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Für psychisch Erkrankte Genesungsbegleiter in der Bramscher Tagesstätte Brückenort

Von PM. | 17.09.2018, 19:28 Uhr

Florian Schumacher ist Genesungsbegleiter in der Tagesstätte Brückenort der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück. In dieser Position unterstützt er Menschen mit psychischen Erkrankungen darin, ihren Weg in den persönlichen Gesundungsprozess zu finden.

Florian Schumacher ist 36 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder von zehn und zwei Jahren. Seit seinem 18. Lebensjahr lebt er mit der Erkrankung Schizophrenie beziehungsweise schizo-affektive Störung. Sein Weg bei der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück begann 2003 bei Impuls Fürstenau, wo er zunächst in den Abteilungen Holz und Elektromontage tätig war. Nach einiger Zeit wechselte er dann zu Impuls Bramsche in die Buchbinderei, in 2013 an einen Außenarbeitsplatz im Haus Mittendrin der HpH. Während dieser Zeit arbeitete Schumacher sehr engagiert im Werkstattrat mit. Im Rahmen dieser Arbeit ist auch die Idee geboren, die Ausbildung zum Genesungsbegleiter zu absolvieren.

Andere unterstützen und voranbringen

Florian Schumacher beschreibt die Anfänge seiner Idee: „Damals hatte mich ein Sozialarbeiter eines Komitees, das bei Impuls zu Besuch war, auf den Gedanken gebracht, dass für mich als Psychiatrie-Erfahrener die EX-IN („Experienced-Involvement“)-Ausbildung interessant sein könnte. Als ich mich hierzu schlau machte, wurde mir schnell bewusst, dass diese Ausbildung genau das ist, was ich machen möchte. Anderen mit meinen Erfahrungen helfen, sie damit unterstützen und voranbringen.“

Die Ausbildung zum Genesungsbegleiter läuft über ein Jahr und ist aufgegliedert in zwei Phasen: Im ersten Semester geht es primär um die eigenen Erfahrungen mit der psychischen Erkrankung. Man lernt über seine Erlebnisse zu sprechen und diese mit anderen Teilnehmern zu teilen. Jeder hat zu einzelnen Themen eigene Erfahrungen gemacht, sodass ein großes „WIR- Wissen“ entsteht.

Im zweiten Semester wird dann erlernt, wie man im professionellen Kontext arbeitet. Themenschwerpunkte bilden hier unter anderem die Bestandsaufnahme und Zielplanung, das Beraten und Begleiten, die Fürsprache und die Krisenbegleitung.

Selbsthilfegruppe aufgebaut

Während seiner Ausbildungszeit baute Schumacher in der HpH eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit einer psychischen Erkrankung auf. Seit Ende seiner Ausbildung kam er auch im Kontakt- und Begegnungscafé in Bramsche zum Einsatz und begann, in der Tagesstätte Brückenort zu arbeiten. Seit Juli 2018 ist er nun nur noch hier tätig. Mit dem Arbeitsvertrag in der Tagesstätte war der Weg geöffnet für ein gemeinsames Gespräch mit dem Landkreis Osnabrück und dem Integrationsfachdienst, um die Förderungsmöglichkeiten für ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis zu erörtern. Über das persönliche Budget für Arbeit (einer Regelung für alternative Arbeitsmöglichkeiten für Menschen, die ansonsten in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung tätig sind) fördert der Landkreis nun Schumachers Beschäftigung in der Tagesstätte Brückenort.

Täglich ist er mit verschiedenen Teilnehmer/innen der Tagesstätte im Einzelkontakt. Zudem bietet er dort eine „Recovery Gruppe“ an. In deren Rahmen dieser Settings findet man gemeinsam heraus, wo das eigene Genesungspotenzial liegt, wie man sich selbst stärkt und wie man an die Fähigkeiten gelangt, die in jedemem schlummern.