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„Goldene Hochtiet, düster Wolken“ Großer Beifall in Kalkriese für Schmittenhöhe-Ensemble

Von Reinhard Fanslau | 13.03.2016, 19:15 Uhr

Wortwitz, Situationskomik, Tempo, Dramatik, Gesangseinlagen, Spielfreude, gute Darsteller und ein überraschendes Ende – all das wünschen sich Zuschauer von einer plattdeutschen Komödie. Die Besucher am Wochenende in der Mehrzweckhalle in Kalkriese bekamen das alles. Das neueste Stück des Heimatvereins

Schmittenhöhe „Goldene Hochtiet mit düster Wolken“ feierte Premiere und wurde am Ende mit rhythmischen Klatschen gefeiert. Nur wenige Ereignisse genießen so einen Kultstatus wie die Schmittenhöhe-Theaterstücke . Auch Bürgermeister und Landtagsabgeordnete kommen zu den Aufführungen, so waren auch Heiner Pahlmann und Clemens Lammerskitten am Samstagabend zugegen. Schließlich gehört das Platt-Theater seit langem zu den kulturellen Höhepunkten in der Region, viele Darsteller sind seit Jahren oder Jahrzehnten dabei. Trotz dieser gewissen Routine bei Schauspielern und Zuschauern war auch diesmal eine gewisse Anspannung spürbar. Schließlich war Premiere.

Lamla: „Machen Sie sich mal keine Sorgen“

„Machen Sie sich mal keine Sorgen. Wir machen das seit über 30 Jahren“, sagte kurz vor der Aufführung Rolf Lamla, 1. Vorsitzender des Heimatvereins Schmittenhöhe . Er behielt Recht. Das Stück nahm schon im ersten Teil Fahrt auf. Die erzählte Geschichte war einerseits verflochten und verworren, andererseits auch schnell erzählt. Das Ehepaar Dykhoff –gespielt von Margret Finke und Wilhelm Mügge- will Goldene Hochzeit feiern. Enkelin Pia (Carolin Klöppel) engagiert den exotischen Hochzeitsplaner Franck-Gero Gautier (Heike

Kremer-Lehwark) aus Frankreich. Schwiegersohn Steffen (Stephan zur Oeveste) wird von der Nachbarin über den Haufen gefahren. Währenddessen schwärmt Opa Johannes (Hans Kuhlmann) für Sängerin Andrea Berg und singt ständig Hits wie „Die Gefühle haben Schweigepflicht“ laut mit. Seine Angehörigen wünschten sich, dass Opa auch Schweigepflicht hätte, aber er singt und singt und wünscht sich auch noch „Tee mit Rum, am besten ohne Tee“ . Am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf. Da ist der französische Hochzeitsplaner aber längst schon mit seinen Gedanken woanders. Denn Franck-Giro turtelt seit einiger Zeit mit Pflegekassen-Vertreterin Anneliese Schnittenfittich (Karola Schölzel) herum.

Dreiakter von Helmut Schmidt

Die Darsteller agierten allesamt souverän und mit außerordentlich viel Spaß an der Sache. Genannt werden müssen noch Andrea Wingerberg als Steffens Frau Stefanie, Christoph Krämer als der coole, jungdynamische Holger Hagedorn, Gudrun Rickhaus als Theodore Dykhoff. Akzente in seiner als naiv, ahnungslosen angelegten Rolle setzte in der zweiten Hälfte des Stücks auch Dieter Thust als Heinz-Heinrich Kleen. Auf jeden Fall erwähnt werden muss schließlich noch die überzeugende Hannelore Zschaler als Nachbarin und Unglücksfahrerin Katharina Klostermann.

Der Dreiakter von Helmut Schmidt unter der Regie von Sabine von der Haar war so aufgebaut, wie eine erfolgreiche Komödie sein muss: verhalten beginnend, sich immer weiter steigernd und am Ende turbulent und zum dramatischen Finale mit allen Charakteren auf der Bühne. Die Handlung war mit vielen Wendungen versehen, aber auch so in sich schlüssig, dass sogar Nicht-Plattdeutsch-Sprecher und Nur-Wenig-Platt-Versteher sie verstehen konnten. Die Spannung baute sich so auf, dass alles auf die Goldene-Hochzeits-Feier hinauslief. Als nach der zweiten Pause das Licht aus und der Vorhang auf ging, rief jemand aus den Zuschauerreihen „So, jetzt wollen wir auch die Hochzeit sehen“. Diese kam dann auch. Und Opa kam im dritten Akt auch nochmal auf seine Kosten, als der Andrea-Berg-Hit „Du hast mich tausend Mal belogen“ ertönte und auch das Publikum mit einstimmte.

Das Ensemble des Heimatvereins Schmittenhöhe führt „Goldene Hochtiet mit düster Wolken“ noch fünf weitere Mal auf. Für fast alle Vorstellungen gibt es noch Karten.