht so einfach waren die vergangenen Wochen auch für Gänsemäster Thomas von Guinneau aus Sögeln. Das Geschäft mit den Weihnachtsgänsen sei seit dem 14. Dezember „Gott sei Dank“ für ihn vorbei, sagt Thomas von Guionneau. Auch wenn er die Saison „normal beendet“ hat, das Arbeiten bis dahin bezeichnet der Züchter als „mühsam“. Mit einer Ausnahmegenehmigung waren seine Freilandgänse von der Aufstallungspflicht befreit, mussten aber dementsprechend „engmaschig beprobt werden“, berichtet der Sögelner und lobt dabei das Veterinäramt Osnabrück, das „sehr besonnen gehandelt“ habe. „Quer durch den Bestand“ seien jedes Mal bei 60 bis 100 Tieren Abstriche von Rachen und Kloaken genommen worden, mit einem Stäbchen „wie bei der DNA-Probe“, erzählt von Guionneau. Im Schlachthof wurden dann zusätzlich Blutproben genommen, um zu schauen, ob sich Resistenzen gebildet haben. Doch sein Bestand blieb verschont. Gänse seien „lange nicht so empfindlich wie Hühner und Puten“ sagt der Züchter und ist trotzdem froh, dass die Zeit der Ungewissheit jetzt hinter ihm liegt.

Auch wenn die Freilandhaltung aufgrund des möglichen Kontaktes mit infizierten Wildvögeln als besonders gefährdet gelte, die positiv getesteten Fälle seien überwiegend in Stallhaltung aufgetreten, stellt Thomas von Guionneau fest. Es sei jedenfalls wichtig, dass ein Diskurs geführt werde und dass jetzt genauer geschaut werde, wie es zu den Infektionen kommt. Michael Kruse sieht das ähnlich. Wenn ein Wildvogel aus hundert Metern Höhe die Öffnung eines Lüftungsschachtes treffe, sei das schon sehr viel Zufall. Aber dass das beim gleichen Betrieb mehrfach passiere...?“ An die Wildvögeltheorie mag auch er nicht so recht zu glauben.