Ein Artikel der Redaktion

Gottesdienste, Musik, Aktionen Kirchenkreis Bramsche startet in das Lutherjahr

Von Hildegard Wekenborg-Placke | 04.01.2017, 08:01 Uhr

Mit einem gemeinsamen Gottesdienst aller evangelischen Kirchengemeinden im Stadtgebiet startet der Kirchenkreis Bramsche in das Reformationsjahr 2017. In der St. Johanniskirche in Engter stehen am Sonntag, 8. Januar um 10 Uhr vier Pastorinnen und Superintendent Hans Hentschel am Altar.

Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine 95 Thesen mit lauten Hammerschlägen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben, in denen er besonders gegen den missbräuchlichen und geschäftsmäßigen Handel mit Ablassbriefen durch die katholische Kirche zu Felde zog. Die Existenz der Thesen ist historisch belegt, nicht jedoch der Thesenanschlag. Dennoch gilt er als Auslöser der Reformation und damit der Trennung der Luther-Anhänger von der katholischen Kirche.

„Es geht um Inhalte“

 Im Kirchenkreis Bramsche wird unter dem Motto „Wer’s glaubt, wird selig“ mit einer Vielzahl von Veranstaltungen an den großen Reformator erinner t, die Superintendent Hans Hentschel und Kirchenkreiskantorin Eva Gronemann jetzt vorstellten. Allerdings, so der Superintendent: „Das Jahr hat sicherlich eine historische Dimension. Wir wollen aber immer im Auge behalten, dass wir nicht Luther feiern, sondern Christus. Es geht um Inhalte. Dazu müssen wir auch sagen, wo christliche Werte heute deutlich bedroht sind“. Luther habe zwar der breiten Masse die Bibel zugänglich gemacht, aber „Luther war kein Populist“. Der Reformator habe immer das Heil der Menschen im Blick gehabt. „Für uns heißt das heute, auch das Heil derer im Blick zu haben, die ihr Heil bei uns suchen“, sagte der Superintendent mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte. Luther habe immer das Gewissen des Einzelnen, das sich an der Bibel orientieren müsse, über die Autoriät von Institutionen gestellt. „Das prägt uns“, so Hentschel weiter.

Dass Luther auch sehr umstrittene, weil antisemitische und -aus der Zeit erklärbare - antitürkische Äußerungen tätigte, solle bei aller Luther-Würdigung nicht vergessen werden, unterstrich der Superintendent. So ist unter anderem eine Veranstaltung geplant, die sich unter dem Motto:“Wo Protestanten heute gegen Luther protestieren müssen“ mit dieser Thematik auseinandersetzt.

Entscheidende Rolle der Frauen

Verschiedene andere Veranstaltungen sind allerdings bereits terminiert. Nach dem Eröffnungsgottesdienst, mit dem auch ein Zeichen gesetzt werden soll dafür, „welche„entscheidende Rolle Frauen in der evangelischen Kirche spielen“ (Hentschel), wird am 29. Januar ein weiteres „reformatorisches Prinzip“, nämlich das der Laienbeteiligung aufgegriffen. In jeder Gemeinde stehen dann Laien auf der Kanzel. Am 21. Mai und 24. September sind, wie Hentschel es nennt, „Come back-Gottesdienste“ geplant. Kirchlich Engagierte werden dann Menschen, die nur wenig Kontakte zur Kirche haben oder ausgetreten sind, vorschlagen, einmal wieder gemeinsam einen Gottesdienst zu besuchen.

Kirchenkreisempfang mit Günther Beckstein

Am 18. Juni wird das Thema „Priesterliche Gleichberechtigung als Erbe der Reformation“ aufgegriffen. In jeder Gemeinde stehen dann Pastorinnen auf der Kanzel.

Im direkten Umfeld des Reformationstages findet am 30. Oktober der Kirchenkreisempfang statt. Gastredner ist der CSU-Politiker, ehemalige bayerische Ministerpräsident und EKD-Ratsmitglied Günther Beckstein .

Mit 95 Glockenschlägen

Am Reformationstag selbst beginnt um symbolträchtige 15.17 Uhr der Festgottesdienst, der mit 95 Glockenschlägen eingeläutet wird.Im Vorfeld werden im gesamten Kirchenkreis an öffentlichen Plätzen Türen aufgestellt, auf die Menschen Kritisches und Wohlwollendes zu den Themen Kirche, Glauben und Religion schreiben können.

Ein Schwerpunkt des Reformationsjahres liegt auf der kirchenmusikalischen Auseinandersetzung und der Erinnerung an Luther. „Es gibt viel museale Dichtung. Außerdem rücken Kompositionen zum Thema Luther Heldenverehrung und Nationalstolz in den Mittelpunkt. Das möchte ich nicht“, stellt die Kirchenmusikerin klar. Luther habe vielmehr versucht, seine „Ideen unter das Volk zu bringen“. Viel wird sich draußen abspielen, weil Gronemann auch die Menschen ansprechen möchte, „die nicht in die Kirche gehen. Geplant ist unter anderem eine Aktionswoche vom 27. August bis zum 3. September. Wandelkonzerte am Hasesee, Musik in der Fußgängerzone oder in der Stadtbücherei, sind nur einige der Ideen der Kirchenkreiskantorin.

Kindermusical über Luther

Hentschel und Gronemann schreiben derzeit an einem Kindermusical über Martin Luther, das im Juni in St. Martin und St. Johannis in Bramsche aufgeführt werden soll. Ein weiteres musikalisches Highlight soll das Kreisposaunenfest am 11. Juni in Barkhausen-Rabber werden.

Ein Heft mit „hausgemachten Liedern“ erhoffen sich beide von dem Aufruf an die Gläubigen des Kirchenkreises, Luther-Lieder zu schreiben. Bekannte Melodien können mit neu getextet werden, wer möchte, kann auch selbst komponieren.

Neben den speziell auf das Reformationsjahr abgestimmten Aktionen und Angeboten werden vertraute Programme wie die Kultur in der Suptur, der Orgelsommer oder Musik und Stille auch 2017 stattfinden, denn so Hentschel: „Neben dem Jubiläum dürfen und wollen wir das Alltagsgeschäft nicht vergessen.“