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Hilfe muss frühzeitig beginnen Vortrag zur Palliativmedizin in der Niels-Stensen-Klinik in Bramsche

Von Sigrid Schüler-Juckenack | 29.10.2012, 15:30 Uhr

„Eine gute Palliativmedizin kann man nur in einem Team leisten, in dem alle auf Augenhöhe miteinander umgehen. Und der Chef vom Team, das ist der Patient.“ Ulrich Krupp, Chi-rurg und Palliativmediziner der Niels-Stensen-Klinik in Bramsche, hat in der vergangenen Woche über die Arbeit der Palliativeinheit des Bramscher Krankenhauses gesprochen. Der Vortragsabend fand im Rahmen einer Veranstaltungsreihe statt, zu der der Förderverein der Klinik regelmäßig einlädt.

Ziel der Palliativmedizin ist es, die Lebensqualität eines unheilbar kranken Patienten und seiner Angehörigen zu erhalten oder zu verbessern, so Krupp. Selbst in Kollegenkreisen herrsche oft Unkenntnis über die Möglichkeiten, erklärte der Mediziner, aber die Palliativmedizin sei eben keine Sterbemedizin. Auch für einen unheilbar Kranken könne man vieles tun. Schmerztherapie, Behandlung von Übelkeit oder Appetitlosigkeit heilen zwar nicht, aber sie helfen, machte er deutlich. Und: Palliativmedizin werde bei allen Erkrankungen gebraucht, die lebensbegrenzend sind, nicht nur bei Tumorerkrankungen. Ganz besonders wichtig sei, mit nötigen palliativen Maßnahmen nicht zu warten, bis es zu spät ist. „Palliativmedizin muss früher anfangen“, so Krupps Forderung.

Ein Palliativteam wie das in Bramsche sei multidisziplinär und bestehe nicht nur aus Ärzten und Pflegern, sondern auch Ergo- und Physiotherapeuten gehörten dazu, ebenso Seelsorger, Psychologe sowie Sozialarbeiter und nicht zuletzt die ehrenamtlichen Hospizhelfer. Da der Patient der „Chef“ sei, arbeite das Palliativteam streng patientenorientiert. Wenn der Patient meine, er brauche die eine oder andere Maßnahme nicht, so werde das akzeptiert.

Nicht immer müsse das ganze Team aktiv werden, so Krupp. Es gebe auch viele Hausärzte, die seit Jahren gute Palliativmedizin machen und bei denen die Patienten das, was sie in der letzten Phase ihres Lebens brauchen, bekommen. Wichtig sei in jedem Fall, in Gesprächen zu ermitteln, was der Patient und die Angehörigen wollen und brauchen. Als vierte Säule der Medizin stehe die Palliativmedizin gleichberechtigt neben den anderen drei Säulen, nämlich der Prävention, der Therapie und der Rehabilitation.

Klaus-Wilhelm Depker, der im Palliativteam als Seelsorger tätig ist, schätzt nach eigenen Worten, dass dem Patienten durch das Team mehrere Möglichkeiten aufgezeigt werden können. Seine Aufgabe als Seelsorger sei, für Gespräche oder Gebete mit dem Betroffenen da zu sein und sowohl Lebens- als auch Sterbensmut zu machen.

Ergotherapeutin Stefanie Schmidt erklärte, in welchen Fällen eine Ergotherapie das Leben des Betroffenen erleichtern kann. So kann bei Bewegungsstörungen das Aufsetzen im Bett geübt werden, das Anziehen von Kleidung oder auch der Toilettengang. Auch stark eingeschränkten Patienten können nach ihren Worten positive Bewegungserfahrungen vermittelt werden, und das hebe das Selbstwertgefühl des Betroffenen.

Am Schluss der Vorträge gab Krupp seinen Zuhörern noch einen Spruch von Sokrates mit auf den Weg: „Wer gut leben will, muss zunächst gut sterben lernen.“