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Feierstunde und Info-Veranstaltung Altstadt-Sanierung in Bramsche offiziell abgeschlossen

Von Matthias Benz und Björn Dieckmann | 18.06.2018, 18:52 Uhr

Der Abschluss des langjährigen Sanierungsverfahrens „Südwestliche Altstadt“ in Bramsche ist am Wochenende mit zwei Veranstaltungen im Rathaus gewürdigt worden.

Bramsches Bürgermeister Heiner Pahlmann und Bernd Caffier von der Baubecon Sanierungsträger GmbH präsentierten der Bramscher Bevölkerung die Ergebnisse des nun abgeschlossenen Stadtsanierungsprojektes „Südwestliche Altstadt“. Auch gingen sie auf die Pläne für das Bahnhofsumfeld, dem nächsten Projekt, ein.

„Es ist uns gelungen, dass Gesicht der Stadt zu wandeln“, freute sich Heiner Pahlmann über die Veränderungen in der Altstadt. Im Zuge der Sanierung von 2003 bis 2018 habe es nie geheißen „alles muss neu“. Vielmehr seien historisch gewachsene Strukturen und ortsbildprägende Gebäude und Plätze erhalten und aufgewertet worden. „Ohne die Förderung von Bund und Land hätten wir das als Stadt nicht hinbekommen.“ Auch die Eigentümer der betreffenden Gebäude und private Investoren seien immens wichtig gewesen.

„Nach der Sanierung ist vor der Sanierung!“, machte Pahlmann deutlich. Mittlerweile stecke man aber schon wieder mitten drin: Für den Bereich des Bahnhofsumfeld befinde sich die Stadt aktuell in Verhandlung über Flächenkauf mit der Deutschen Bahn. Stadtsanierungsprojekte seien Erfolgskonzepte und auch für das neue Vorhaben zwischen Innenstadt und Bramscher Berg sei er zuversichtlich.

Bernd Caffier stimmte dem zu: „Vor 40 Jahren hat die Stadt Bramsche Weitsicht bewiesen, die Stadtentwicklung voranzutreiben“, blickte er auf das erste Sanierungsprojekt in der Innenstadt zurück. Anhand von Vorher-Nachher-Bildern zeigte Caffier in seiner Präsentation die massiven Veränderungen beispielsweise in der Großen Straße oder am Tuchmacher-Museum in dieser Zeit.

„Heute attraktive Bereiche“

Auch mit den Fortschritten in der „Südwestlichen Altstadt“ konnte er die Bürger im Rathaus begeistern. „Der Münsterplatz hat einen ganz neuen Charakter als zentraler Punkt der Innenstadt bekommen.“ Auch die Hemker Straße, Mühlenstraße, Kuhstraße und weitere Bereiche waren Teil seiner Dokumentation. „Das sind heute attraktive Bereiche, die Spaß machen und der Stadt ein neues Bild geben.“

„Das Bahnhofsumfeld bietet eine große Chance“, ging Bernd Caffier zum neuen Projekt über. „Andere Kommunen beneiden sie um solche zentralen Flächen“, verwies er auf das Potential. Der Siegerentwurf des Darmstädter Architekturbüros „Trojan + Trojan“ gebe den Weg vor, es sei aber nicht gesagt, das alles auch so komme. Über einen Bebauungsplan – und damit die konkrete Gestaltung des 25 Hektar großen Gebietes – werde aber wohl erst 2020 entschieden, schätzten Caffier und Pahlmann. Bürgerbeteiligung werde es dabei in jedem Fall geben, versicherte der Bürgermeister.

Nach der Präsentation bekamen die Zuhörer die Gelegenheit, Fragen zu den Sanierungsprojekten zu stellen. Zur „Südwestlichen Altstadt“ gab es keine Wortmeldungen, doch umso intensiver wurde das Bahnhofsumfeld diskutiert. Einige Bramscher, die direkt an der Grenze des betreffenden Gebietes leben, äußerten ihre Bedenken bezüglich der städtischen Pläne.

Für Irritationen hatte gesorgt, dass auf dem Siegerentwurf ein bestehendes Gebäude nicht mehr zu finden sei. Pahlmann und Caffier betonten an dieser Stelle, dass der Entwurf ohnehin wohl nicht vollständig so umgesetzt werden könne und dass immer die realen Gestaltungsmöglichkeiten einbezogen werden müssten. „Stadtplanung bedeutet aber, Perspektiven aufzuzeigen“, meinte Bernd Caffier.

Der Lärmschutz an der Bahnstrecke war ebenfalls ein Streitpunkt. Ein paar Bürgerinnen befürchten durch geplante Schutzwände eine höhere Belastung für höher gelegene Häuser. Caffier bezweifelte dies und wies auf die Untersuchungen und Expertenmeinungen hin, die für diesen Bereich eingeholt werden müssen. Belastung durch den künftigen Bauverkehr werde es temporär aber leider zwangsläufig geben, erklärte Heiner Pahlmann.

Kritische Fragen zum Bahnhofsumfeld

Während der Bürgermeister und der Baubecon-Vertreter immer wieder auf die Aufwertung hinwies, die durch neugestaltete Bahnhofsumfeld erreicht werden könne, entgegnete eine Bürgerin, dass es für sie keine Aufwertung darstelle, wenn vor ihrer Haustür Mehrparteienhäuser und Sozialwohnungen entstünden. „Die zukünftige Bevölkerung in diesem Gebiet soll möglichst breit abgebildet werden“, verdeutlichte daraufhin Heiner Pahlmann, dass die Stadt im Bahnhofsumfeld sehr wohl einen Mix unterschiedlicher Privathaushalte anstrebt.

Vor dieser öffentlichen Veranstaltung hatte die Stadt Bramsche bereits zu einer offiziellen Feierstunde mit geladenen Gästen aus Politik und Verwaltung ins Rathaus gebeten. Hauptredner dieser Veranstaltung war Olaf Lies, niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. Er bezeichnete die Förderung von Stadtsanierungsmaßnahmen als ein „Erfolgsmodell“ – sowohl auf das gesamte Bundesland als auch speziell auf Bramsche bezogen. Die Tuchmacherstadt sei mit dem Beginn der Innenstadtsanierung vor 40 Jahren eines der „Urgesteine der Städtebauförderung“ gewesen. Die Sanierung „Südwestliche Altstadt“, in die elf Millionen Euro investiert wurden, sei die logische Folge gewesen. Es zeige sich heute: „Nur attraktive Innenstädte sorgen dafür, dass der Einzelhandel bleibt.“

Die Neugestaltung des Bahnhofsumfelds sah Lies als „eine riesige Chance, Positives zu entwickeln.“ Als Herausforderung – sowohl auf Landesebene als auch für die Kommunen – bezeichnete es der Fachminister, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Weitere Redner neben Bürgermeister Pahlmann und Minister Lies waren Kreisrat Winfried Wilkens und Baubecon-Geschäftsführer Horst Schütte, die die Sanierung der „Südwestlichen Altstadt“ ebenfalls lobten. Sie erhielten als Dank von Pahlmann jeweils eine Flasche „Dobbenbrand“ überreicht, Lies zusätzlich eine Wolldecke im Bramscher Rot aus dem Tuchmacher-Museum. Schließlich, so Pahlmann, müsse man sich einen „für die Stadt ganz wichtigen Minister warm halten“.