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Frist sorgt für Ärger Kritik an Dorferneuerung in Hesepe und Engter

Von Heiner Beinke und Björn Dieckmann | 20.05.2016, 21:03 Uhr

Die Verschönerung des Ortsbildes ist eines der Hauptziele des Dorferneuerungsprogrammes, das in fast allen Bramscher Ortsteilen gelaufen ist. In Hesepe und Engter aber stehen solche „Verschönerungen“ nachhaltig in der Kritik. Änderungen sind aber nicht so ohne weiteres möglich.

Frist für Zweckbindung

Was haben der Bedarfsparkplatz für Feuerwehrleute neben dem Gerätehaus in Hesepe und die Ortsdurchfahrt Im Alten Dorf in Engter gemeinsam? Beide wurden mit Mitteln der Dorferneuerung ausgebaut. Und in beiden Fällen gibt es viele, die sehnsüchtig auf das Ende der sogenannten Zweckbindungsfrist von 12 Jahren warten. Erst dann nämlich dürfen geförderte Maßnahmen nachhaltig verändert werden. Davor müssen die Fördergelder wieder zurückgezahlt werden.

In Engter entzündet sich der Ärger immer wieder an der gepflasterten Ortsdurchfahrt Im Alten Dorf . Seitdem sei es dort viel lauter, klagen immer wieder Anlieger, die sich vor allem über durch das Dorf rumpelnde Lkw beschweren.

Immer wieder Diskussionsthema bei der Feuerwehr Hesepe ist der Parkplatz für die Einsatzkräfte in direkter Nähe zum Gerätehaus: Vor Jahren aus Mitteln der Dorferneuerung mit Wabensteinen angelegt, hat er sich aus Sicht der Feuerwehrleute nie bewährt: „Bei Regen ist es extrem rutschig“, weist der stellvertretende Ortsbrandmeister Torsten Grewe auf die abgewetzte Rasenfläche hin. Es sei bereits zu einem Sachschaden gekommen, als ein zum Alarm anfahrender Feuerwehrmann mit seinem Wagen über den schmierigen Untergrund gerutscht sei und ein bereits parkendes Fahrzeug touchiert habe.

Furcht vor Verletzungen

Auch wenn die Folgen hier vergleichsweise harmlos waren, so fürchten die Heseper doch, dass auch einmal einer der Brandschützer sich verletzen könnten. „Entweder, weil ein Fahrzeug nicht rechtzeitig zum Stehen kommt, oder weil jemand auf dem rutschigen Untergrund zu Fall kommt“, so Grewe. Immer wieder werde deshalb seitens des Ortskommandos auf umsichtiges Verhalten auf dem Parkplatz hingewiesen. „Aber das ist die Theorie. Die Praxis sieht da schon schwieriger aus: Wenn unsere Leute zum Alarm gerufen werden, dann stehen sie bei der Anfahrt zum Feuerwehrhaus schon ein Stück weit unter Strom“, schildert Grewe.

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Alle waren einverstanden

 Wolfgang Tangemann , der für die Stadt die Dorferneuerungsverfahren betreut hat, verweist darauf, dass die Feuerwehr ebenso wie der Arbeitskreis und der Ortsrat an den Planungen beteiligt gewesen und damit einverstanden gewesen seien. Es sei darum gegangen, etwas Grün im Ortskern zu haben. Er sei aber „für jedes Gespräch offen“, wenn die Feuerwehrleute tatsächlich darlegen könnten, dass der Parkplatz ihnen das Leben erschwert. Die Richtlinien bezüglich der Zweckbindung seien allerdings „nicht auslegungsfähig“. Eine grundsätzlich andere Lösung sei nicht möglich, solange die zwölf Jahre Zweckbindungsfrist nicht abgelaufen seien.

Frist läuft ab

Tangemann hat aber einen Trost für die Feuerwehr parat: „Das war eine der ersten Maßnahmen im Zuge der Dorferneuerung, ich meine, die Frist müsste in zwei oder drei Jahren abgelaufen sein“. Es bleibe daher die Frage, ob man jetzt kleinere Korrekturen vornehme oder nach Abkauf der Frist den Platz komplett umgestalte. „So drastisch ist das als Problem noch nicht an mich herangetragen worden“, sagt Tangemann.

Während der Stadtplaner einräumt, dass in Hesepe vielleicht etwas grundsätzlich anders gemacht werden muss, liegt der Fall in Engter aus seiner Sicht ganz anders. Dass direkte Anlieger der Landesstraße Im Alten Dorf sich durch mehr und andere Geräusche von der Straße gestört fühlten „kann ich nachvollziehen“, so Tangemann. Es bleibe aber die Frage, was auf der anderen Seite durch diese Verkehrsberuhigung erreicht worden sei. Messungen hätten ergeben, dass die Geschwindigkeit durch die Pflasterung im Durchschnitt um ein Drittel gesenkt worden sei. „Wenn wir da wieder eine Schwarzdecke einziehen und die Leute mit 60 Stundenkilometern oder mehr da durchfahren, dann möchte ich sehen, wer sich dann im Ortsrat hinstellt und meckert“, sagt der Planer.

Nie 100 Prozent

„Wir werden nie den Zustand erreichen, dass Sie 100 Prozent Zustimmung bekommen“, ist sich Tangemann sicher. Es sei auch ein Irrtum zu glauben, dass nur bei der Pflasterung hin und wieder eine Sanierung fällig sei. „Auch eine Schwarzdecke hält nicht ewig“, betont Tangemann. Sicher sei dagegen, dass das Ortsbild unter einem herkömmlichen Ausbau leiden würde.

Ende in Sicht

Die Argumente kann Tangemann sich schon einmal notieren. Denn in Engter läuft die Frist für die Zweckbindung mit Ende des Jahres aus. Dann kann über einen anderen Ausbau diskutiert werden.