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Gefahren in der Paarungszeit Jäger warnen vor liebestollem Rehwild in Bramsche

Von PM. | 29.07.2014, 13:15 Uhr

Die Jägerschaft warnt vor erhöhter Wildunfallgefahr während der jetzigen „Blattzeit“.

„Den Bock verwirrt der Sonne Glut“, so heißt es in einem alten Jägerspruch, denn wenn die Temperaturen steigen, wird auch das heimische Rehwild immer aktiver: Mitte Juli beginnt die „Blattzeit“ beim Rehwild. Im Bann der Gefühle quert es dann mitunter urplötzlich die Straßen, oft auch am helllichten Tag. Die Jägerschaft nimmt dies zum Anlass, auf die erhöhte Gefahr von Wildunfällen hinzuweisen, und bittet alle Verkehrsteilnehmer um erhöhte Rücksichtnahme.

„Normalerweise hält sich Rehwild von Verkehrswegen fern, während der Blattzeit folgt es aber hauptsächlich dem Fortpflanzungstrieb – es ist buchstäblich blind vor Liebe, und die Gefahr von Wildunfällen steigt enorm“, sagt Jägermeister Martin Meyer Lührmann . Autofahrer müssten zu dieser Zeit auch in Bereichen ohne Warnschild für Wildwechsel mit plötzlich wechselndem Wild rechnen. Besonders groß sei die Gefahr an unübersichtlichen Straßenabschnitten entlang von Wäldern und Feldern.

Das Paarungsverhalten beim Rehwild sei bemerkenswert: Die Ricke gibt den Ton an. Über Geruchsstoffe signalisiert sie dem Rehbock ihre Paarungsbereitschaft. Daraufhin beginnt dieser mit seinem ausdauernden Liebeswerben. Die Rehbockdame gibt diesem aber keineswegs direkt nach, sondern sie entzieht sich zunächst ihrem Verehrer. Der Bock folgt seiner Herzensdame unermüdlich – dieses „Treiben“ kann sich über mehrere Tage und Kilometer hinziehen. Kurz vor der eigentlichen Paarung beendet die Ricke ihre Lockflucht, indem sie einfach stehen bleibt und so ihre Bereitschaft signalisiert.

Neben dieser wildbiologischen Komponente verschärft die Erntezeit die Situation für das heimische Rehwild. Innerhalb weniger Tage verändert die Landschaft ihr Gesicht: Getreidefelder, die vor Kurzem noch Schutz und Deckung boten, verwandeln sich in Stoppelfelder. Dieser „Ernteschock“ raube dem Wild nicht nur die Deckung, sondern die zum Teil bis in die Nacht andauernden Erntevorgänge, beunruhigten das Wild zusätzlich, warnt der Jägermeister.

Meyer Lührmann bittet daher alle Autofahrer bis Mitte August um erhöhte Vorsicht beim Autofahren. Wer trotzdem ein Stück Wild angefahren hat, soll sich an den zuständigen Jagdpächter wenden. Ist der nicht erreichbar oder bekannt, hilft die Polizei weiter.