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„Evelyn Kryger“ zu Gast Wilde Musikreise auf dem Bramscher Kirchplatz

Von Sascha Knapek | 25.07.2014, 13:50 Uhr

Am vierten Donnerstag des Sommerkulturprogramms war mit der Band „Evelyn Kryger“ in diesem Jahr erstmals eine Formation auf dem Kirchplatz, die sich auf selbst verfasste Originale verließ. Diese willkommene Abwechslung kam ohne Gesang aus, fischte für Kirchplatz-Verhältnisse aber in fast schon in zu vielen Genreteichen, um alle Besucher auf die wilde Musikreise mitnehmen zu können.

Wenn es um die Einordnung der eigenen Musik geht, greifen „Evelyn Kryger“ , wie schon im Bandnamen, zur yipsilon-lastigen Kategorie „Gypszo-Groove-Dysko“. Der etwas sperrige Begriff steht stellvertretend für den originellen, aber auf Dauer auch etwas anstrengenden Sound, den Rebecca Czech (Geige), Jonas Holland-Moritz (Bass), Arne Dreske (Keyboard, Synthesizer), Christoph Kaling (Saxofon) und Hannes Dunker (Schlagzeug) auf dem Kirchplatz präsentierten.

Versiertes Handwerk und virtuose Ideen gaben sich im Konzertverlauf zwar die Klinke in die Hand. Aber die kunterbunte und improvisationslastige Mischung war zum Tanzen zu verschachtelt und zur Hintergrundbeschallung zu schade. Die Stilrichtungen, die das Quintett dabei auf dem Zettel hatten, waren zahlreich und manchmal mit fließenden Übergängen versehen. Der Begriff Weltmusik beschreibt das Potpourri aus Jazz, Balkanpop, afrikanischen Rhythmen, Calypso, Gypsy-Funk und diversen anderen Anleihen wohl noch am ehesten.

Gänzlich genresprengend wurden „Evelyn Kryger“ immer dann, wenn Synthesizer, Elektrospielereien und Klangverfremdungen in den Vordergrund traten. Dann schwenkte der Sound der Hannoveraner Band fast schon in Richtung Techno. Spätestens in diesen Momenten war der eklektische Stilmix, irgendwo zwischen Rattenfänger und Schlangenbeschwörer, des Guten zu viel. Dass Instrumentalbands, die weder „Easy Listening“ noch uneingeschränkt tanzwütig sind, in so einem Rahmen von Haus vor einer kniffligen Aufgabe stehen, kam erschwerend hinzu.

Ihre große Stärke spielten die fünf jungen Musiker vielmehr immer dann aus, wenn es um ihre handwerklichen Fähigkeiten und die virtuosen Zwischentöne ging. Hörenswerte Soli lieferten nicht nur Saxofonist Christoph Kaling und Rebecca Czech an der Geige ab. Die instrumentale Klasse des Duos blieb aber auch deshalb hängen, weil sie sich fast bei jedem Song prominent die Bälle zuspielten und Soloeinlagen in der Hinterhand hatten. Verdienten Szenenapplaus gab es davon vom Publikum, das zwischendurch von Regen und Windböen auf die Probe gestellt wurde.