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Engagement und Idealismus Bramsche: Informationen zum Thema Pflegefamilie

Von Sigrid Schüler-Juckenack | 20.07.2014, 11:21 Uhr

Ein Pflegekind in die Familie aufzunehmen ist eine große Herausforderung. Es ist eine Entscheidung, die das Leben der Familie für viele Jahre erheblich beeinflusst, und sie muss deshalb sorgfältig bedacht werden.

Die Familien, die sich für die Aufnahme eines Pflegekindes entscheiden, können aber sicher sein, dass sie in allen Fragen Hilfe und Unterstützung bekommen, wie Norbert Albers vom Pflegekinderdienst des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) versicherte. Albers war jetzt mit seinen Kollegen Jennifer Cwik und Mathias Ahlert in der Alten Webschule in Bramsche und sprach darüber, wie man zu Pflegeeltern wird und wie der SKF die Familien begleitet.

„Die Vermittlung eines Pflegekindes läuft nicht von heute auf morgen“, stellten die drei Referenten zunächst klar. Wer ein Kind aufnehmen möchte, der kann sich beim Adoptions- und Pflegedienst des SKF bewerben. Dann werden mehrere Gespräche geführt und die Interessenten nehmen an einem Seminar teil, das sie auf die Aufgaben als Pflegeeltern gezielt vorbereitet. Eine Garantie, dass man ein Pflegekind bekommt, ist das aber noch nicht, denn: „Das entscheidet sich am Bedürfnis des Kindes, das vermittelt werden soll“, so Ahlert. Mit anderen Worten: Der SKF sucht Eltern, die möglichst gut zu dem Kind passen.

„Damit ein Pflegeverhältnis gelingt, muss es so gut wie möglich vorbereitet werden“, erklärte Cwik. Das bedeutet, das die aufnehmenden Eltern alles über das Kind erfahren, was beim SKF bekannt ist. Umgekehrt müsse auch die Pflegefamilie die Karten offen auf den Tisch legen und sich ein Stück „öffentlich“ machen. Das diene aber nicht der Kontrolle. Den Mitarbeiten des SKF sei an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit gelegen. Die laufe nämlich in der Regel über viele Jahre, da Pflegekinder oft bis zur Volljährigkeit in den Familien bleiben. Die Kooperation von SKF und Pflegeeltern verlaufe aber immer auf Augenhöhe. Die perfekten Pflegeeltern gebe es im Übrigen nicht, denn die aufnehmenden Eltern seien so verschieden, wie die Kinder, die Aufnahme suchen.

Seminare gibt es auch über die Aufnahme eines Pflegekindes hinaus, wie auch der Kontakt zur Pflegefamilie vom SKF stets gehalten wird. Da Pflegekinder in ihrer eigenen Familie häufig Gewalt oder Vernachlässigung erfahren haben, sei es wichtig, dass sich die Pflegeeltern in schwierigen Situationen bei Bedarf Rat holen könnten, sagte Cwik.

Wichtig sei, einem traumatisierten Kind mit viel Geduld zu begegnen und ihm Zeit zu geben, sich zu entwickeln und eine stabile Beziehung zu den neuen Eltern aufzubauen. Cwik: „Pflegekinder brauchen viel korrigierende Erfahrung, also die Sicherheit, wirklich jeden Tag ausreichend zu essen zu bekommen oder tröstend in den Arm genommen zu werden.“

Generell sollen die Pflegeeltern nicht mehr als 40 Jahre älter sein als das Pflegekind, so Albers, denn für Pflegekinder solle eine möglichst normale Familiensituation geschaffen werden. Während bei Adoptionen die Nachfrage groß ist, sei es aber schwierig, Familien für Pflegekinder zu finden. Berufstätigkeit beider Pflegeeltern sei nicht notwendigerweise ausgeschlossen, aber gerade zu Anfang sei Stabilität für das Pflegekind wichtig, und dafür müsse man sich, notfalls auf Kosten der Berufstätigkeit, Zeit nehmen.

Die Pflegefamilie ist nach Worten der Referenten ein geschützter Raum. Die leiblichen Eltern haben keine Kenntnis davon, wo ihr Kind in Pflege lebt. Begegnung mit den leiblichen Eltern finde niemals bei der Pflegefamilie statt, sondern beim SKF in Anwesenheit eines Mitarbeiters, so Albers.

Im Landkreis Osnabrück leben nach Albers Worten etwa 250 Pflegekinder in Pflegefamilien. Die Zahlen der Bewerber um ein Pflegekind gehen bundesweit zurück. Umso wichtiger, dass sich Menschen mit Engagement und Idealismus beim SFK Pflegedienst des melden.

Mehr Informationen unter der Telefonnummer 0541/33876-10 oder unter www.skf-os.de.